Port eines simplen, fahrigen, aber nicht unsympathischen iOS Eat 'em up, dessen Ladezeiten, Bildrate und Grindfaktor die Nerven strapazieren

So mehr oder weniger aus dem Nichts ein neues Ubisoft-Spiel im Posteingang zu haben, ist schon ein bisschen seltsam. Titel nie gehört, nicht den Hauch einer Ankündigung im Vorfeld vernommen, kann eigentlich nichts Gutes heißen. Oder es hat schier gar nichts zu bedeuten, denn in diesem Fall ist es einfach die Umsetzung eines auf iOS recht beliebten Geschicklichkeitsspiels, das auf Konsolen auch nicht fehl am Platze wirkt.

Okay, seine Tablet-Herkunft scheint in seiner Zielstrebigkeit ganz gut durch. Um viel mehr, als in der Seitenansicht unentwegt fressend quer über den Globus verstreute Unterwasserwelten zu erkunden und dabei etwas beliebig ausgewürfelte Suchmissionen zu absolvieren, das passt zum "Mal-eben-eine-Runde"-Faktor der iOS-Geräte ziemlich gut.

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Am Ende ists eh alles nur Gold, um neue Kleidung zu kaufen. Ja. Kleidung.

Euch obliegt ergo nicht viel mehr, als die Schwimmrichtung festzulegen, Schub zu geben und eurem Hai dabei zuzuschauen, wie er alles Wehrlose im Vorbeischwimmen vertilgt. Wehrhaftere Beute muss man mit einer weiteren Taste attackieren und ihr nachsetzen, nachdem sie sich losreißt, was grundsätzlich ein, zwei Mal passiert und an dieser Stelle die Chance auf ein bisschen Spieltiefe, etwa durch ein Kontersystem, ungenutzt lässt. Doch das System funktioniert auch so noch gut genug.

Twist des Spiels ist, dass Essen nicht optional ist, sondern Pflicht, weil eure Lebenskraft unaufhaltsam heruntertickt, wenn ihr nicht ständig Seafood in den vielzahnigen Rachen nachstopft. Das ist im Grunde keine schlechte Idee für ein dermaßen nach altem Arcade-Automaten schmeckenden Titel. In Verbindung mit manchmal etwas willkürlich spawnenden Fischschwärmen und Schwimmern sowie den Gefahren, wie Unterwasserminen oder andere Fleischfresser, die ebenfalls an eurer Lebensleiste nagen, sorgt das für ein bisschen Frust. Zwischen einem guten Lauf bei stabilem Energiehaushalt und dem plötzlichen Ende als nach Fisch stinkendes Treibgut liegen oft nur wenige Momente.

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Bis man dieses Biest steuern darf, vergeht eine ganze Weile.

Jede von Hungry Shark Worlds thematisch unterschiedlichen Unterwasserwelten wird vor allem dadurch strukturiert, dass man manche Barrieren in andere Gewässer erst mit einem größeren Tier zertrümmern kann und gewisse Feinde sich gleichermaßen auch nur von Haien erlegen lassen, die ein gewisses Kampfgewicht auf die Waage bringen. Da ihr neue Fressmaschinen nur nach und nach durch das Erreichen bestimmter Meilensteine freischaltet, müsst ihr eure Spielweise ein bisschen anpassen, um die jedem Hai eigenen Missionen zu absolvieren. Ich würde aber lügen, wenn ich die gefragten Aktionen als mehr als "Abgrasen und Abhaken" beschriebe.

Im Menü seinem Makrelenhai einen Schnäuzer anzuheften (nur eines von vielen ganz sympathischen Unlocks) und damit eine bestimmte Menge an Fischen zu fressen, ist jetzt nichts, was ich als wirkliche "Mission" deklarieren würde. Es ist trotzdem nett, wie viel Quatsch man so freischalten kann (selbst Dinge wie Bissstärke steigern sich mit der Zeit), auch wenn die Progression doch ein wenig beliebig und vor allem etwas zäh wirkt. Ist nicht schlimm, aber ich bin nicht ganz sicher ob das hier lange genug Spaß macht, um sich die Nahrungskette am Weißen Hai vorbei auch bis zum Megalodon und Mosasaurus hochzufuttern.

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Hierin steckt ein gutes Spiel. Irgendwo. Hoffentlich buddelt Ubi noch ein bisschen tiefer, um es zu finden.

Auch fehlen den prinzipiell ordentlich aufgebauten Leveln hier und da visuelle Orientierungshilfen, und wenn die Kamera nah rangeht, was oft genug passiert, rauschen vom Bildschirmrand tödliche Hindernisse schon mal etwas zu plötzlich heran, wo sich dann zusätzlich die auf der Switch nicht gerade optimale Bildrate bemerkbar macht. Ich starb einige Tode, weil ich in eine Mine hineinrauschte, die ich auf dem Handheld-Display nicht früh genug sah. Auf dem Fernseher wurde das naturgemäß etwas besser, aber das ist irgendwie nicht das natürliche Habitat dieses Spiels.

Ärgerlich sind vor allem noch die vereinzelten Abstürze, Objekte, die man aus unerklärlichen Gründen nicht erreichen kann, und die langen Ladezeiten. Letztere machen sich besonders deshalb bemerkbar, weil es keine Funktion gibt einen Level ohne den Umweg übers Menü neu zu starten. Nichts davon bricht dem Spiel das Genick, vieles lässt sich sicher noch beheben, aber etwas windig wirkt es doch.

Wenn das alles ein bisschen dünn klingt, dann habt ihr recht - und es hat auch Methode: Hungry Shark World ist als Happen für zwischendurch auf die Welt gekommen und wird mit 9,99 Euro auch als solcher angeboten. Dafür stimmt der Umfang durchaus, die Gestaltung ist nicht ohne Charme und die Idee hat in jedem Fall Potenzial. Setzt sich Ubisoft noch mal ran, und tut vielleicht noch etwas für den Spielfluss - kürzere Ladezeiten, weniger unbarmherziges Zeitlimit, optische Wegweiser durch die Level, weniger Grind - ist das hier ein richtig nettes Spiel nach alter, hirnloser Rampage-Schule. Bis dahin wartet ihr besser ab, bevor ihr euch in diese Wasser stürzt.

Entwickler/Publisher: Future Games of London/Ubisoft - Erscheint für: Switch, PS4 - Preis: 9,99 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: Switch

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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