Pokémon Let's Go Pikachu/Evoli: Klassisches Sammelfieber im modernen Gewand

Ich will die Allerbeste sein.

Sanft streicheln die Grashalme eure Waden, während ihr durch kniehohes Gras streift und die friedliche Stille um euch herum genießt. Ihr geht ein paar Schritte, bis es auf einmal neben euch raschelt. Was das wohl sein könnte? Etwa ein Bisasam, ein Myrapla oder...? Eure Neugierde hat euch gepackt, langsam schleicht ihr auf das raschelnde Geräusch zu, stets bedacht, das Wesen zwischen den Gräsern nicht zu vertreiben. Ihr nähert euch, seid voller freudiger Überraschung und dann...

Dann steht ihr vor einem Rattfratz. Bittere Enttäuschung macht sich breit, ihr überlegt euch zu flüchten oder ihm den Gefallen zu tun, es einzufangen. Gleich wie ihr es tut, solche Momente gab es bislang in den Pokémon-Spielen immer. Wer die Reihe kennt und spielt, weiß, wie frustrierend die Suche nach bestimmten Pokémon im Gras ist. Zwar hilft euch ein Scanner dabei herauszufinden, welches gerade in eurer Nähe steht. Aber wie oft lauft ihr hin und her, um das eine noch fehlende Pokémon in eurem Pokédex zu finden? Schließlich heißt es: Gotta Catch 'Em All!

Diese Zeiten sind in Pokémon Let's Go Pikachu/Evoli passé. Lauft ihr durch das Gras, seht ihr gleich, welches Pokémon dort auf euch wartet und könnt an diesem einfach vorbeilaufen. Sagt adé zu unnötigen Zwischenkämpfen gegen die tausendste Ratte oder Raupe!

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Je nach Edition habt ihr Pikachu oder Evoli als Begleiter.

Storytechnisch lehnen sich die Spiele an die Gelbe Edition von Pokémon an, die im Jahr 2000 in Europa erschien. Die Edition ist nahezu inhaltsgleich mit Pokémon Blau und Rot, orientiert sich aber an der Fernsehserie, sprich, Pikachu (oder im Falle von Let's Go Evoli eben Evoli) begleitet den Spieler auf Schritt und Tritt als Kumpel. Ihr entscheidet euch nicht klassisch für eins der Starter-Pokémon, sondern erhaltet gleich zu Beginn Pikachu oder Evoli als Begleiter. Mit eurem Kumpel an der Seite stürzt ihr euch als Trainer ins lebhafte Abenteuer in der Kanto-Region und versucht alle 151 Pokémon zu fangen. Und im Gegensatz zu den anderen Startern haben die Partner-Pokémon kein Interesse daran, sich zu entwickeln und halten sich vorzugsweise außerhalb des Pokéballs auf.

Wer den Trailer des Spiels kennt, weiß, dass Pikachu auf der Schulter seines Trainers Platz nimmt und Evoli es sich auf dessen Kopf gemütlich macht. Auf eurer Reise freundet ihr euch wie in den letzten Spielen mit euren Kameraden an und streichelt, füttert und kitzelt Pikachu und Evoli. Ebenso ist es möglich, sie in ein Kleidchen zu stecken und die beiden Freunde wie Püppchen mit Accessoires und Outfits einzukleiden, um "so den Partnerlook für sich und ihren neuen besten Freund zu perfektionieren". Neben neuen Gesichtern begegnen euch einige bekannte Charaktere wie Professor Eich oder Team Rocket. Auf dem Weg zu Champ der Pokémon-Liga müsst ihr gegen acht Arenaleiter der Kanto-Region antreten und euch die Orden erarbeiten. Mit von der Partie sind auch Rocko, der Arenaleiter von Marmoria City, und Misty, die Arenaleiterin von Azuria City.

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Ihr seht die Pokémon nun in der Spielwelt, bevor ihr versucht sie zu fangen.

Neu im Spiel ist die Bewegungssteuerung. Wer seit seiner Kindheit davon träumt, selbst einen Ball auf ein Pokémon zu werfen, steht vor der Erfüllung seines Wunsches. Ihr greift entweder zu einem Joy-Con und spielt mit diesem in eurer Hand oder ihr wählt den Pokéball Plus, der zusammen mit dem Spiel rauskommt und federleicht in eurer Hand liegt. Mit diesem manövriert ihr eure Trainer durch die Kanto-Region und fangt das Pokémon vor euch - keine Sorge, den ganzen Arm braucht ihr dafür nicht, genauso wenig müsst ihr groß ausholen, um den Ball zu werfen. Eine kleine Wurfbewegung aus dem Handgelenk reicht völlig aus, um einen exzellenten, großartigen oder guten Treffer zu landen. Drückt ihr auf den Analog-Stick des Joy-Con oder Pokéball Plus, bestätigt ihr eure Eingaben, sodass ihr für Let's Go nur eine Hand zum Spielen braucht. Bonuswissen: Nur der Pokéball Plus enthält das mystische Pokémon Mew. Auf der gamescom testete ich das Spiel mit dem Pokéball Plus und habe mich wie ein Trainer gefühlt.

Das Spiel und der Pokéball Plus sind darüber hinaus mit Pokémon Go kompatibel. In Letzterem gefangene Pokémon aus der Kanto-Region übertragt ihr in die Switch-Spiele, besucht sie dort in einem Park und freundet euch mit ihnen an. Ebenso lässt sich der Pokéball als Ersatz für Pokémon Go Plus verwenden.

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Vertraute Inhalte in neuer Optik.

Ein weiterer Bestandteil der Spiele sind die Kämpfe gegen Trainer, für die Pokémon: Let's Go Pikachu/Evoli das Rad nicht neu erfindet. Dank modernerer Technik sehen sie deutlich besser aus als im Originalspiel und laufen nach dem bekannten Schema F ab. Steht euer Pikachu einem Raupy gegenüber, wählt ihr Donnerschock aus und das Raupy wird gebrutzelt. Kampf zu Ende, euer Pikachu sowie die anderen fünf Pokémon an eurer Seite ernten Erfahrung und steigen gegebenenfalls auf. Ein nettes Detail am Rande: Die Icons der Pokémon im Level-Bildschirm sind nach wie vor verpixelt und erinnern an das Retrospiel.

Kämpfe tragt ihr nicht nur gegen Pokémon-Trainer im Spiel aus, sondern auch online oder lokal über die drahtlose Verbindung der Switch. So ist es möglich, Pokémon miteinander zu tauschen und seinen Pokédex zu vervollständigen. Erstmals in einem Spiel der Reihe können zwei Leute gleichzeitig auf einer Konsole spielen. Durch Schütteln eines zweiten Joy-Con-Controllers wird ein zweiter Spieler herbeigerufen. Zu zweit soll es leichter fallen, Pokémon zu fangen und gegen zähe Trainer in Pokémon-Kämpfen anzukommen.

Ebenfalls gut zu wissen: Es tauchen jeweils eine Reihe von editionsspezifischen Pokémon auf, die es nur in einem der beiden Spiele gibt. Trainer in Let's Go Pikachu treffen unter anderem auf Myrapla, Sandan und Fukano, wohingegen Spieler von Let's Go Evoli die Möglichkeit haben, Pokémon wie Knofensa, Vulpix und Mauzi zu fangen. Übernommen haben die Macher die Mega-Entwicklungen der Pokémon, vorausgesetzt ihr habt haben einen Schlüssel-Stein und den jeweiligen Mega-Stein, zum Beispiel für Bisaflor, Glurak oder Turtok.

Ganz gleich, ob sich die beiden Spiele eigentlich an diejenigen richten, die zum ersten Mal in die Welt der Pokémon-Videospiele eintauchen, ich bin angefixt. Zwar habe ich bislang nur Omega Rubin auf dem 3DS durchgespielt, dafür bin ich mit dem Anime aufgewachsen, habe ein paar Filme zuhause, als kleines Kind die Sticker und Kuscheltiere gesammelt und eine noch im Einsatz befindliche Pikachu-Brotdose. Nachdem die neueren Staffeln der Serie uninteressant wurden, lebte meine Verbundenheit zur Reihe mit Pokemon Go vor zwei Jahren wieder auf. Seither gehe ich täglich raus, um Kilometer zu sammeln, Eier auszubrüten, mit Freunden Raidkämpfe zu bestreiten und meinen Pokédex zu komplettieren.

Als ich den Trailer zu Pokémon Let's Go sah, leuchteten meine Augen und genauso strahlten diese auf der gamescom, als ich das Spiel ausprobierte. Es war so surreal, eines der ersten Pokémon-Spiele mit aufgefrischtem Design und Grafik neu erleben zu dürfen, während es so echt wirkt. Ich empfand es als über alle Maße praktisch, die Pokémon jetzt im Gras zu erkennen und entspannt um sie herum zu laufen oder direkt das noch fehlende im Pokédex einzusammeln, sofern es denn drin bleibt. Mit der Bewegungssteuerung bringt Nintendo etwas mehr Realismus ins Spiel und es ist ein cooles Gefühl, selbst den Ball zu werfen. Kurz gesagt: Die durch den Trailer geweckten Hoffnungen erfüllte Pokémon Let's Go beim Spielen voll und für mich war das Spiel mein Highlight der gamescom.

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