Battlefield 5 legt in der Beta mehr Wert auf Teamwork

Die Revolution bleibt auch diesmal aus.

Gemeinsam mit meinen Kameraden stampfe ich im Dunkeln durch die schneebedeckte Landschaft von Norwegen. Im Hintergrund die Berge, am Himmel die Nordlichter. Und in den Ohren ein bedrohlich klingendes Dröhnen. Es kommt von den alliierten Transportflugzeugen, sie sich gerade im Anflug befinden. Der Beschuss der Flugabwehrkanonen setzt ein, Leuchtspurgeschosse fliegen in den nächtlichen Himmel. Einer der Transporter steckt einen schweren Treffer ein, sinkt langsam in Richtung Erdoberfläche und zerschellt am Boden. Aus den anderen hüpfen nach und nach Fallschirmspringer, die einen Brückenkopf etablieren und die deutschen Soldaten zurückdrängen möchten.

Es ist der Auftakt zu einer "Grand Operation", die in der Beta von Battlefield 5 verfügbar ist. In diesem Modus absolviert ihr eine mehrere Tage (im Spiel durch Runden dargestellt) andauernde Schlacht. In dieser Operation geht es am ersten Tag darum, dass die Alliierten einen Fuß auf norwegischen Boden setzen und dabei Geschützbatterien an der Küste in die Luft jagen. Am darauffolgenden Tag stoßen sie weiter ins Landesinnere vor, erobern Sektor um Sektor - wenn es gut läuft - und drängen die deutschen Besatzer zurück. Euer Abschneiden in der vorherigen Runde beeinflusst den nächsten Tag. Übriggebliebene Tickets für den Wiedereinstieg überträgt das Spiel.

Die Grand Operations waren nur einer der in der Beta verfügbaren Modi, die mit Matchmaking-Problemen und anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Darunter litten vor allem die Spieler mit früherem Zugang, zum Start für alle Interessenten war davon wenig zu spüren und es lief - in den Zeiträumen, in denen ich spielte - gut und problemlos. Ebenso spielbar waren der altbekannte Conquest-Modus und Tides of War, der ebenfalls einem narrativen Ansatz folgt und sich über mehrere Kapitel erstreckt.

Fahrzeuge waren in der Beta nicht ganz so prominent vertreten.

Das Erste, was Battlefield 5 von Serienveteranen verlangt, ist eine Umgewöhnung. In manchen Aspekten unterscheidet sich das Spiel drastisch von den Vorgängern, legt mehr Wert auf andere Facetten. DICE rückt das Teamplay verstärkt in den Vordergrund, wofür mehrere Dinge ausschlaggebend sind. Zum einen ist die Munition knapp. Habt ihr drei Magazine eurer Primärwaffe verbraucht, ist sie leer. Es sei denn, ihr findet bei einem Gegner oder an einer Munitionskiste Nachschub - oder ein Teammitglied versorgt euch. Das sorgt in gewissen Situationen für echten und ehrlichen Nervenkitzel, wenn an der Frontlinie eure letzte Kugel verschossen ist und ihr als letztes Verteidigungsmittel auf eure Pistole zurückgreift.

Zum anderen spielt die medizinische Versorgung eine Rolle. Eine selbstständige Heilung findet im Bereich bis 30 Prozent statt, darüber geht nichts und ihr braucht einen Sanitäter, der euch versorgt, oder interagiert mit einer medizinischen Nachschubkiste. Das sorgt automatisch für ein anderes Verhalten der Spieler. In der Theorie. Nicht jeder hält sich daran und einige lernen es auf die harte Tour. Hinzu kommt, dass die "Time to kill" geringer ausfällt, vor allem wenn ihr euch auf offenem Gelände befindet. Unbedachtes Vorgehen führt schnell zum Tod.

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Der Feind im Anflug.

Battlefield 5 belohnt euch für diese Behutsamkeit und dafür, dass ihr ein gutes Auge für die Umgebung habt. Markierungen von einzelnen Spielern und die daraus resultierende Nachverfolgung ihrer Position sind in dem Sinne nicht mehr möglich. Stattdessen markiert ihr Punkte auf der Karte, an denen sie sich befinden. Die sind dann statisch und bleiben an der jeweiligen Position. Stellt ihr euch geschickt an, entkommt ihr aus einer solchen Situation, ohne dass euch dabei ein Gegner entdeckt oder ein großer Pfeil dauerhaft über eurem Kopf schwebt.

Über Lust und Frust in einer Runde entscheidet am Ende das Teamplay. Kämpft ihr an der Seite von echten Teamkameraden oder an der von Möchtegern-Rambos? Das Spielerlebnis steht und fällt damit. In der Beta erlebte ich beides. Squads, die gut zusammenarbeiteten und am Ende oben in der Statistik standen. Und Gruppen, in denen jeder sich verstreute und seinen eigenen Dingen nachging, was der eigenen Partei nicht weiterhalf. In Battlefield ist das nichts Neues. Vielleicht lernt der eine oder andere noch dazu, wenn die finale Version erscheint.

Behaltet eure Umgebung gut im Auge und zielt gut, denn Munition ist knapp.

Die Zerstörung der Spielwelt kehrt dabei in großem Stil zurück. In Rotterdam bröckeln die Hausfassaden ab, während im norwegischen Narvik alles noch weit zerbrechlicher ist. Ihr denkt, ihr seid in einem kleinen Häuschen gut versteckt? Der Panzer, der durch das Erdgeschoss rollt und euch plattwalzt, belehrt euch eines Besseren. Zum Teil wundert es mich, dass einzelne Strukturen und Objekte, wie zum Beispiel Bunker oder Züge, keinen Kratzer abbekommen. Anscheinend möchte DICE nicht, dass alles zerstörbar ist. Aber lasst euch nicht täuschen: Vor allem in Narvik lässt sich in den Bereichen rund um die Häuser viel kaputt machen.

Was mich im Vorgänger bei den Flugzeugen störte, war die für meinen Geschmack merkwürdige Controller-Steuerung. In Battlefield 1 ist es nicht anders und ausgehend von den vielen Abstürzen, die ich in den Beta-Matches sah, bin ich nicht der Einzige, dem es so geht. Ich erinnere mich, wie ich damals in Battlefield 1942 gerne (mit Joystick) geflogen bin. Die Lust, heute in ein Flugzeug zu steigen, ist kaum vorhanden. Heute wirkt das alles schwerfälliger, unnötig komplizierter. Eine simplere Kontrollmethode wie in Star Wars Battlefront entspräche eher meinen Wünschen.

Hinsichtlich der Technik haben sich die Kollegen von Digital Foundry eingehend mit Battlefield 5 beschäftigt, was nicht anders zu erwarten war. In puncto Performance lieferte die Beta gute Resultate im Bereich von 40 (PS4 Pro) beziehungsweise 45 FPS (Xbox One X) in wenigen Momenten bis hin zu 60 FPS. Hinzu kommen einige Assets, die den Eindruck von Platzhaltern hinterlassen. In Sachen Optimierung ist noch nicht das letzte Wort gesprochen und bis zur Veröffentlichung im November ist DICE mit Sicherheit fleißig bei der Arbeit. Gut aussehen tut Battlefield 5 auf jeden Fall.

Digital Foundry wirft einen Blick auf die Technik.

Im Großen und Ganzen ist Battlefield 5 inhaltlich keine Revolution. Das lässt jedenfalls die Beta vermuten. Wie sich der angekündigte Battle-Royale-Modus Firestorm auf die Spielerzahlen auswirkt und ob er durch die Battlefield-Formel mit Fahrzeugen und Zerstörung genügend Alleinstellungsmerkmale bietet, bleibt abzuwarten. Spielerisch erfordert der neueste Teil ein wenig Umgewöhnung von euch. Anfangs hatte ich damit meine Probleme, kam aber mit jedem Match besser ins Spiel und war schnell damit vertraut. Es scheint, als wäre Battlefield 5 ein weiterer unterhaltsamer Ableger der Reihe, vor allem die mehrstufigen Grand Operations gefallen mir. Wie das Gesamtpaket inklusive Singleplayer-Geschichten am Ende ausfällt, sehen wir im November.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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