Wenn Videospiele eines besonders gut können, dann ist es Horror. Vor allem der Horror, der auf Erschrecker und Atmosphäre baut, ist unfassbar effektiv. Schließlich ist es eine virtuelle Projektion eurer selbst, die von allerhand übernatürlichen Schrecken heimgesucht sind und der die Klauen von Monstern mehr oder weniger direkt ins Gesicht schießen.

Ebenso wie den gepflegten Power-Trip beherrschen es Games, euch eurer gewohnten Mächte zu entziehen und ans untere Ende ihrer Nahrungskette zu verfrachten, bis ihr euch ausgeliefert, endlos verfolgt, manchmal gar gejagt fühlt. Doch auch auf emotionaler, empathischer Ebene feiern Horrorspiele neuerdings vermehrt Erfolge, weil ihre Macher immer mehr Wert auf gut geschriebene Bücher legen.

Das Thema Horror mag heute wie damals auf viele derselben alten Urängste setzen, lernt aber immer neue Tricks hinzu und breitet sich auf immer mehr Genres aus, selbst Multiplayer und Koop-Spiele sind vor gepflegtem Grusel und Splatter nicht mehr sicher. Im Folgenden wollen wir euch etwas mehr als ein Dutzend besonderer Horror-Spiele präsentieren, die in unseren Augen alle auf ihre Art ihren Beitrag dazu geleistet haben, dieses Genre zu einem der populärsten zu machen.

Resident Evil 7

Entwickler: Capcom
Zuerst veröffentlicht: 2017
Erschienen auf: PS4, Xbox One, PC

Nachdem der sechste Teil Resident Evil in eine tiefe Identitätskrise stürzte, war einem Angst und Bange um die Zukunft der Reihe. Mit den ersten Bildern sahen sich viele schon bestätigt, die Produzenten wüssten selbst nicht mehr weiter: Neue Perspektive, die nach Trendbedienung aussah, Betonung von VR, kein Regenschirmsymbol oder Redfield-Geschwister weit und breit? Wussten sie bei Capcom noch, was sie taten?

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Ja, wussten sie. Resident Evil 7 mag zwar nicht auf den ersten Blick nach einem klassischen Vertreter der Reihe aussehen, jagt einem dafür vor allem in den ersten Stunden sehr viel mehr Angst ein, als es sich seit langem wagte. So kribbelig war mir zuletzt, als ich das erste Mal den zweiten Teil spielte. Natürlich, irgendwann kehrt alles zum nicht ganz unbekannten Shlock-Horror zurück und sobald die Waffen sprechen, löst sich mit jedem Schuss auch ein bisschen von der Anspannung die die Mysteriöse Einführung aufbaut. Aber es bleibt von vorne bis hinten ein wahnsinnig gut gemachter Grusler, dem man zutraut, die Basis für eine gesunde Zukunft zu bilden.

2
Bei den Bossen packt ihr besser den Granatwerfer aus.

Resident Evil hat wieder zu sich selbst zurückgefunden. Dass der Weg ausgerechnet darüber führte, sich selbst ein Stück weit zu vergessen, ist eine schöne Lehre für alle anderen in ihrer Serienhistorie festgefahrenen Legenden. (Ich freu' mich trotzdem auf das Resi-2-Remake im RE4-Gewand).

Silent Hill 2

Entwickler: Konami
Zuerst veröffentlicht: 2001
Erschienen auf: PS2, PS3, Xbox, Xbox 360, PC

Silent Hill 2 wird gerne als der König des psychologischen Horrors bezeichnet. Es sind nicht wirklich die Momente, in denen ihr gegen abscheuliche Monster kämpft, die euch beim Spielen erzittern lassen.

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Eigentlich existiert der Nebel nur wegen der Grafiklimitationen, doch trägt er einen Großteil der dichten Atmosphäre.

Erst wenn ihr auf den nebligen Straßen der Kleinstadt wandert, vereinzelte Blutspuren auf dem Asphalt findet und von allen Seiten kratzende Geräusche in euren Gehörgang eindringen, verwandelt ihr euch in ein winselndes Häufchen Elend, das vor Spannung und Angst die Konsole am liebsten im Garten vergraben würde. Und wenn sich dann die Welt um euch herum in eine beklemmende Höllenversion ihrer selbst verwandelt, spielt Silent Hill 2 mit euren Sinnen.

Dabei wollt ihr nur der Nachricht eines Briefes folgen, den ihr anscheinend von eurer toten Frau erhalten habt. Mehr Exposition braucht es nicht. Ihr startet am Rand des verschlafenen Örtchens und taucht nach und nach tiefer in die Geheimnisse eures Unterbewusstseins ein, während euch der Titel mit seiner erdrückenden Atmosphäre in seinen Bann zieht.

6
Haltet euch nur von der HD-Fassung fern.

Das Monsterdesign ist nicht nur verstörend, sondern basiert komplett auf der Psyche des Hauptcharakters James Sunderland. Wenn sich doch nur mehr Entwickler zu solchen Mühen bei ihren Kreationen aufraffen könnten.

Clock Tower

Entwickler: Human Entertainment
Zuerst veröffentlicht: 1996
Erschienen auf: PlayStation

Eigentlich handelt es sich hierbei um den zweiten Teil der Serie, dessen Vorgänger es nie in den Westen schaffte und nur in Japan veröffentlicht wurde. Nach den Ereignissen des Erstlings hat sich die junge Jennifer noch nicht von ihrem albtraumhaften Erlebnis erholt und befindet sich in psychiatrischer Behandlung, als der Scheren-Killer zurückkehrt und neue Opfer fordert.

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Perfekt für jeden Kindergeburtstag.

Clock Tower spielt sich wie ein Point-&-Click-Adventure. Ihr gebt eurer Figur Richtungsangaben, untersucht die Umgebung und sammelt Objekte, um diese später für Rätsel zu benutzen.

Die gesamte Spielzeit werdet ihr dabei von dem Mörder mit der Riesenschere verfolgt. Dieser taucht zufällig auf und verfolgt euch solange, bis ihr ihn abschüttelt oder euch erfolgreich verstecken könnt. Da ihr euch nie sicher sein könnt, ob das gewählte Versteck der richtige Zufluchtsort ist, hockt ihr wie versteinert vor dem Bildschirm, während der Killer den Raum durchstöbert.

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Manchmal könnt ihr euch noch wehren, doch meist ist der Kampf schnell verloren.

Durch eine Einteilung in drei Akte und die Möglichkeit, verschiedene Charaktere im Verlauf zu spielen, könnt ihr den Horror in mehreren Durchgängen immer wieder neu erleben. Falls eure Nerven das überhaupt aushalten.

Inside

Entwickler: Playdead
Zuerst veröffentlicht: 2016
Erschienen auf: PS4, Xbox One, PC, iOS

Der Grusel von Inside ist sehr viel subtilerer Natur als bei vielen anderen Spielen in diesem Artikel - bis er das plötzlich nicht mehr ist. Was als Flucht eines unschuldigen Jungen durch eine einem mysteriösen Verfall ausgelieferte Welt beginnt, nimmt mit jedem Meter verstörendere Züge an, bis man einfach nur noch rauswill, aus diesem Spiel gewordenen Verfolgungswahn.

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Intelligenter, erst leiser, dann immer verstörenderer Grusel, der Stoff zum Nachdenken gibt.

Dass Inside es überhaupt gelingt, den Spieler in eine Angststimmung zu versetzen, obwohl es in 2D stattfindet und man in einiger Distanz zum eigentlichen Geschehen vor der Mattscheibe sitzt, liegt an der Art und Weise, wie diese Welt und die Ereignisse, die ihr erlebt, inszeniert sind. Es fühlt sich an, als hätten David Cronenberg und George Orwell an einem besonders pessimistischen Abend ein furchteinflößendes Brainstorming betrieben, dass dann die besten Animatoren Pixars der Vision getreu ins Leben riefen.

12
Für ein 2D-Spiel ungewöhnlich: Es gibt Stellen, an denen man sich kaum weitertraut.

Dominiert über weite Strecken des Spiels ein wachsendes Unbehagen, rollt im letzten Akt eine unförmige Erkenntnis, die zu erfassen zunächst unmöglich erscheint, über den Spieler hinweg. Das ist meisterhafter, unterschwelliger Schrecken, der die Generationen schadlos überdauern wird.

Eternal Darkness

Entwickler: Silicon Knights
Zuerst veröffentlicht: 2002
Erschienen auf: GameCube

In Horrorspielen dürft ihr eurer eigenen Wahrnehmung nicht zu sehr trauen. Das gilt besonders für Eternal Darkness, das euch gerne mal komplett hereinlegt. Während des Spielens verliert eure Figur bei jedem Blickkontakt zu einem Feind langsam ihren Verstand, was verschiedene Auswirkungen haben kann.

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Im Kampf könnt ihr einzelne Körperzonen anvisieren.

Manchmal betretet ihr einen Raum und lauft an der Decke oder überall liegt wertvolle Munition verteilt. Ein weiters Mal verliert ihr plötzlich beim Laufen eure Gliedmaßen oder ihr explodiert. Ganz fies wird es, wenn eine Warnmeldung angezeigt wird, die über den Verlust eures Speicherstands berichtet. Natürlich passieren diese Dinge nicht wirklich, doch im ersten Moment erzeugen sie kurzes Staunen oder sogar Schrecken.

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Ein Buch und zwölf Charaktere, die es verbindet.

Aber auch die restliche Zeit lässt euch der Titel kaum zu Atem kommen. Um den Mord eures Großvaters aufzudecken, untersucht ihr dessen Anwesen und findet kurze Zeit später das Tome of Eternal Darkness, wodurch ihr in verschiedene Zeitperioden springt und insgesamt zwölf Charaktere spielt, die alle in Verbindung mit dem Buch stehen. Im Verlauf der Handlung findet ihr vereinzelte Runen, mit denen ihr eigene Zaubersprüche erstellen könnt. Diese benötigt ihr auch, um gegen die Monsterhorden kämpfen zu können.

Forbidden Siren

Entwickler: JCE Japan Studio
Zuerst veröffentlicht: 2003
Erschienen auf: PS2

Nach einem Erdbeben ertönt in einem japanischen Dorf eine laute Sirene und der gesamte Ort wird von finsteren Kreaturen heimgesucht. Da die Figuren im Spiel keine guten Kämpfer sind, müsst ihr primär unbemerkt an den Feinden vorbeikommen.

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Stört die Jungs besser nicht beim Essen.

Dazu nutzt ihr eine seltsame Fähigkeit, die euch das Spiel zur Verfügung stellt. Ihr könnt von eurer Perspektive in die der Monster wechseln und erkennen, in welche Richtungen sie gerade blicken. So lernt ihr nicht nur ihre Positionen, sondern auch die Laufwege.

Trotzdem müsst ihr bei eurer Fortbewegung leise agieren, da die Biester euch auch hören können und dann zwangsweise nach euch suchen. In brenzligen Situationen habt ihr zwar die Möglichkeit zur Verteidigung, doch sollte dies immer nur der allerletzte Ausweg sein.

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Die Leuchtpunkte markieren euren Charakter, wenn ihr durch die Augen eines Feindes guckt.

Die bessere Alternative: Sucht lieber einen Ort zum Verstecken oder flieht, bis die Verfolger die Jagd aufgeben, ihr durchatmen und euren Weg fortsetzen könnt. Das ständige Katz-und-Maus-Spiel macht das zentrale Element von Forbidden Siren aus und lässt euch nie mit einem sicheren Gefühl zurück.

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