Seien wir ehrlich: Trüge Two Point Hospital den Namen Theme Hospital 2, wäre das absolut gerechtfertigt. Was die Entwickler hier geschaffen haben, ist ein Fest für alle Spieler, die damals mit Theme Hospital unzählige Stunden im virtuellen Krankenhaus verbrachten. Two Point Hospital drückt die richtigen Knöpfchen und weckt damit nostalgische Gefühle. Und gleichzeitig bietet es mehr als das und führt dezente Neuerungen ein, die das von früher übertragene Spielgefühl nicht belasten.

Ein Selbstläufer ist das alles nicht. Beim Kopieren eines erfolgreichen oder früheren Titels geht unter Umständen viel schief, es ist kein automatisches Erfolgsrezept. Umso schöner, dass es den Entwicklern von Two Point Hospital gelungen ist. Über die Jahre erinnerte ich mich vereinzelt an Theme Hospital und dachte mir, wie toll es wäre, eine Fortsetzung zu haben. Two Point Hospital fühlt sich an, als kämt ihr nach Hause, zurück in eure vertraute Umgebung.

Die zugrundeliegende Struktur und die Mechaniken sind ähnlich. Ihr baut einzelne Zimmer eures Krankenhauses auf und stattet sie aus, von der Aufnahme über die Diagnose bis hin zu einzelnen Behandlungsräumen für die verschiedenen Krankheiten. Zugleich kümmert ihr euch um die Bedürfnisse eures Personals und der Patienten. Baut Pausenräume für die Mitarbeiter und stellt Bänke und Beschäftigungsmaßnahmen für die Gäste auf, zum Beispiel einen Zeitschriftenständer. Die Leute bei Laune zu halten ist ebenso wichtig die die Heilung der Krankheiten.

Two_Point_Hospital_Test
Die Kampagne führt euch von Krankenhaus zu Krankenhaus. (Two Point Hospital - Test)

Sind Patienten unzufrieden oder warten zu lange, stürmen sie wütend aus dem Krankenhaus und euer Ruf verschlechtert sich. Unzufriedenes Personal droht mit Kündigung, wenn ihr sie nicht glücklicher macht. Gönnt ihnen eine Pause, achtet auf ihre Bedürfnisse und erhöht ihr Gehalt, um die Wogen zu glätten. Obendrein sind noch bestimmte Voraussetzungen des jeweiligen Schauplatzes zu beachten. Am Universitätskrankenhaus im Norden ist es zum Beispiel kalt, daher ist eine gleichmäßige Verteilung von Heizkörpern wichtig, um für Wärme zu sorgen.

In der Kampagne des Spiels arbeitet ihr euch nach und nach durch verschiedene Krankenhäuser. Um einen weiteren Schauplatz freizuschalten, benötigt ihr im Normalfall einen Stern ein einem oder mehreren de vorherigen Hospitäler. Maximal sind drei Sterne pro Location erreichbar und um diese zu bekommen, erfüllt ihr unterschiedene Zielsetzungen. Die sind von Ort zu Ort verschiedenen und bringen euch dabei nach und nach die Spielmechaniken näher. Entweder heilt ihr eine bestimmte Zahl an Krankheiten, bildet Mitarbeiter aus oder befördert sie.

Hinzu kommen allgemeine, übergreifende Karriereziele, für deren Erfüllung ihr Kudosh erhaltet. Diese Währung setzt ihr im Umkehrschluss ein, um neue Objekte freizuschalten. Die Perfektionisten unter euch haben jederzeit die Möglichkeit, zu einem früheren Krankenhaus zurückzukehren und so lange daran herumzuschrauben, bis es perfekt ist und alle Ziele erreicht sind. Alles in allem sind die Ziele abwechslungsreich gestaltet, damit ihr nicht vor Langeweile und Eintönigkeit sterbt. Optional gibt es noch Online-Herausforderungen, in denen ihr gegen Spieler aus eurer Freundesliste darum kämpft, vorgegebene Ziele schnellstmöglich zu erreichen.

Baut euer Krankenhaus auf, untersucht Patienten und heilt sie. (Two Point Hospital - Test)

Bei der Modernisierung des klassischen Spielprinzips blieb zum Glück der Sinn für Humor erhalten. Patienten, die unter Rock-and-Rollitis leiden, stampfen zum Beispiel in einem an Freddie Mercury erinnernden Outfit und mit dazu passenden Moves durch eure Krankenhausflure. Hier hilft der Psychiater. Unter Narrzissmus (haha) leidende Clowns begeben sich unterdessen zum Deprimator in der Zirkustherapie, während Patienten mit der Krankheit Helles Köpfchen buchstäblich eine Glühbirne auf den Schultern tragen und durch den Deluxe-Entleuchter der Entleuchtungsklinik einen neuen Kopf erhalten.

Es kommt vor, dass einer der Patienten das Zeitliche segnet. Das passiert aufgrund einer zu langen Wartezeit oder nach einer falschen beziehungsweise nicht erfolgreichen Behandlung. Einige von ihnen tauchen später als Geister im Krankenhaus auf und terrorisieren die Leute - ganz abgesehen davon, dass ein Patiententod schlecht für euren Ruf ist. In solchen Momenten hilft ein Hausmeister weiter, der die Fähigkeit zur Geisterjägerei besitzt. Wagemutig stellt sich er oder sie dem Geist entgegen, packt den Handstaubsauger aus und weg ist er. So einfach geht das. I ain't afraid of no ghost.

Voraussetzung ist, dass ihr einen solchen Hausmeister angestellt habt. Das Personal, das ihr rekrutiert, verfügt über unterschiedliche Fähigkeiten und Charakterzüge. Achtet darauf, wie sich eure Mitarbeiter entwickeln, vor allem wenn es vermehrt zu Todesfällen kommt. Ihr habt die Möglichkeit, sie weiterzubilden und ihre Fähigkeiten zu verbessern, um so die Diagnose- oder Heilungschancen zu steigern. Ebenso lassen sich durch die Forschung neue Technologien entwickeln und vorhandene Gerätschaften aufrüsten. Wie gut die rekrutierten Mitarbeiter sind, hängt vom jeweiligen Schauplatz ab. Am Krankenhaus der Mitton University steht die Weiterbildung als Missionsziel im Vordergrund. Analog dazu erwarten euch hier vor allem unerfahrene Neulinge, die ihr nach und nach spezialisiert und formt.

Je nach Schauplatz gibt es verschiedene Zielsetzungen. (Two Point Hospital - Test)

Realisiert haben die Entwickler das alles mit einer liebevoll gestalteten Grafik. Es lohnt sich, regelmäßig von der höchsten Zoomstufe Gebrauch zu machen, um die vielen Nuancen und Details der Charaktere zu genießen. Die Steuerung geht problemlos von der Hand und das Bauen der Räume und das Platzieren der Objekte ließe sich kaum einfacher regeln. Durch verschiedene Infofenster bleibt ihr auf dem Laufenden hinsichtlich Personal, Patienten oder Krankheiten. Das ermöglicht es euch, gezielt darauf zu reagieren. Und durch einzelne, zuschaltbare Filter seht ihr, wem langweilig ist, wer ein dringendes Bedürfnis hat oder wo es an Getränken mangelt. Dabei untermalt nette Musik von Radio-DJs das Geschehen. Nichts Außergewöhnliches. Nervt es euch, schaltet ihr einfach im Hintergrund eure eigene Musik an. Funktioniert ebenso gut.

Das jahrelange Warten hat sich ausgezahlt. Das Spiel trägt zwar nicht den Namen Theme Hospital, im Grunde ist Two Point Hospital die lange überfällige Fortsetzung. Spielerisch erinnert vieles an den Klassiker, wodurch sich Fans der Krankenhaussimulation von der ersten Sekunde an heimisch fühlen. Es hinterlässt ab und an den Eindruck eines HD-Remakes, aber auf die positivste Art und Weise. Two Point Hospital ist ein Nachfolger beziehungsweise eine Neuinterpretation mit dezent modernisierten Elementen, die das Spiel zielorientierter und leicht komplexer machen. Habt ihr damals was weiß ich wie viele Stunden in Theme Hospital versenkt, bereitet euch darauf vor, das hier erneut zu tun, sobald euch die Two-Point-Hospitalitis ansteckt.

Entwickler/Publisher: Two Point Studios/Sega - Erscheint für: PC - Preis: 34,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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