Katastrophen-Gaming: Die 10 schlechtesten Spiele der 80er

Egal ob Atari oder NES, sie hatten alle was zu bieten.

Schlechte Spiele machen Spaß? Sicher, aber nur solange man sie nicht selbst spielen muss! Darüber zu lesen, sie zu sehen, die absurden Coverartworks und Screenshots zu bewundern, das ist spaßig. Aber stellt euch vor, es sind die 80er, Spiele sind immer teuer, es gibt kein Internet, noch nicht mal so viele Magazine und so riskierte man bei jedem Kauf eine ganze Menge. Zum Beispiel eines dieser Highlights der Spielegeschichte zu ergattern und sich dann vor einem winzigen Röhrenfernseher totzuärgern.

Viel Spaß also aus sicherer Distanz mit dieser Top-10 der Gaming-Sünden der 80er. Ist es die ultimative, alles abschließende List? Natürlich nicht. Man kann immer streiten, ob E.T. oder Silver Surfer nicht doch dabei sein sollten. Aber keine Sorge. Diese Spiele haben selbst im Angesicht solcher Verbrechen noch einiges zu bieten und so sind dies für uns die zehn schlechtesten Spiele dieser eigentlich glorreichen, quirligen und innovativen Dekade.

Platz 10: Fire Fly - 1983 - Atari 2600

Entwickler: Mythicon
Zuerst veröffentlicht: 1983
Erschienen auf: Atari 2600

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E.T. ist das Schlimmste, was das Atari 2600 System zu bieten hatte? Nein, nicht mal nah dran. Es ist ein kryptisches Chaos, das nicht sonderlich viel Spaß macht, aber mit Spielen wie Fire Fly kann man fast schon über negativen Spaß sprechen. Und nein, das Spiel hat nichts mit der beliebten, viel zu früh abgesetzten Sci-Fi-Serie zu tun. Wie könnte es. Dieses Elend hier erschien bereits 1983, also genau zu der Zeit, in der der Videospielmarkt abschmierte und erst Jahre später wieder dank Nintendo auferstehen sollte.

Eine Minute mit diesem Machwerk reicht, um zu sehen, dass es durchaus der gewichtigere Grund sein könnte, dass die Leute keine Lust mehr auf Atari-Games hatten. Aber was will man auch erwarten. Das Spiel kostete damals neu keine 10 Dollar, womit es zur ersten Generation von Low-Budget-Titeln gehörte. Was es ist, erschließt sich weder aus dem hässlichen Cover und schon gar nicht aus dem so epischen wie verklausulierten Versuch eines Handbuchs, das sich insbesondere dadurch auszeichnet, dass man sich das Gehirn ausrenken kann, wenn man versucht, es in eine Beziehung zu dem Spiel zu setzen.

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Das Spiel selbst ist am ehesten eine Art Shoot-'em-up. Wobei man sich da auch nicht so ganz sicher sein kann. Das eigene Sprite scheint ein Insekt, das auf Smileys ballert, die vielleicht der Spielmodus sind oder auch nicht, und was dann auf jedem weiteren Screen folgt, ist selbst für Atari-2600-Verhältnisse völlig unklar. Den Ton muss man eh sofort abdrehen, denn die apokalyptische Fieps-Kulisse droht einen sonst um den Verstand zu bringen. E.T. ein schlechtes Spiel? Gegen Fire Fly ist es ein Meisterwerk.

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Platz 9: Dragon's Lair - 1983 - Arcade und alles andere (vor allem NES)

Entwickler: Advanced Microcomputer Systems
Zuerst veröffentlicht: 1983
Erschienen auf: Arcade, danach auf so ziemlich allen Systemen, die es gibt.

Über dieses "Spiel" - man beachte die Anführungszeichen - wurden schon viele umgedrehte Liebesbriefe geschrieben. Vor allem darüber, wie schamlos hier mit Trial-and-Error den Kids in der Spielhalle aus der Tasche gezogen wurde, die sich dem Charme der Don-Bluth-Animationen nicht entziehen konnten oder wollten. Tatsächlich liegt Dragon's Lairs viel größeres Verbrechen aber darin, dass wir ihm eine ganze Reihe von Full-Motion-Video-Spielen zu Verdanken haben, die nichts aber auch wieder nichts aus den Sünden ihres Ahnen lernten.

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Das Design der ehemaligen Disney-Größe Don Bluth zieht heute wie damals.

Das kann man den Machern noch heute Übelnehmen, wenngleich Dragon's Lair aus spielehistorischer Sicht natürlich trotzdem ein faszinierendes "Ding" ist. Ganz einfach vor allem auch deshalb, weil das tolle Aussehen des Automaten ganz im Gegensatz zu den vergleichsweise sparsamen Produktionskosten liegt. In nur sieben Monaten kloppte man das Spiel um Dirk the Daring und die holde Daphne zusammen, bediente sich Playboy-Fotostrecken, um für die Anatomie der Prinzessin kein Model anstellen zu müssen und ließ die Hauptrollen von dem Animationspersonal sprechen, um weitere Gelder einzusparen.

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Im Bild die Kinect-Version.

Trotz des großen Erfolges versagt Dragon's Lair als Videospiel auf ganzer Linie. Quick-Time-Events, bei denen man nicht weiß, was wann zu tun ist, waren schon damals nicht die hellste Idee und ein binäres Feedback, das sich darin erschöpft, entweder eine Todesanimation zu sehen oder den nächsten Abschnitt zu betreten (wo sich das Spiel wiederholt), ist nichts, was man im Leistungskurs Spieldesign als tragende Säule interaktiven Entertainments durchnehmen würde. Auf iOS-Geräten gibt es mittlerweile allerdings sehr spielenswerte Version, sofern man sich für die fabelhaften Animationen Don Bluths begeistern kann, was auch dreißig Jahre später nicht allzu schwerfällt. Schaut es euch an, und sei es nur, um zu sehen, in welche der vielen denkbaren Richtungen sich die Videospiele damals zum Glück nicht weiterentwickelten.

Eine besondere Erwähnung verdient die NES-Version: Selbst wenn ihr den Arcade-Automaten etwas verklärt liebevoll anguckt, die brutal unfaire und komplett spaßbefreite Umsetzung für das NES in Form eines fast unspielbaren Sidescollers verdient dann sicher den Platz 9.

Platz 8: Dr. Jekyll and Mr. Hyde - 1988 - NES

Entwickler: Toho
Zuerst veröffentlicht: 1988
Erschienen auf: NES

Dr. Jekyll and Mr. Hyde sollte von jedem gespielt werden, der mehr über gutes Spieldesign erfahren möchte. Denn dieser Titel macht alles so perfekt falsch, dass man fast meinen könnte, es wäre mit Absicht so entwickelt worden. Nichts, aber auch rein gar nichts wird dem Spieler erklärt. Ihr lauft ohne den Hauch einer Ahnung von einer Seite zur anderen und wundert euch, was passiert.

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Auch Jekyll hat keinen Plan, was ihr tun sollt.

Manche Leute fügen euch bei Berührung schaden zu, andere wieder nicht. Zwischen ihnen scheint es keine Unterschiede zu geben. Für den Spieler basiert jeder Treffer auf reiner Willkür. Sinn sucht man hier ebenso verzweifelt wie vergebens. Und nachdem ihr als Dr. Jekyll schon ahnungslos umherwandert, beginnt der wahre Spaß, sobald ihr euch in Hyde verwandelt. Natürlich passiert das auch ohne Warnung. Hier werdet ihr wieder von verschiedenen Dingen attackiert. Was ihr nun tun sollt, um euch wieder in Jekyll zu transformieren oder ob es noch ein anderes Ziel in der Hyde-Form gibt, bleibt euch natürlich genauso verschlossen. Also taumelt ihr weiterhin durch die hässliche Welt und zweifelt irgendwann an eurem eigenen Verstand.

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Und Hyde schon gar nicht.

Das Schlimmste hieran ist, dass es ja Regeln gibt. Alle Reaktionen des Spiels auf euer Verhalten folgen bestimmten Konventionen, die ihr nur leider ohne eine Lösung nicht erkennen werdet. Aber selbst wenn ihr euch näher mit der fragwürdigen Logik befasst, verwandelt sich Dr. Jekyll and Mr. Hyde in kein annehmbares Erlebnis. Es bleibt weiterhin ein schlimm unterdurchschnittliches Erlebnis. Nur schafft man es, die Frustration des Spielers um ein Vielfaches zu vergrößern, in dem man absolut nichts erklärt.

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Bessere Foltermethoden müssen erst noch entwickelt werden.

Weiter mit Platz 7 bis 4 der schlechtesten Spiele der 80er

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