Sony hat trotz der Hitzewelle keine Gnade mit seiner Konsole, die sich hierzulande wie ein Düsenjäger föhnend müht, bei Temperaturen näher an 40 als an 30 Grad die Abwärme ihrer APU aus dem Gehäuse zu pusten: Auch im August schickt der Hersteller wieder einige Gratistitel über PS Plus auf die Festplatten. Tut den Dingern was Gutes und holt sie unter ihren TV-Schränken hervor, das kann ja keiner mit ansehen.

Mafia 3 (PS4)

Als Mafia 3 vor nicht ganz zwei Jahren erschien, waren da wenig Begeisterungsstürme zu verzeichnen. Und tatsächlich krankt und krankte das Spiel deutlich an der Open-World-itis, die man eigentlich schon fast ausgestorben wähnte. Nichts los in der offenen Welt, schwache KI, wiederholungsanfällige Systeme. Kennt man eigentlich, hat man bis 2014 oft genug gespielt.

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Das Spiel lebt von seinen Figuren und seiner Geschichte. Wer dachte nach den ersten beiden Teilen, dass die offene Welt und alles, was damit zu tun hat, diesmal nicht Fokus der Kritik sein würde?

Und doch hat der Titel in der Rückschau auch das eine oder andere zu bieten. Die Geschichte um Vietnam-Veteran Lincoln Clay mag nicht die inspirierteste sein, ist aber mit viel Fingerspitzengefühl und Verständnis für die Epoche, in der das Spiel stattfindet, geschrieben. Die eine oder andere Figur bleibt tatsächlich hängen und vor allem im Kleinen geschieht das eine oder andere Interessante mit ihnen, das offenbart, hier war doch jemand mit Herzblut bei der Sache.

Vor allem die Schießereien gefallen mit wuchtigem Waffenfeedback und seit XCOM trat niemand mehr so beherzt eine Tür ein wie Lincoln Clay. Es ist wirklich schade, dass das unausgegorene Stealth-System im Zusammenspiel mit der schwachen KI das untergräbt, weil es sich zu einfach ausnutzen lässt. Die Gegner in Mafia 3 sind einfach nicht in der Lage, die leise gemeuchelten Leichen ihrer Kollegen zu erkennen. Warum also ballern, wenn man auch im Stillen durch die Missionen kommt?

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Trotzdem hat mir Mafia 3 gefallen, auch wenn ich mehrfach wünschte, das Spiel hätte die Fesseln seiner serieninhärenten Open-World-Strukturen schon früh in der Entwicklung abgestreift und seine Geschichte im Rahmen eines linearen Action-Adventures erzählt. So wie es ist, ist es aber immer noch ein ordentlicher Zeitvertreib, um es nebenher mit Podcast im Ohr zu spielen - und auf Pause zu drücken, wann immer die Charaktere miteinander interagieren. In seinen besten Momenten zündet es genau so sehr, wie es in seinen schlechtesten daran erinnert, warum Open World nicht für jeden Titel eine gute Idee ist.

Dead by Daylight (PS4)

Zu Dead by Daylight habe ich ein schwieriges Verhältnis. Es ist eine Art umgedrehtes Evolve, also einer jagt vier andere Spieler, und macht seine Sache aufseiten der Gejagten eigentlich recht gut, wenngleich ohne irgendwann großartig von der Formel abzuweichen. Vier Spieler versuchen, einem Mörder beziehungsweise Monster mit diversen, teils übernatürlichen Fähigkeiten auf einer recht großen Karte zu entkommen. Dazu müssen sie fünf Generatoren anwerfen, was natürlich immer wieder ihre Position verrät. Das ist spannend und durchaus motivierend, dem Killer knapp zu entgehen, dabei stellen einem sich mehrfach die Haare im Nacken auf.

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'Ich häng' dich da jetzt auf - und wehe du bleibst nicht dort!'

Auf der anderen Seite reizte mich das Spiel als Menschen schlachtende Monstrosität eher weniger. Ich glaube kaum, dass Michael Myers jemals so bei sich dachte, "Mein Gott, was für eine Sisyphusarbeit, wäre ich doch lieber Schlagersänger geworden!" Aber so ging es mir jedes Mal. Wo die Seite der widerwilligen Opfer tatsächlich viel Reiz aus dem Gefühl der Verstohlenheit und dem Entkommen zieht, vermag die Verkörperung des Teenager-tilgenden Bösen den Geist der Jagd nicht ebenso packend ins Spiel zu übersetzen.

Aber hey, das bin vermutlich nur ich. Dead By Daylight hat zumindest am PC auch zwei Jahre nach seinem Erscheinen eine große, aktive Community, die es vielleicht besser weiß als ich oder etwas in dem Spiel sieht, das ich nicht auszumachen in der Lage bin. Das, oder jeder hofft nur, irgendwer wird schon Lust darauf haben, das Monster zu geben. Schaut mal nach, in welches Camp ihr gehört. Kostet in diesem Fall ja nichts und könnte sich lohnen.

Für PlayStation 3 im Aufgebot...

Man kann es als Rollenspiel leichter treffen, als einen Tester, der schon alles gesehen hat. Bound by Flame hatte 2014 das Pech, an Martin zu geraten, den in erster Linie sein tumbes Kampfsystem und die mit zunehmender Dauer nicht eben spannend gestalteten Areale davon überzeugten, hier nur Stangenware vor sich zu haben. Dann wiederum: Optisch ist das hier nett, auf eine generische Fantasy-Art. Einige der Kreaturen-Designs können sich sehen lassen und stellenweise kommt durchaus Atmosphäre auf. Klarer Fall eines Spiels, das mit Verve und ein paar ordentlichen Ideen in die Entwicklung startete und dann auf dem Weg irgendwo zwischen verschiedenen Entwicklungsrealitäten zerrieben wurde. Nun denn, funktional ist es in jedem Fall und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass mir nicht auch für dieses Spiel ein Szenario vorstellen könnte, in dem es für ein Weilchen das richtige ist.

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Ich meine, ok! Skelette mal wieder. Aber die hier können sich sehen lassen.

Serious Sam 3: BFE war erstmal ein kleiner Schock, denn ich hatte das Original am PC als hübschen Titel in der Erinnerung. Vor vier Jahren erschien es dann auf der PS3 und manchmal vergisst man, was man nicht sollte: Dass in der Generation, seit Sonys alte Dame herauskam, einiges passiert ist. Das Spiel läuft in HD-Ready-Auflösung auf gewissermaßen niedrigsten PC-Einstellungen und dann auch nur mit 30 FPS. Aber, und das spricht für Croteam, dem Spaß am zugegebenermaßen schwächsten Serious Sam tut das nicht viel Abbruch. Kann man schon mal machen, wenn es nicht gerade die Cutting Edge in Sachen Grafik sein soll.

PlayStation Vita: Mehr Warhammer-Spiele braucht die Welt!

Space Hulk ist die Umsetzung des 25 Jahre alten Warhammer-Brettspiels beziehungsweise dessen kultiger Sin-of-Damnation-Kampagne und scheint als martialisches Taktikspiel eigentlich wie für die Vita gemacht. Das Regelwerk geht, der Vorlage entsprechend, in Ordnung, die Stimmung und Handlung sowieso. Leider sind die Missionen und Ladezeiten so lang, wie die Animationen rudimentär herüberkommen und der Zufallsfaktor in den Fights auf die Nerven fällt. Hier wäre mehr drin gewesen. Wer trotzdem Lust auf funktionale Taktik und durchaus ordentlich umgesetzte Warhammer-Stimmung hat, riskiert einen Blick.

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Draw Slasher macht auf der Vita wenig anders, aber auch nichts wirklich schlechter als alle anderen Touch-basierten Schlitz- und Wischspiele auf iOS und Konsorten. Das ist im Grunde alles, was ihr wissen müsst. Anno 2018 erscheint die Idee ein wenig antiquiert, weil es sich schon und sich zu sehr auf das heute etwas gimmickhafte Touch-Gefühl stützt, aber das Spiel ist eben auch von 2013. Sehr zeitgeistig also, einen Durchgang damit bereut man aber keinesfalls.

PlayStation Plus

PlayStation Plus bringt euch Reihe von Zusatzfeatures für die PlayStation: Neben den sechs Spielen jeden Monat, die ihr spielen könnt, solange ihr Abonnent seid - und euch erhalten bleiben, wenn ihr mal aussetzt und später erneut abonniert - ist der Service für die Nutzung von Onlinespielen nötig. Dazu gibt es immer wieder teilweise hohe Ermäßigungen im PlayStation Store, gelegentlich Beta-Zugänge zu neuen Spielen und mehr.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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