Techno-Trance als wären es die 90er. Immerhin kann Ataris Jaguar ab jetzt im Schrank bleiben.

Es kommt darauf an, was man erwartet. Wolltet ihr Tempest, wenn ihr Tempest kauft? Super, keine Probleme hier, just do it. Eine Phrase, die sich Nike 1988 sicherte und damit noch deutlich jünger ist als das 1980er-Arcade-Game von Dave Theurer, der nebenbei auch noch Missle Command für sich verbuchen kann. Genug Historie. Oder auch nicht?

Im Prinzip könnte ich Tempest 1980 besprechen und nur ein Absatz würde fehlen, der 1994 dazukam: Alles wurde trippy. Als unerwartetes Vorzeigespiel für Ataris Jaguar bekam das sehr minimalistische Vektor-Tempest eine Menge an bunten Effekten und einen Techno-Dance-Soundtrack als Bonus. Und hier stoppte die Evolution des Gaming-Sauriers. Bis heute.

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Stimmt.

Auch fast 40 Jahre später ballert ihr nach wie vor auf simplen Vektorbahnen, die mal als Ebene, mal als wild geformter Zylinder angeordnet sind, sehr abstrakte Aliens weg. Dabei dürft ihr euch nur am vorderen Rand bewegen, während die Aliens zuerst geradeaus aus der Tiefe zu euch krabbeln und später auch ein paar Moves lernen. Dann hüpfen sie auch schon mal über die Bahnen und schießen zurück. Sind sie oben angekommen, habt ihr ein Problem. Hier könnt ihr nicht auf sie schießen. Ihr müsst mit Schwung seitlich in sie reinrauschen und wenn euch der Platz fehlt oder es zu viele werden, heißt es "Game Over".

Es könnte nicht klassischer sein. Ein paar Leben, keine Continues, werdet ihr damit es schaffen alle 100 Level zu sehen? Und wollt ihr das? Es geht dabei weniger um Taktik als mehr um reine Reflexe. Ihr könnt die Muster der einzelnen Aliens lernen, damit sie euch nicht überraschen, aber der Ablauf entwickelt sich jedes Mal etwas anders und am Ende hilft ein gutes Auge, seine sichere Hand und ein gutes Steuerkreuz schadet sicher nicht. Hektisches Dauerfeuer bringt euch um, ihr müsst das Momentum eures kleinen Raumschiffs perfekt beherrschen und Schüsse sicher platzieren, um auch nur über Level 10 hinauszukommen.

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Ich versuche es ja.
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Was ist jetzt besser: QuadraScan Color oder doch 4K? (Bild von: www.crazykong.com)

Wenn ihr das beherrscht, dann habt ihr es auch leichter, die Extras, die ihr gelegentlich bekommt, sinnvoll einzusetzen. Bessere Schüsse und vor allem auch die Möglichkeit, zu springen und so die Aliens, die oben ankamen, zu treffen, sind oft der Unterschied zwischen Rekordjagd und Game Over. Nichts davon ist sonderlich komplex, aber es ist das richtige Maß an Extras, um zu schneller Monotonie vorzubeugen.

Ist Tempest 4000 nun mehr als nur eine weitere Version auf aktuellen Geräten? Nein. Die 4K braucht hier keiner, - VR wäre vielleicht nett gewesen -, die 60fps sind hier erfüllte Pflicht. Der Rest ist eine ganz dezente Erweiterung von Tempest 2000, 3000 oder TxK. Es ist immer das gleiche Spiel. Ihr huscht über das Feld, habt am besten den Raum abgedunkelt, um die Farben zu intensivieren und Kopfhörer auf, um in der Tempest-EDM-Trance zu versinken. Die Frage ist, ob das noch Spaß macht und die einfache Antwort ist ja. Schlicht, weil die Mischung aus guter Steuerung und einfachem Gameplay eine zeitlose Komponente hat, die sich zwar nur schwer sinnvoll erweitern lässt, aber eben auch ohne Verfallsdatum daherkommt. Der einzige Punkt wäre wohl, dass es 30 Euro sind, weil Tempest draufsteht und wenn ein Indie etwas in der Richtung schafft, es nur die Hälfte ist. Aber gut, dass eines der ältesten Franchises überhaupt ein paar Euro extra nimmt, das war wohl zu erwarten.

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So stellten wir uns Ende der 80er Krieg im Cyberspace vor. Irgendwie ist die Realität mal wieder deprimierend nüchtern.

Es ist schön, dass es Tempest nun auch für moderne Plattformen wieder einmal gibt. Dass es eine gute Version ist, noch mehr. Die neue Nummer hat es sich dabei so wenig verdient wie schon 3000, das letzte echte Update vom urigen Ursprung passierte 1994. Schlimm ist das nicht wirklich, es bleibt eine sehr solide, unverwüstliche Herausforderung an alle, die denken, sie wären gut in solchen Spielen. Aber was den Farbenrausch und vor allem die spielerische Klasse angeht, da hatten wir über die Jahrzehnte auch Dinge wie Geometry Wars, REZ und vieles mehr und sie alle waren die Schritte vorwärts, die Jeff Minter, der Freund aller Lamas, sich bis heute nicht zu gehen traut - wenn er es noch kann. Ich bin inzwischen bei den Altvorderen vorsichtig mit meinem Zutrauen an ihre Fähigkeit, die 80er und 90er des Gamings zu verlassen.

Entwickler/Publisher: Llamasoft / Atari - Erscheint für: PC, Xbox One, PS4 (Die VCS-Version war leider ein Fake) - Preis: ca. 30 Euro in der Box, ca. 20 als Download - Erscheint am: erhätlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: englisch, deutsch, spielt es eine Rolle? - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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