Biomutant - Rocket auf Steroiden

Waschbären werden die Welt retten.

Guardians of the Galaxy hat einen großen Vorteil gegenüber allem, was Marvel und Superhelden sonst zu bieten haben: Es hat Rocket. Wer mag bitte keine Waschbären mit großen Knarren? Niemand! Außer vielleicht die Welt von Biomutant wird Realität, aber dann sind wir als Menschen eh nicht mehr da, um uns zu sehr über wehrhafte Großratten mit Kanonen zu beschweren. Aber ja, der erste Gedanke, vor allem als dann der Kampf losging, war, dass jemand Guardians of the Galaxy sah und dachte, dass Rocket als Charakter ruhig ein Spiel kriegen dürfte.

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Rocket 2.0

Natürlich ist die lose Ähnlichkeit zu Waschbären der einzige Bezug dazu, denn das hier ist eine Art Crossover aus Fallout, Enslaved - wer es noch kennt, manche Dinge sind einfach zu schnell vergessen - und Fur Fighters. Bei dem es okay ist, wenn ihr es vergessen habt. Die Erde ist mal wieder menschenleer, Katastrophe und so. Zahlreiche Tierarten sind bis zur Unkenntlichkeit mutiert, haben Intelligenz entwickelt und gesteigert, reden nun und haben sich in sechs Fraktionen aufgeteilt. Das Problem aller ist, dass aus dem Boden schwarzes Öl aufsteigt und den Baum des Lebens, der die Reste der Ökosystems zusammenhält, zu vergiften droht.

Eure Aufgabe ist natürlich, das zu verhindern und ihr tut, was man so in einem Action-RPG tut: Einen Charakter erstellen. Das gezeigte hier war unterhaltsam, denn alle Eigenschaften werden direkt und sehr plakativ im Aussehen des Waschbären widergespiegelt. Steigert ihr die Stärke, wird sein Körper deutlich kräftiger und er wird auch mehr aushalten, aber eure Laufgeschwindigkeit wird keine Rekorde aufstellen. Ein drahtiger Fellball ist schnell und einer mit einem großen Kopf dürfte wohl hohe Werte in der Intelligenz haben. Alles wirkt ein wenig ins Extreme verschoben, das aber auf eine sehr sympathische Weise und der Narben und Augenklappe-Look steht Waschbären scheinbar, wer hätte es gedacht.

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Der in der Mitte könnte vom Faultier abstammen...

Dass niemand hier alles zu ernst nehmen sollte, wird schnell klar, wenn euer Fluggerät von Piraten am Boden mit Enterhaken runtergezogen wird und der Kampf auf einem gefrorenen See startet. Comic-Schrift für Treffer, Gegner, die auch schon mal über das Eis rutschen und zwischen allen ein hyperaktiver Waschbär mit einem Bo-Bumerang-Stab. Aber, es sieht auch so aus wie etwas, das man sofort spielen möchte. Die Bewegungen wirken flüssig, der Ablauf natürlich, es sieht aus wie ein Spiel, das sehr gut darin ist, die Aktionen am Stick sehr direkt spürbar zu übersetzen und auf dem Screen lebendig werden zu lassen. Hoffentlich, den selbst spielen war immer noch kein Thema.

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Sanfte Landung voraus.

Noch drolliger und weniger ernst wird es, als eine Stealth-Szene in eine Seifenblasenschlacht übergeht. Nach einer kleinen Hangel-Passage, die zeigt, dass ihr kreativ sein dürft, wenn ihr Gegner umgehen wollt und die vom Look sehr an eine frische Enslaved-Version erinnert, erschafft der Möchtegern-Rocket eine sehr stabile Seifenblase um sich herum, die wie ein Flummi vom Boden abprallt, mit euch drin und weitestgehend kontrollierbar. Nicht nur, dass ihr damit Abgründe überwinden und generell Spaß haben könnt, Gegner bleiben daran kleben und nehmen natürlich Schaden, wenn ihr sie mit der Blase auf den Boden dotzen lasst. Oder ihr zerstört die Blase und lasst sie in alle Richtungen wegfliegen. Es ist ein ganz eigener Look & Feel, den Biomutant mitbringt, der diese eigentlich lächerliche Szene wie eine völlig legitime und vor allem spaßige Kampfsituation wirken lässt. Wie gesagt, nur weil die Welt zu Ende geht, muss man ja nicht zu ernst sein.

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Von hier aus sieht er gar nicht so niedlich aus, aber keine Sorge, im richtigen Licht ist er ein Boss zum Knuddlen.

Überhaupt lädt das Design der unwahrscheinlichen Bewohner immer wieder zum Schmunzeln ein. Ihr habt einen Bosskampf gegen einen der großen Bossgegner, einen Weltenfresser, der am Baum des Lebens nagt. Es ist eine Art blauer Bär, mit einer weißen Maske, schwarzen Knopfaugen und dem Riesenmaul eines weißen Hais, der seine Spange nicht tragen wollte. Es ist gleichzeitig legitim bedrohlich, trotz des Selbstbau-Mechs, den ihr in dieser Szene steuert, und unglaublich niedlich und lustig. Es ist eine ganz eigene Mischung in diesem Artdesign, die man einfach bewundern muss, egal ob sie einem nun zusagt oder nicht.

Diese Kämpfe scheinen auch durchaus ein paar kreative Momente zu haben, denn zum Besiegen des Weltenfressers gehört es auch, sich verschlingen zu lassen - im richtigen Moment natürlich, nicht, wenn sein schiefes Gebiss dazwischenkommt - und ihm von Innen in der Magensäure schwimmend den Rest zu geben. Der Mech ist sicher die extremste Form der Erweiterung eigener Fertigkeiten, aber weitere Elemente aus dem Bereich des Cybertech, den diese Tierwelt scheinbar auch gemeistert hat, sollen den Kampf und auch einige der Puzzles und Erkundungselemente der Welt frisch halten. Der Power-Arm, der durch Türen schlägt - und sicher auch durch Gegner - ist ein recht banales Beispiel, dem sicher noch ein paar skurrilere folgen dürften. Und wenn nicht, bleiben immer noch Momente, in denen ein Cyber-Waschbär an einer nicht direkt gelenkten Rakete klammert und hofft, dass sie nicht ganz furchtbar landen wird. Sieht man auch nicht jeden Tag.

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Die beste Fortbewegungs- und Kampfmethode seit langem.

Biomutant hat einfach das gewisse Etwas, das man lieben muss. Es ist vielleicht nicht das technisch beeindruckendste Spiel, aber es hat ein faszinierendes Artdesign, vor allem, was die Bewohner dieser seltsamen Welt angeht. Egal ob es nun der eigene Fellball ist oder die Fellbälle, die ihm ans Fell wollen, es wirkt kreativ und auf eine seltsame Art gleichzeitig irgendwie ernst und unglaublich lustig. Dazu sieht es auch alles danach aus, dass das hier ein legitimes, großes, spielerisch interessantes Action-RPG mit all den richtigen Zutaten und einem spaßigen Kampfsystem wird. Sicher einer der vielversprechendsten Kandidaten und vor allem einer, der bisher ohne eine "2" oder höher im Titel auskommt. Aber keine Sorge, wenn Biomutant so gut wird, wie es aktuell aussieht, dann folgt die sicher noch.

Entwickler/Publisher: Experiment 101 / THQ Nordic - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Erscheint: 2019

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Über den Autor:

Martin Woger

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