My Friend Pedro - Mein Kumpel, die Banane

Selten war Sterben lustiger

Hier kommt ein guter Ratschlag: Solltet ihr eines Morgens aufwachen und eine schwebende Banane sehen, die mit euch spricht und euch aufträgt, jeden in eurer Umgebung umzubringen, geht zum Arzt. Und wenn ihr wieder daheim seid, eure Tabletten und einen Therapieplatz bekommen habt, dann lebt euren Drang in My Friend Pedro aus. Der irre 2D-Shooter von Ein-Mann-Entwickler Victor Agren wurde ja bereits auf der E3 präsentiert. Auf der Gamescom hatte ich vor kurzem allerdings die Möglichkeit, den Indie-Titel selbst anzuspielen und ein bisschen mit dem Macher zu plaudern. Und ich möchte sagen: My Friend Pedro ist für mich schon jetzt ein Pflichtspiel.

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Ein Gegner allein ist bei My Friend Pedro keine Herausforderung.

Nach dem E3-Trailer war ich zunächst skeptisch. Die Szenen, in denen der Protagonist mit seinem Fuß eine Bratpfanne in die Luft tritt, um dann so gegen sie zu ballern, dass die Kugeln abprallen und die Gegner im Umkreis ausschalten, wirkte auf mich doch arg inszeniert. Als wäre das etwas, das im Spielverlauf nicht wirklich passieren könnte. Umso überrascht war ich, als ich bei genau dieser Stelle ankam und mich der Entwickler freundlich auf die Bratpfanne am Boden hinwies. „Look at the pan, if you kick it, you can ...", sagte er und kam nicht viel weiter, denn ich kannte die Szene ja bereits. Und zu meiner Überraschung gelang es mir schon beim ersten Versuch, die Szene aus dem Trailer nachzuspielen. Die Steuerung von My Friend Pedro fühlte sich zwar die ersten 15 Minuten noch ein wenig schwammig an, aber man gewöhnt sich eben doch sehr schnell daran.

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Das Manöver mit der Bratpfanne: großartig.

Und dann gibt es fast kein Halten mehr. Wie von selbst lauft ihr in den zweidimensionalen Levels in neue Räume, tretet Tische um, die euch dann als Deckung dienen, feuert aus dieser Deckung, springt dann in Zeitlupe, Salti drehend durch die Luft und knallt mit zwei Uzis alles ab, was sich in der näheren Umgebung bewegt. Und kurz nach eurer Landung, da tretet ihr dann noch ein Messer weg, das im Boden steckt, und schaltet damit noch den letzten Gegner aus, nur um eurer Coolness die Krone aufzusetzen. Weil das noch nicht reicht, könnt ihr auch die abgetrennte Köpfe eurer Feinde benutzen, um damit wieder andere Feinde zu erschlagen. My Friend Pedro ist auf eine sehr schwarzhumorige Art brutal und irgendwie will das gar nicht zur zurückhaltenden Freundlichkeit des Entwicklers passen, der am Devolver-Stand neben mir auf der Couch saß.

Agren hat das Spiel ursprünglich als ein experimentelles Flash-Spiel entwickelt, das übrigens bis heute spielbar ist. Die Spielidee ist im Grunde noch die gleiche, in Sachen Spielbarkeit hat der Titel mit dem Browserspielchen aber nicht mehr viel zu tun. Klar, die 2D-Umgebung sieht nicht nach neuester High-End-Grafik aus, aber die Lichteffekte sind sehr nett und der Star des Spiels ist ohnehin nicht seine Welt, es sind die Headshots, die ihr am laufenden Band verteilt, die Salti. Und es ist vielleicht auch das Skateboard, das ihr euren ahnungslosen Gegnern ins Gesicht treten könnt.

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My Friend Pedro kann bisweilen blutig werden.

Wie schon erwähnt, die grundsätzliche Steuerung ist relativ leicht lernbar, die komplexeren Manöver brauchen da schon etwas mehr Übung. Ich neige zudem vor allem in Situationen, in denen euch von verschiedenen Seiten aus beschossen werde, zu Gameplay-Panik. Soll heißen: Ich fange an, wie wild um mich zu schießen. Das ist natürlich dem Spielfortgang nicht gerade zuträglich, aber theoretisch könntet ihr das Spiel auch ohne wilde Tricks irgendwie bezwingen. Ihr bekommt dann nur eine schlechtere Wertung. Victor Agren legt Wert darauf, dass das Spiel auch für weniger geübte Spieler grundsätzlich bezwingbar ist - Könner sollen die Level dann nochmal spielen und sich darum bemühen, ein A zu erzielen. (Und kein C ... so wie ich meistens.)

Ob sich die Geschichte mit der sprechenden Banane im Spielverlauf noch irgendwie aufklären wird, ließ der Entwickler übrigens im Unklaren. Aber auch wenn nicht: Darauf kommt es bei My Friend Pedro nun wirklich nicht an. Das Spiel ist ein Massaker, das aussieht ein eine Ballettaufführung, es ist Ausdruckstanz mit Schusswaffen, Yoga mit abgerissenen Köpfen. Und ich liebe es jetzt schon. Erscheinen soll My Friend Pedro Anfang 2019 für die Switch und den PC - Releases auf anderen Konsolen nicht ausgeschlossen, aber auch nicht angekündigt.

Entwickler/Publisher: DeadToast Entertainment/Devolver Digital - Erscheint für: PC, Switch - Erscheint am: Anfang 2019

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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