Nvidia brauchte zehn Jahre, um seine Echtzeit-Raytracing-Technologie, die in den neuen Geforce RTX-Karten steckt, zu finalisieren. Wir Tester bekamen aber nur fünf Tage, um die nächste Generation in Sachen Grafikhardware auf die Probe zu stellen. Natürlich werden wir diesen Test sobald möglich um neue Erkenntnisse und Daten ergänzen. Aber wir können euch heute schon zeigen, wie stark die neuen Karten im Vergleich zu ihren Vorgängern sind und euch eine Ahnung davon vermitteln, was die Turing-Architektur in Sachen brandneuer Features zu leisten im Stande ist. Aber es bleibt vorerst eine Ahnung - Turing mag zwar Echtzeit-Raytracing und eine möglicherweise bahnbrechende und Performance-steigernde Bild-Rekonstruktionstechnologie mitbringen, aber im Moment ist kein Spiel auf dem Markt, das sie einsetzen kann.

Auf jeden Fall kann ich euch schon von meinen Eindrücken von der Hardware berichten. Wir testen die Karten in der Founder's Edition, deren Lüfterlösung sich erstmals von seinem traditionellen, die Abwärme herauspustenden Design des Herstellers entfernt und eine Kühlung nach Art vieler Dritthersteller einsetzt. Doppelaxial-Lüfter pusten die Luft in das Gehäuse anstatt aus der Rückseite heraus. Die Lüfter selbst sind offensichtlich leiser als in früheren Nvidia-Karten. Ich konnte mir die Temperaturdaten noch nicht im Detail ansehen, aber in der Spitze scheint die Temperatur der RTX 2080 Ti um die 78 Grad Celsius zu bewegen. Keines der Produkte erreichte je die 83 Grad, bei denen für gewöhnlich die thermale Drosslung einsetzt.

Die 2080 und 2080 Ti fühlen sich schwer und wertig an - ihre Chassis sind fast identisch, der einzige sichtbare Unterschied liegt in der Acht-plus-acht PCIe-Stromkonfiguration der Ti gegenüber der Acht-plus-sechs Lösung der Standard-2080. Die Videoausgänge sind eine Evolution dessen, was wir an der GTX 1080 Ti sahen. Dual-Link DVI fehlt mal wieder, HDMI 2.0 ist aber weiter vertreten, während neben den drei DisplayPort-Ausgängen noch USB-C mit VirtualLink vertreten ist - ein neues Protokoll, das den Kabeldschungel von VR-Headsets ausdünnen und auf eine benutzerfreundliche Strippe reduzieren soll. Für die Founder's Editionen mehr Geld zu bezahlen war nie besonders erbaulich, aber immerhin rechtfertigt die Fertigungsqualität diesmal den Preisunterschied und Nvidia liefert gleich ab Werk mit vernünftiger Übertaktung aus.

Auf Chip-Ebene stellt Turing ein beachtliches Risiko für Nvidia dar. Echtzeit.-Raytracing und Deep Learning Tensor Kerne vergrößern den Prozessor deutlich, was sich in sehr viel höheren Herstellungskosten niederschlägt. Der TU102 der RTX 2080 Ti ist 60 Prozent größer als sein Vorgänger, während der TU104 der RTX 2080 in Sachen Grundfläche 74 Prozent größer ist. Berücksichtigt man dann noch den hochmodernen GDDR6 Speicher, ganz zu schweigen vom Mangel an Konkurrenz in dem Marktsegment - und die hohen Preise für den Endverbraucher sind leicht nachzuvollziehen. Die RTX 2080 kostet mehr als die 1080 Ti und verfügt über weniger Speicher, während die RTX 2080 Ti sich sogar in Titan-Preisregionen begibt. Während sich viele Händler also in den Ausverkaufsmodus der alten Modelle begeben, dürften Preisreduzierte GTX 1080 Ti viele Spieler in Versuchung führen.

Unboxing der Turing-Karten und frühe Gedanken zu den neuen architektonischen Features.

RTX 2080 Ti RTX 2080 GTX 1080 Ti GTX 1080
CUDA cores 4352 2944 3584 2560
VRAM 11GB GDDR6 8GB GDDR6 11GB GDDR5X 8GB GDDR5X
Memory Bus 352-bit 256-bit 352-bit 256-bit
Bandbreite 616GB/s 448GB/s 484GB/s 352GB/s
Base Clock 1350MHz 1515MHz 1480MHz 1607MHz
Boost Clock 1545MHz 1710MHz 1582MHz 1733MHz
TDP 250W 215W 250W 180W
Chipgröße 754mm2 545mm2 471mm2 314mm2

Welchen Unterschied machen also Turings Schlüssel-Features? Echtzeit-Raytracing wird gemeinhin als der Heilige Gral in Sachen 3D Rendering betrachtet und wir sahen bereits einige bemerkenswerte Resultate auf der RTX 2080 Ti, aber es gibt eine Reihe von Einschränkungen, die man berücksichtigen muss. Zunächst einmal mangelt es aktuell schwer an Software - und es ist wahrscheinlich, dass wir erst später im vierten Quartal etwas in der Richtung sehen werden. Battlefield 5 dürfte das große Showcase werden und nach dem zu urteilen, was wir bereits sehen könnten, sieht es wundervoll aus und verfügt über nie gesehene Echtzeitreflektionen. Auch 4A Games' Metro Exodus zeigt auf, wie Raytracing die globale Beleuchtung in Videospielen revolutionieren könnte. Wiederum, auch dieses Spiel ist ein echter Hingucker.

Aber kurzfristig muss man drei Dinge verstehen: Erstens hatten die Entwickler bisher nur sehr beschränkten Zugriff auf fertige Turing-Hardware. Für Battelfield-5-Demo, die wir spielten, hatte DICE zwei Wochen im Anlauf auf die gamescom Zugriff auf die finalen Karten. Den Rest des Teams nutzt weiter ältere Boards auf Basis der Volta-Architektur. Kurzum: Wir stehen immer noch am Anfang. Zweitens: Performance ist ein Thema: Battlefield 5 läuft auf der Geforce 2080 Ti mit aktiviertem Raytracing in 1080p nordwärts von 60 FPS. Wenn man über 1200 Euro für eine Grafikkarte ausgibt, reichen einem dann 1080p?

Gleichermaßen fiel die Bildrate der Metro-Exodus-Demo auf der Gamescom auch unter 1080p60. Natürlich werden weitere Optimierungen folgen und wie wir noch sehen werden, hat Turing noch weitere Tricks im Ärmel, die daran noch was ändern dürften - aber es wird Zeit brauchen. Der letzte Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, dass wir alles bisher nur auf der RTX 2080 Ti laufen sahen. Wo genau sich die weniger mächtigen RTX 2080 und RTX 2070 einordnen werden - aktuell wissen wir es einfach nicht.

Ein früher Blick auf Battlefield 5 und den Einsatz von Echtzeit-Raytracing auf einer Geforce RTX.

Aber wir können spekulieren. Aktuell knüpfen sowohl Battlefield 5 als auch Metro Exodus ihr Echtzeit-Raytracing direkt an die native Render-Auflösung und zumindest in der Theorie sollte das eigentlich voneinander entkoppelt werden, in etwa wie einige Spiele Transparenzen in der halben Auflösung einsetzen, um Bandbreite zu sparen. Ein anderer möglicher Weg für die Zukunft ist es, das per Raytracing berechnete Bild in höherer Auflösung zu rekonstruieren - ein Gebiet, auf dem Turings andere Features sich von unschätzbarem Wert erweisen könnten. Nvidias Deep Learning Super Sampling DLSS - kam bereits in der Star Wars Reflektionen-Demo zum Einsatz, einem Stück Software, das ursprünglich vier Volta-Karten brauchte, um in 1080p und 24 FPS zu laufen und auf einer RTX 2080 Ti in 4K in derselben Bildrate lief.

Der Punkt ist der, dass die Turing-Architektur so zukunftsorientiert ist, sie enthält Features, die noch niemand so richtig anzuzapfen begonnen hat. Nehmen wir zum Beispiel Mesh shading. Im Grunde optimiert das radikal die LOD-Auswahl und Tesselation, mit potenziell gewaltigen Performance Gewinnen. Wir sahen bisher eine Demo und das war's - aber es steckt in der Hardware und wir können nur hoffen, dass es in künftigen Spielen Anwendung findet. Dann wäre da das Variable Rate Shading, das die Shading-Qualität je nach Auflösung und der Relevanz des fraglichen Details anpasst. Wir sahen eine Wolfenstein-2-Demo, die die Technologie anwandte und es sah sehr beeindruckend aus - mit Performance-Gewinnen, die sich offenkundig im Bereich von 15 bis 20 Prozent bewegten. Leider bekamen wir auch diese Demo nicht für diesen Test.

Es steckt also eine Menge Zukunftsmusik in diesen Karten. Aber ein Feature, das wir uns jetzt schon tiefergehend anschauen können, ist Deep Learning Super Sampling. Wiederum, kein aktuell erhältlicher Titel nutzt das zum Launch der Karten, aber wir haben Zugang zu zwei Demos, die andeuten, dass es durchaus ein Game-Changer sein könnte.

GeForce RTX 2080/ RTX 2080 Ti Test

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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