Man kann der Dragon-Quest-Reihe vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie sich zu sehr von ihrer ursprünglichen Formel entfernt hätte. „Kennst du ein Dragon Quest, kennst du sie alle", mag man kritisch anmerken, aber irgendwas muss es ja sein, was diese Serie bei Fans so beliebt macht. Und vermutlich ist es ein gewisser Konservatismus im Spieldesign, die Treue der Entwickler zu den Wurzeln der Serie.

Diese Tradition zeigt sich auch in Dragon Quest XI, das in Japan bereits im vergangenen Jahr erschienen ist und das jetzt auch seinen Weg in den Westen gefunden hat. Für den Release in Deutschland haben sogar sämtliche Orte und Personen deutsche Namen bekommen - das spielt allerdings lediglich in den Untertiteln eine Rolle, denn die Sprachausgabe ist überall im Westen auf Englisch. Eine japanische Alternative gibt es nicht.

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So ein Dragon Quest muss natürlich was enthalten? Klar, niedliche Comic-Drachen. (Dragon Quest XI - Test)

Dragon Quest XI beginnt im Dorf Kieslingen. Dort haben alle Jugendlichen mit dem Erreichen der Volljährigkeit eine Art Ritual durchzuführen, sie müssen eine Art heiligen Berg besteigen und an dessen Gipfel ein Gebet sprechen - so auch der Protagonist (den ihr selbst benennen dürft) und seine Jugendfreundin. Als beide auf dem Gipfel von einem Monster angegriffen werden, offenbart sich in höchster Not, dass eure Hauptfigur magische Kräfte hat und dass er die Wiedergeburt des Lichtbringers ist, einer Art Messias, dazu auserkoren, die Welt vor dem Bösen zu beschützen. Ebendas ist aber der Grund, warum nicht alle Menschen der Welt Erdria den Lichtbringer mit Freude begrüßen. Denn seine Ankunft in der Welt bedeutet gleichzeitig auch, dass finstere Mächte selbige bedrohen werden.

Und so beginnt die typische Heldenreise, wie sie in einem japanischen Rollenspiel nun mal aussieht. Ihr lauft über die Weltkarte von einem Schauplatz zum anderen, von Stadt zu Dungeon und von Dungeon zu Stadt. Unterwegs trefft ihr Gegner, glücklicherweise allerdings nicht per Zufallskampf. Ihr seht eure Feinde vorab und könnt sie aktiv angreifen, dann habt ihr einen Vorteil - oder ihr lasst euch angreifen, dann habt ihr den eben nicht. Gekämpft wird rundenbasiert, reihum könnt ihr eure Fähigkeiten auswählen, zwischendurch sind eure Gegner dran. Manche Angriffe treffen alle eure Feinde, manche einzelne, wieder andere nur Gegner des gleichen Typs. Wenn ihr möchtet, könnt ihr sämtliche Figuren in einen automatischen Kampfmodus versetzen - ihr gebt dann nur noch vor, ob sie besonders offensiv oder eher defensiv oder unterstützend agieren soll. Gerade weil es nach ein paar Spielstunden doch mal den ein oder anderen schwierigeren Kampf gibt, habe ich mich aber dazu entschieden, jeder Figur selbst Befehle zu geben. Das Kampfsystem ist nicht neu, aber zeitlos, die Menüs bedienen sich im Kampf sehr simpel.

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Irgendwie kann ich diesen Bongo Bongo als Gegner nicht so ganz ernst nehmen. (Dragon Quest XI - Test)

Um den Kampf doch noch ein bisschen aufzupeppen, haben sich die Entwickler entschieden, ein Stärkungssystem einzubauen. In der Praxis bedeutet das, dass Figuren immer mal wieder gekräftigt werden und zwar dann, wenn sie besonders viel ausgeteilt oder eingesteckt haben. In dieser Phase werden sämtliche Statuswerte gestärkt, aber nicht nur das: Sind zwei verschiedene Figuren gleichzeitig gekräftigt, könnt ihr mächtige Team-Fähigkeiten auslösen. Je nach Figurenkombination kann das etwa ein besonders starker Angriff gegen eine oder mehrere Figuren sein oder auch ein starker Heilzauber oder Buff. Sehr nett und besonders in brenzligen Situationen dazu geeignet, euch aus der Patsche zu helfen. Ebenfalls schön sind die Gegner selbst. In den meisten Fällen handelt es sich um niedliche Inkarnationen von Gegnern, die man schon aus der Serie kennt, Schleime etwa oder saure Gurken mit Händen und Füßen.

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Gegnervielfalt à la Dragon Quest. (Dragon Quest XI - Test)

Natürlich lernen eure Figuren auch neue Skills. Mit jedem Stufenaufstieg erhaltet ihr Fähigkeitspunkte, die ihr auf einem Brett verteilen könnt, das mich ein wenig an das Sphärobrett aus Final Fantasy X erinnert hat, nur deutlich kleiner und unkomplizierter. Auf Hexfeldern befinden sich bestimmte Fähigkeiten und mit einer entsprechenden Anzahl an Punkten könnt ihr sie freischalten. Dadurch lassen sich wiederum angrenzende Felder aufdecken. Das System sorgt dafür, dass ihr euch gut in eine bestimmte Richtung entwickeln könnt, ohne euch erst einmal durch Textwüsten wühlen zu müssen. Deckt ihr irgendein Feld auf, das sich in der Nähe eurer bislang genutzten Felder befindet, wird das die ohnehin schon erlernten Fähigkeiten noch weiter stärken - so habe ich meine Hauptfigur beispielsweise auf den Kampf mit dem Zweihänder ausgerichtet. Natürlich müsst ihr eure Helden auch anständigen ausrüsten. Neue Waffen kauft ihr im Shop oder ihr bastelt sie selbst. Letzteres funktioniert über ein kleines Minispiel, bei dem ihr eure neuen Gegenstände in Form schlagen müsst. Gelingt euch das gut, gibt's kleinere Boni.

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Im Charakter-Baukasten entwickelt ihr eure Figuren weiter. (Dragon Quest XI - Test)

Nett ist die Vielfalt unterschiedlicher Schauplätze im Spiel. Obwohl die Grafik doch relativ simpel gehalten ist, einige schmerzhaft niedrig aufgelöste Texturen inklusive, wirkt die Welt doch lebendig. Dunkle Wälder wechseln sich ab mit saftigen, grünen Wiesen, orientalisch anmutenden Städten und westlich aussehenden Dörfern. Dragon Quest XI hat einen orchestralen Soundtrack, den ich im Startbildschirm mit Freude belauscht habe - eingespielt vom Philharmonie-Orchester Tokios, wie das Spiel stolz verkündet. Doof nur, dass im Spiel dann die zwar nett komponierten, immer noch schönen, aber weit weniger spektakulär klingenden Midi-Varianten dieses Themas auf euch warten.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten, mich in Dragon Quest XI zu vertiefen. Schuld daran sind neben dem gelungenen Kampfsystem auch die Figuren, von denen jede ihre ganz eigene Charakterzüge mitbringt. Der Held selbst ist ein hilfsbereiter junger Mann, manchmal beinahe schon zu nett. Im Spiel trefft ihr unter anderem einen Dieb mit gutem Herzen und zwei Schwestern, von denen eine auf magische Weise in ihren kindlichen Körper zurückversetzt wurde. Umso frecher wirkt es da, wenn sie ihren Gegnern Feuerbälle um die Ohren haut und sich selbst mächtigen Adeligen vorlaut in den Weg stellt. Auch hier kann keine Rede davon sein, dass die Entwickler gänzlich neue Charaktere erfunden hätten. Aber man merkt dem Spiel auch in seinen Dialogen an, wie sehr insbesondere Designer Yuji Hori die Dragon-Quest-Formel im Laufe der Jahre perfektioniert hat. Manchmal können Gespräche schon mal ein bisschen länger dauern, aber nie sind sie so unbedeutend und langweilig wie zuletzt in Octopath Traveller.

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Ganz ohne Minispiele kommt Dragon Quest XI nicht aus. Hier: das Pferderennen. (Dragon Quest XI - Test)

Die Hauptgeschichte von Dragon Quest XI habt ihr nach etwa 40 Stunden durchgespielt, danach geht es serientypisch aber noch weiter. Die Geschichte des Lichtbringers erstreckt sich danach noch einmal über rund 20 Stunden und selbst dann könnt ihr das Spiel noch weiter aussaugen, indem ihr euch optionalen Gegnern oder Sidequests widmet, die ihr im Verlauf des Hauptspiels übersehen habt. Ihr bekommt also einiges fürs Geld, wenn ihr denn auf sehr traditionelle, japanische Rollenspiele steht.

Letztlich ist Dragon Quest XI ist absolut glattpoliert, in so gut wie allen Belangen hervorragend und vor allem sehr konservativ. Das Genre wird nicht neu erfunden, aber alles, was man darüber weiß, wird eingebracht und nahezu perfekt umsetzt. Wer schon einmal ein Spiel dieser Art konsumiert hat, wird keinerlei Schwierigkeiten haben, in Dragon Quest XI einzusteigen und sich im Kampfsystem sofort zu Hause fühlen. Die Spielwelt ist abwechslungsreich und bunt, die Figuren sind liebenswert, wenn auch recht vertraut. Die ein oder andere Neuerung hätte schon sein können und auch der eben nicht durchgehend orchestrale Soundtrack ging mir hier und da auf die Nerven. Dragon Quest XI ist praktisch das Gegenteil eines experimentellen Neuanfangs. Es ist ein klassisches japanisches Rollenspiel wie man es kennt und über viele Jahre liebgewonnen hat und das in einer seiner besten Formen.

Entwickler/Publisher: Square Enix/Square Enix - Erscheint für: PC, PS4, Switch - Preis: 59,99 Euro - Erscheint am: PC und PS4: Erhältlich, Switch: 2019 - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsche Texte, englische Sprachausgabe - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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