5 Gründe, warum Call of Duty: Black Ops 4s Battle Royale der neue Platzhirsch wird

Und drei, warum das nicht automatisch passieren wird.

Das war ein bisschen plötzlich. Von Skeptikern zunächst als müdes "Ich auch"-Produkt eines Publishers verschrien, der ungelenk und verzweifelt im letzten Moment auf ein viel zu schmales Trittbrett zu springen versucht, gewann der Blackout-Modus von Call of Duty: Black Ops 4 vergangenes Wochenende auf einmal wahnsinnig viele Freunde. Kein Wunder. Wenn man parallel Newsmeldungen darüber lesen muss, wie schlecht PUBG immer noch auf der Xbox läuft, macht eine schon in der Beta sehr flüssig und stabil laufende Alternative umso mehr her.

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Und machen wir uns nichts vor: PUBG ist der Gegner, gegen den Call of Duty hier überraschend unerschrocken in den Ring steigt. Fortnite boxt mittlerweile in einer anderen Liga, ist nach wie vor mehr oder weniger umsonst und wirft sich einer deutlich breiteren Zielgruppe vor die Füße als es COD jemals könnte. Dass aber genau diese Rechnung aufgehen könnte, dafür sprechen meiner nach gleich mehrere Punkte, die ich im Folgenden mal für euch zusammengefasst habe - ebenso wie zwei gute Gründe, wegen derer sich Call of Duty am Ende vielleicht doch noch verheben könnte. Also, hier meine ...

5 Gründe, warum Call of Duty das maßgebliche Battle Royale neben Fortnite wird ...

1. Das COD-Feeling: Jung, energisch, rabiat

Wenn man eine Weile keins angefasst hat, vergisst man schnell, wie gut sich Call of Duty in seinen besten Momenten anfühlt. Mal vom gelinde gesagt seltsamen Fahrverhalten der Quads abgesehen erinnert Blackout direkt wieder daran, warum diese Reihe den alles überragenden Event-Charakter bekam, der andere Titel auf dem Kalender wie von Zauberhand Platz machen ließ. Es ... nun ja ... flutscht einfach, ist wahnsinnig griffig und energiegeladen.

Blackout-Trailer

Dieses Spiel geht besonders im Direktvergleich mit PUBG einfach dermaßen energisch nach vorne, dass das Konkurrenzprodukt sich hüftsteif und überaltert anfühlt. Blackout macht mit PUBG gewissermaßen das, was PUBG mit Arma-Ablegern und H1Z1machte: Das unmittelbarer kontrollierbare und auch auf Spielgefühlebene zugänglichere Spiel anbieten.

2. Sauber, flüssig, jetzt schon weit gediehen

Natürlich war das noch eine Beta, aber was man hier schon sah und spielen konnte lief mit weniger als den sonst erwartbaren Problemchen mehr als ordentlich. Vom "Jank", der Klapprigkeit, die viele andere dieser Spiele an den Tag legen - PUBG ist da definitiv keine Ausnahme - war zumindest am PC wenig zu spüren. Ein Battle Royale, das so sauber läuft und fortwährend poliert wird, ist ein reizender Gedanke. Gleichzeitig überraschte, wie gut das Team die Herausforderung einer dermaßen großen Karte gemeistert hatte. Das dürfte auf dem Rücken dieser Technik kein leichtes Unterfangen gewesen sein.

3. Einfach schnörkellos: Schnell rein, schnell raus.

Der nächste Punkt hakt hier direkt ein: Die Kombination aus stabiler Technik und dem schnelleren COD-Ablauf sorgt für ein Battle Royale, in das man noch unkomplizierter einsteigt als ohnehin schon und dessen Runden gemeinhin zügiger vorüber sind. Inventarfummelei wurde mehr oder weniger eliminiert, weil alle Aufsätze direkt auf die gewählte Waffe wandern (auch wenn man hier und da noch ein paar Zusatzfunktionen integrieren könnte, zum Beispiel Verbesserungen mit einem Tastendruck von einer auf die andere Waffe zu stecken).

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Überhaupt ist man in Blackout schneller wehrhaft, weil Waffen und Zubehör wie Konfetti auf der Karte verstreut sind. Der mühsamste Teil eines Matches, die Loot-Phase, liegt damit schneller hinter den Spielern. Blackout könnte auf diese Weise den "Nur-noch-eine-Runde"-Effekt länger aufrechterhalten als die Konkurrenz und eignet sich gleichzeitig für das schnelle Match zwischendurch.

4. Von Gadgets bis Helis: Blackout eskaliert gekonnt Actionfilm-Wahnsinn

Laserminen, Greifhaken, Barrikaden, ferngesteuerte Spähfahrzeuge und Sensoren, die Feindpositionen durchgeben - mit seinen Gadgets zelebriert Blackout eine Verspieltheit, die PUBG abgeht (und die wiederum ihren Anteil zum Erfolg Fortnites beigetragen hat) und bringt eine taktische Ebene jenseits der Beherrschung des Arsenals und strategischer Manöver ins Spiel. Und wenn man erst als Squad mit einem Hubschrauber die Karte nach einem Ort zum Verschanzen Ausschau hält, ist das Actionfilm-Feeling einfach ausgezeichnet. Aber hey - und das kann man nicht oft genug sagen - das Fahrverhalten von fast allem auf vier Rädern ist aktuell noch eine Katastrophe.

5. Perks

Ich hatte zwar im Vorfeld erwartet, dass die verbrauchbaren Perks eine größere Rolle in den Matches spielen würden, aber ich schätze sie doch als Zünglein an der Waage in haarigen Situationen. Der Nahkampf-Perk hat mich in so manchen frühen Faustkampf überleben lassen, während mein Opfer noch verzweifelt nach der richtigen Waffe suchte, um Jagd auf mich zu machen. Andere, wie zum Beispiel Paranoia, retteten mir auf dem kopflosen Spurt über ein offenes Feld Richtung Kreis den Kragen und der Boost für höhere Schleichgeschwindigkeit ließ mich mehrmals unachtsame Gegner überraschen. Nette Kleinigkeiten, die das Skill-Gefälle ein wenig aufbrechen und eine zusätzliche Variable im Kampf darstellen.

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... und die Dinge, an denen das noch scheitern könnte

1. Eine Frage der Spieltiefe

Schon jetzt gefällt die Karte ausgezeichnet, weil sie beliebte Maps aus der Serienhistorie geschickt in ihre offene Spielwelt hineinzitiert. Im Direktvergleich mit PUBG fällt aber vor allem das Ballistikmodell spürbar primitiver aus, was dafür sorgt, dass Kämpfe auf lange Distanz sich längst nicht so spannend und belohnend anfühlen. Auch gibt es immer noch Probleme mit der Lesbarkeit: Ich kann nur schlecht antizipieren, wie viele Kugeln mein Ziel noch fressen muss, bevor ich das Duell für mich entscheide. Bei der PUBG-Aufteilung in Helm und Weste sehe ich das auf einen Blick, hier wirken die Feinde häufig wie wahre Kugelschwämme. Die Zeit wird zeigen, wie viel Tiefe hier tatsächlich drinsteckt, was maßgeblich über die Langlebigkeit dieses Modus' entscheiden wird.

2. Und dann wäre da noch das Preisschild

Zu sagen, Call of Duty fuße auf einem dezent anderen Geschäftsmodell als alle anderen Battle-Royale-Spiele, wäre noch untertrieben. Dass nächstes Jahr um diese Zeit die nächste Version für 60 Euro im Anmarsch auf die Läden ist, steht außer Frage. Battle Royale lebt aber davon, dass die Spieler sich auf der Karte heimisch fühlen und dass das Spiel, seine Funktionen, Gadgets und ja, auch sein Spielplatz über längere Zeit unterstützt und weiterentwickelt werden. Die meisten BR-Fans sehen das als selbstverständlichen Teil des Deals an und entwickeln mit der Zeit eine Verbundenheit mit "ihrem" Spiel, die aktiv gegen Activisions Ansatz arbeitet, jährlich ein Call of Duty zum Vollpreis zu verkaufen.

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Hier steht der Spieleriese vor einer nicht zu unterschätzenden Herausforderung, sein Modell zu überdenken. Bei entsprechendem Erfolg dürfte das aber eine Frage sein, die befriedigend zu beantworten man sich gerne Gedanken macht.

3. Oder sind die Leute am Ende bereits bedient?

Gemessen am Echo der letzten Tage würde ich diese Frage zwar eher verneinen. Aber man weiß ja nie. Es gibt eine Menge Menschen, die ihre Entscheidung zwischen PUBG und Fortnite schon getroffen haben und die die Frage, welches Battle Royale sie nun spielen sollen, eigentlich schon länger nicht mehr umtreibt. Sie dennoch irgendwie ins Boot zu holen, dürfte maßgeblich für den Erfolg über die übliche Call of Duty Fangemeinde hinaus sein. Aber selbst, wenn es damit nicht klappt: Wie sehr der öffentliche Dialog in der Community von der dieses Jahr fehlenden Kampagne in Richtung "Hey, CODs Battle Royale ist ja gut geworden" kippte, das war schon beachtlich.

Und das ist wohl auch, was ich aus der Beta mitnehme: Auch dieses COD wird ohne Kampagne sicher nicht alle Spieler glücklich machen. Aber ich habe das erste Mal seit einer Weile das Gefühl, dass es wieder so etwas wie eine nervöse Vorfreude auf ein Spiel dieser Reihe gibt. Wenn es dazu das Ablegen alter Gewohnheiten brauchte, dann ist es das wert gewesen - und ich bin gleichzeitig sicher, dass dies nicht das Ende für Michael-Bay-angehauchte Story-Kampagnen unter dem Call-of-Duty-Banner bedeutet. Black Ops 4 ist, so wie es uns am 12. Oktober erreicht, vermutlich einfach nur das richtige Spiel zur richtigen Zeit.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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