Die Grafik rechtfertigt die hohen Hardware-Anforderungen nicht. Trotzdem freuen sich PC'ler - über eines der faszinierendsten Spiele 2018.

Mit etwas über einem halben Jahr Verspätung kommt am 9. August auch der PC in den Genuss der außergewöhnlichen und erstmals halbwegs einsteigerfreundlichen Monsterjagd. Was die so besonders und zum stolzen Träger unserer goldenen Plakette macht, darauf geht Gregor in seinem ursprünglichen Monster-Hunter-World-Test in erschöpfendem Umfang ein. Hier geht es in erster Linie um die Qualität der Umsetzung.

Capcom hat in den letzten Jahren wirklich gut die Kurve gekriegt, wenn es um PC-Umsetzungen seiner großen Titel ging. DmC, Resident Evil 7 und Dead Rising 4 bekamen exzellente Heimcomputer-Versionen ihrer selbst, ausgerechnet das von mir heiß geliebte Dragon's Dogma kam sogar mit am besten weg. Klar, dass die Vorfreude auf die Umsetzung der Monster-Hunter-Verjüngungskur groß war. Immerhin hatten sich die Entwickler reichlich Zeit genommen.

Im Vorfeld der Veröffentlichung sickerte ja bereits durch, dass man besser ein ordentliches Schlachtschiff von einem Rechner unter dem Tisch stehen hat. In meinem Fall ist das ein übertakteter i7 6700K samt Geforce GTX 1080, ich wähnte mich also auf der sicheren Seite. Deshalb war ich auch nicht so ganz darauf eingestellt, hier nicht gerade wenige Einstellungen auf Mittel herunterzuschrauben, um in 1440p nah bei den 60 Bildern pro Sekunde, wenngleich auch nicht immer genau drauf, zu bleiben.

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Der Anjanath ist der Platzhirsch des ersten Bioms und macht seine Sache erschreckend gut. Bis man sich an ihn heranwagt, vergehen einige Stunden, in denen man sich mit schlotternden Knien vor ihm verdrückt. (Monster Hunter World PC - Test)

Es ist eindeutig ein Spiel, das mit 30 FPS im Sinn entworfen wurde und im Vergleich zu den Konsolen übermotorisierte Rechner vor eine härtere Herausforderung stellt, als es eigentlich müsste. So rein dem Aussehen nach zu urteilen. Galt in der Vergangenheit eigentlich die Regel, "was auf Konsole stabil mit 30 Bildern pro Sekunde läuft, bekommt ein guter Mittelklasse-PC spielend auf 60 hin", muss man bei Monster Hunter World selbst in 1080p arg an den Einstellungen tüfteln, damit die magische 60 steht. Optionen gibt's dafür zum Glück genug, vor allem die volumetrischen Effekte und Schatten geben einen Performance-Gewinn, ohne das Erlebnis gravierend unansehnlicher zu machen. Gleich fünf Voreinstellungen, die Auflösung dynamisch so zu skalieren, dass die Bildrate etwas glattgebügelt wird, gewähren ebenfalls Flexibilität, wenngleich die Präsentation dadurch natürlich sichtlich unschärfer wird.

Der PC-Spieler ist nun insofern selbst ein eigenwilliges Biest, als dass nicht jeder von ihnen eine derartige Performance ohne weiteres hinnimmt, nicht ohne zu grummeln jedenfalls. Weshalb gibt man den Preis von zwei bis drei Spielkonsolen allein für eine Grafikkarte aus? Damit man sich den Luxus leisten kann, im Menü alles auf Ultra zu stellen. Visuell hat diese Plattform so viele Games zu bieten, bei denen das mit solcher Hardware problemlos möglich ist und die die hier gebotene Optik deutlich in den Schatten stellen. Tatsächlich fallen hier sogar einige recht unscharfe und an deutlich ältere Spiele gemahnende Texturen an Rüstungen und Waffen auf - in einem Titel, in dem die Ausrüstung treibender Beweggrund ist, nicht gerade optimal.

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Die Fremdartigkeit der Landschaften ist eine der reizvollsten Seiten an Monster Hunter. (Monster Hunter World PC - Test)

Auch wenn man seinen Blick von den dicht bewachsenen und angenehm urig in sich verschlungenen Landstrichen nach oben Richtung Firmament schweifen lässt, sieht alles etwas mehr nach Tapete aus, als man bei anderen Triple-A-Spielen am Rechner gewohnt ist. Objekte, die der Kamera im Weg stehen, werden nicht gerade mit dem schönsten aller Effekte dieser Sorte durchscheinend gemacht und selbst auf dem höchsten Preset legt sich ein gewisser Weichzeichner über die Szene, der dafür sorgt, dass Monster Hunter World nie so richtig knackscharf wirkt.

Aber: Obwohl es sicher nicht das ist, was sich Besitzer von High-End-Maschinen ausmalten, arrangiert man sich mit den nicht ganz runden Laufeigenschaften dieses Ports, weil Monster Hunter trotzdem eine Anmut und Schönheit innewohnt, wie man sie selten zu sehen bekommt. Das Art-Design ist unfassbar apart, die Physiognomie der Kreaturen ausgefallen und fantasievoll und die Welten rollen sich so wunderbar fließend und lebhaft vor dem geneigten Jäger aus, dass es eine Freude ist, hinter jeden Stein zu blicken.

Also Schwamm drüber, Technik ist nicht alles, schlechter als auf Konsole sieht es keinesfalls aus und mit einigen Eingriffen bei den Einstellungen kommt man wie erwähnt auch so auf eine Bildrate, die die der Versionen für PS4 und Xbox One deutlich übersteigt. Und eine gleichwertige ist mit mehr oder weniger allem grafischen Brimborium sowieso kein Problem. Insofern: Wie wichtig ist es uns wirklich, wie hart unsere Rechner im Hintergrund für das Spiel ackern müssen? Ich bin zugegebenermaßen mittlerweile ziemlich versnobt, wenn es um stabile Performance geht, aber Monster Hunter World gewinnt auch in nicht ganz glatten 60 FPS noch einiges an Eingängigkeit, das auf PS4 und Xbox noch nicht da war.

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Die PC-Version ist inhaltlich noch nicht auf dem Stand der seit Januar durch diverse inhaltliche Updates aufgewerteten Konsolenfassung. Die sollen erst nach und nach auf dem Rechner erscheinen. Capcom will das Spiel vermutlich im gleichen Rhythmus auffrischen, wie auf PS4 und Xbox One. (Monster Hunter World PC - Test)

Es ist nicht das Timing-vernarrteste Kampfsystem, aber aufgrund kürzerer Reaktionszeiten fühlt sich in 60 FPS jeder Schlag deutlich griffiger an. Das ist von Vorteil in einem Spiel, in dem unerfahrene Hunter es regelmäßig hinbekommen, einen Saurier von der Größe eines Linienbusses mit einem PKW-großen Schwert zu verfehlen. Auch Ausweichen, das Zielen mit Projektilen, die gelegentlichen Klettereinlagen, wenn man von Liane zu Liane schwingt, oder die Monster-Rodeos, nachdem man sich von erhöhter Position auf seine Beute warf ... man macht sein Ding in der Monster-Hunter-Version einer "Neuen Welt" ein wenig eleganter - oder kommt sich zumindest so vor.

So gibt sich der Einstieg dieser ohnehin schon mehr auf Zugänglichkeit gebürsteten Öffnung der japanischen Traditionsreihe nach Westen noch einmal gastfreundlicher - auch wenn es, wie Gregor ebenfalls bereits anmerkte, immer noch genug in Systeme gewickelte Systeme gibt, für die man regelmäßig einen Wiki bemüht. Auch hier: Viele PC'ler sind genau das gewohnt und dürften einigen Reiz daraus ziehen, sich tief in das Regelwerk dieses verschrobenen Jägers und Sammlers von einem Videospiel einzugraben.

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Nicht, dass noch einer denkt, das Spiel käme nicht aus Japan … (Monster Hunter World PC - Test)

Auch wenn ich in Sachen Technik irgendwie mehr erwartet hatte und ich inständig hoffe, Capcom liefert noch zwei, drei Optimierungs-Patches nach, damit irgendwann vielleicht auch 4K machbar sind: Ein schlechteres Erlebnis als auf Konsole ist das PC-Monster-Hunter auf keinen Fall. Dieses Spiel passt perfekt ins Beuteschema der für komplexe RPGs und soziale "Hang-out Games" sehr empfänglichen PC-Community. Die Jagd auf Capcoms unwahrscheinliche Ungeheuer schreibt wie wenige andere Titel klangvolle Geschichten von epischen - gemeinsamen - Heldentaten gegen eigentlich überlegene Feinde und provoziert mit seinem zu nächtelangen Sessions verleitenden Jagen-Basteln-Schlemmen-Zyklus Streitigkeiten mit vernachlässigten Echtwelt-Sozialkontakten.

Es ist schlicht die volle Packung eines Spiels, das sich beim Sprung ins weltweite Rampenlicht genug striegelte, um viele, viele neue Freunde zu finden, sich gleichzeitig aber nicht verbog und so seine verzaubernde Kauzigkeit bewahrte. Das ist ein Kunststück, das so spät in ihrer Laufbahn nur den wenigsten Serien gelingt.

Entwickler/Publisher: Capcom - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: ca. 60 Euro - Erscheint am: 09. August - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: ja, Kosmetisches - Getestete Version: PC

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2018 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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