Jeder sollte Mega Man X bis X4 ausprobiert haben, niemand muss sich mehr mit dem Rest der Bande herumschlagen.

Bei etwas über 50 Mega-Man-Spielen bleibt noch viel zu tun, aber jetzt sind immerhin schon 18 mit den beiden Mega-Man-X-Sammlungen und den vorangegangenen "normalen" Mega Mans abgehakt. Was auch heißt, dass es ab jetzt seltsam wird, denn da draußen sind noch Mega Man Soccer und ein paar andere Exoten neben Tonnen an Game-Boy-Mega-Man-Iterationen aller Art. Aber die großen, wichtigen Teile sind jetzt durch. Und nicht mal hier ist alles brauchbar.

Die Mega Man X Collection 1 mit den Teilen X bis X4 ist durchweg fantastisch. 16-Bit-Look, ausgezeichnete Soundtracks, brillantes Leveldesign und das durch alle vier Spiele hinweg. Nun, X3 nicht so sehr, aber es ist immer noch ein sehr nettes Game, mit dem sich gut Zeit verbringen lässt, ist man eh grad im X-Flow drin. Ein paar Extras dazu, ein netter Preis von 20 Euro, hier passt alles.

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Mega Man X ist besser als Mega Man 2. So. Ich habe es gesagt. Ich meine es auch so.

Die zweite X-Collection dagegen... Wow. Ich hatte ganz vergessen, wie schlecht manche Spiele waren. X8 mochte ich früher wirklich gern und ich würde sagen, dass es immer noch ordentlich spielbar ist, wenn es sein muss und nichts anderes da ist, aber X7, gute Güte ist das furchtbar. X6 und X5 sind nicht annähernd dermaßen grausig, aber wirklich gut ist eben auch etwas anderes. Und so ist dann eben die Collection 1 eine Feier der zweiten Hochphase Mega Mans und die Collection 2 eine traurige Dokumentation seines Niedergangs.

Gehen wir sie also rückwärts durch: Mega Man X8 musste einiges wiedergutmachen und so hielt sich Capcom weitestgehend an das, was funktioniert. Ihr habt 2,5D-Hüpfen und Ballern durch eine Polygonwelt, in der ihr hässliche Figuren lenkt oder ausradiert. Die schlichte 3D-Technik der PlayStation 2 ist dabei deutlich schlechter gealtert als der Look des 2D-Super-Nintendo, es wirkt alles wie ein Homebrew-Mix von Mega Man, aber zumindest ein ordentlich spielbarer. Nichts, woran man sich erinnert, aber okay, man kann es machen.

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Mix'n'Match - Der Herausforderungsmodus ist ein Boss-Rush mit immer zwei Bossen. Nett für Pros, den Rest der Welt dürfte es eher kalt lassen.

X7 ist das schlechteste Mega-Man-Spiel, das es je gab... ist gelogen, weil es gab auch nicht nur ein, sondern zwei Mega Man Legends. Und da lässt sich argumentieren, dass es nicht mal Mega-Man-Spiele sind. Nicht wirklich. X7 schon und der Wandel der Serie von 2D zu 3D hier ist etwas, das man auf der ersten PlayStation erwartet hätte, aber das hier ist die PlayStation 2. Trotzdem fühlen sich die unsäglichen 3D-Passagen wie ein erster Gehversuch an und selbst die 2,5D-Gameplay-Abschnitte sind nicht gerade eine Offenbarung, um es mal vorsichtig zu sagen. Das größte Wunder an X8 ist, dass es existiert, denn X7 ist ein klassischer Franchise-Killer.

X5 und X6 sind ein wenig lustlos und beginnen etwas zu sehr durch überdesigntes Gameplay und vor allem einen dramatisch wachsenden Story-Anteil aufzufallen. Immer wieder werdet ihr durch peinliche Dialoge und die dazu passende Vertonung ausgebremst und so noch mal mehr mit der Nase darauf gestoßen, dass das Design der Level mit zum Schwächsten gehört, was die Reihe zu bieten hat. X6 hinterlässt oft, wenn es euch aus heiterem Himmel immer wieder durch fast unschaffbare und meist unfaire Passagen schickt, nur um euch danach komplett zu langweilen, einen geradezu unfertigen Eindruck. Dafür ist der Soundtrack klasse, fast eine Art Best-of-Sammlung aller richtig guten Songs, die man sich aufhob, um ein erstes schlechtes Mega Man damit aufzupolieren. Konnte ja keiner ahnen, dass X7 folgen würde.

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In ihrem neuen, gestochen scharfen Look sehen die beiden 3D-Teile manchmal fast gut aus, aber viel Spaß machen sie nie. Vor allem die Schlaftablette X7.

X bis X4 lassen sich leicht abhandeln: Es ist zu 85 Prozent die Perfektion dessen, was man in 2D als Run'n'Gun produzieren kann. Fünf Prozent fallen für die Stellen weg, die ein wenige frustig sind und zehn Prozent für den von Teil zu Teil wachsenden Anteil an Story mit eingeblendeten Text-Fenstern. Story war nie die Stärke der Reihe - wobei es jetzt auch nicht schlimmer als ein Sonic oder Mario ist - und so drückt man sich schnell durch Zeros Auftritt und das Folgepalaver. Aber Zero selbst gehört zu den Stärken dieser zweiten Reihe, wie auch der intelligente Ausbau der Fertigkeiten über die Teile hinweg. Dazu noch starke Bosse, deren Abgang ihr planen wie trainieren müsst, die euch aber immer vor eine faire Herausforderung stellen. Es ist 2D-Gaming in einigen seiner Sternstunden und selbst der Tiefpunkt der Reihe, Nummer 3, ist immer noch ein guter Grund, auch heute mal eine Konsole anzuwerfen.

Was das Drumherum angeht: Beide Collections bieten die gleiche Oberfläche mit einem ausführlichen Musikplayer für alle Tracks in den Spielen, was angesichts der teilweise unglaublichen Chiptune-Kunst, die hier passiert, ein ganz dicker Bonus ist. Selbst wenn viele der J-Pop-Songs fehlen, wofür vielleicht Lizenzen verantwortlich sind? Keine Ahnung, Fans wird es etwas ärgern. Das Bonusmaterial in visueller Form fällt dagegen im Angesicht der Street-Fighter-Sammlung zuletzt eher mager aus und beiden Teilen die gleiche Folge einer grausigen Anime-Serie zu spendieren ist schon geizig.

Auf Gameplay-Seite habt ihr die X-Challenges als Bonus. Hier sucht ihr euch drei Waffen aus und tretet damit Runde um Runde gegen zwei Bosse gleichzeitig an. Diese werden aus allen Teilen zusammengewürfelt und es ist ganz nett zu sehen, wie sie sich manchmal ergänzen, aber meist fühlt es sich einfach nicht wirklich durchdacht an. Als wären diese beiden Bosse nicht dafür gemacht, im Duett zu kämpfen. Was natürlich der Fall ist. Und so spielt es sich oft auch. Keine Ahnung, es wird ein paar Fans des Modus geben, ich wurde keiner davon.

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In diesem Falle ist 2D nicht nur optisch besser gealtert.

Die Emulation an sich ist, was man heutzutage erwartet: Sauber, ohne allzu viele Optionen. Für alle Teile könnt ihr den Screen in 4:3 spielen oder auf 16:9 strecken, wenn ihr keinen Geschmack und Klasse habt. Dann gibt es die üblichen Hintergründe, die Auswahl zwischen Wischi-Waschi-Filter, netten Scanlines und sauberem Pixel-Look. X7 und X8 als 3D-Spiele haben Antialiasing und Filter, um fast HDig auszusehen, was am Ende aber nur den eher preiswerten Look der Spiele noch mehr betont. Diese Filter bei den beiden lassen sich auch nicht abschalten. Bei der PC-Version beklagen sich viele über Input-Lag. Auf der Konsole ist dieser kein Thema, ich kenne leider die PC-Version nicht, aber angesichts der Masse an Klagen würde ich da nichts ausschließen wollen.

Auf andere Emulations-Features, die eigentlich fast schon Standard sind, wurde verzichtet: Ihr habt keine Vorspuloption, kein Zurückspulen und vor allem keine generelle Speicherfunktion. In X1 bis X3 gibt es noch die Passwörter, aber auf diesen Screens nach einem Level - und nur dort - dürft ihr auch richtig speichern. Alle anderen Teile hatten damals schon Speicherfunktionen und diese werden auch hier genutzt und zwar ausschließlich. Das ist für eine solche Sammlung schwach, denn ganz ehrlich, es ist weder 1997 noch 2004, in Retro-Emulationen wird auf Wunsch gespeichert, das sollte einfach so sein. Da hilft auch der neue Schwierigkeitsgrad, der euch fast unverwundbar macht, nicht viel, selbst wenn er als Einstieg für alle, die noch nie ein X gespielt haben, sicher nicht verkehrt ist.

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Die beiden Mega Man X Collections sind eine Art Dokumentationszweiteiler. In der Legacy Collection 1 habt ihr den Aufstieg, der in Form von X mit einem Knall begann, eines der bestdesignten und spaßigsten Spiele der SNES-Ära auf den modernen Screen bringt. Mit X2 folgt die Zementierung dessen mit kreativen Level- und Boss-Ideen. X3 ist dann der etwas selbstzufriedene Hänger, bevor X4 dann wieder zur Größe aufschließen kann. Vier Spiele, die fast durchgehend so gut sind, dass die Schwächen der Sammlung an sich - magere Screen-Optionen, keine moderne Speicherfunktion - keine echte Rolle spielen. Das hier ist 2D-Gaming in Perfektion.

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Die Legacy Collection 2 ist dann der Niedergang des stolzen Run'n'Gun-Platformer-Imperiums. Erst schleichend mit dem immer noch netten X5, dann dem fast unfertig wirkenden X6 und es kumuliert in der Katastrophe X7. Da kann auch das nette X8 nichts retten, das zu keinem Zeitpunkt an die Klasse der ersten Spiele herankommt. Nicht unspannend nachzuverfolgen, aber leider ist Mega Man X nicht das Römische Reich und schlechte Spiele bleiben schlechte Spiele, da können sie "historisch" noch so interessant sein.

Jeder sollte die erste Mega Man X Collection spielen und ihr eine Chance geben, niemand muss sich mehr mit der zweiten Sammlung abquälen. Da ist das Beste noch die Musik, der Rest hinkt allem hinterher. Mal der eigenen Serienqualität, mal dem, was man lose noch als Mittelmaß definieren könnte. Daher zwei Empfehlungen, die leicht nachvollziehbar sein sollten.

Entwickler/Publisher: Capcom - Erscheint für: PC, Xbox One, PS4, Switch - Preis: ca. 20 Euro pro Collection als Download, Boxed-Versionen 30 bis 60 Euro- Erscheint am: erhätlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Englisch, Deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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