DiRT Rally 2.0: Hardcore-Simulation ohne Wenn und Aber

Jetzt mit sich verändernden Streckeneigenschaften.

Rechts, 4, lang oder Rechts, 2, nicht schneiden: nach dem zehnten Rennen auf einem Biest von einer Piste der Rally Argentina blende ich die Pacenotes, die Fahranweisungen meines virtuellen Kopiloten, einfach aus und konzentriere mich mit verkrampften Händen am Lenkrad auf die Strecke.

Ich kenne mittlerweile jede Haarnadelkurve, jeden Stein am Wegesrand und jeden Hubbel in den Traslasierra Mountains wie meine Westentasche, trotzdem gelingt es mir nicht annähernd, die in der Demo eingetragenen Bestzeiten von gut acht Minuten zu erreichen, geschweige denn zu unterbieten. Wie schon der 2015 erschienene Vorgänger erlaubt auch DiRT Rally 2.0 absolut keine Fahrfehler und verzichtet dankend auf sämtliche spielmechanische Annehmlichkeiten, die auch nur grob in Richtung Arcade gehen könnten.

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Der Golf II GTI aus den 1980er-Jahren ist nur eines von über 50 Fahrzeugen in DiRT Rally 2.0.

Wenn ihr vor einer Kurve nicht rechtzeitig vom Gas geht und die Felswand unsanft begrüßt oder ein Drift schiefgeht und euch die Fliehkraft in den Straßengraben befördert, dann gibt es eben keine Rückspulfunktion, mit der ihr eure Fehler ungeschehen machen könnt. Dann nutzt auch kein Jammern und Fluchen, dann müsst ihr es noch mal probieren. So lange, bis ihr das Fahren mit den WRC-Boliden gelernt habt und es um das Herauskitzeln von Sekunden gehen kann - nicht nur darum, sich mit einem möglichst wenig verbeulten Fahrzeug über die Ziellinie zu schleppen.

Den Einstieg in das knallharte Rallye-Geschäft könnt ihr euch mit einigen zuschaltbaren Assistenten, die beim Bremsen, Schalten und Lenken behilflich sind, sogar automatische Reparaturen am Fahrzeug durchführen, ein wenig erleichtern. Frustrationen, Wutanfälle und immer wieder der nagende Zweifel am eigenen Können werden sich allerdings nicht vermeiden lassen. Aber das gehört zu der Philosophie von DiRT Rally als kompromisslose Hardcore-Simulation.

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Ihr könnt Fahrzeuge von den 1960er-Jahren bis heute besteigen, darunter auch den Polo R aus der WRX Saison 2018 mit satten 570 PS unter der Haube.

Wenn das Spiel im Februar kommenden Jahres erscheint, habt ihr die Auswahl aus mehr als 50 Fahrzeugen, von den 1960er-Jahren bis zur aktuellen Saison. Vertreten sind die großen Hersteller, wie VW, Ford, Mitsubishi oder Subaru und ihr könnt euch unter anderem hinter das Lenkrad von Klassikern, wie dem Golf II GTI, Mini Cooper oder Audi Quattro S1 E2 setzen.

Auch die Streckenauswahl kann sich sehen lassen, neben Waikato in Neuseeland sind Argentinien, Spanien, Polen, Australien und die USA vertreten. Dazu kommen mit Barcelona, Montalegre, Mettet, Lohéac Bretagne, Trois-Rivieres, Hell, Holjes und Silverstone noch acht offizielle Austragungsorte der FIA World Rallycross Championship, in denen ihr euch dann unter anderem mit dem Coverstar des Spiels, dem Polo R mit satten 570 PS unter der Haube, austoben könnt. Weitere Fahrzeuge und Strecken werden nach dem Erscheinen in zwei Seasons nachgeliefert.

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Auf der Rally Argentina könnt ihr die ikonische Mondlandschaft in den Traslasierra Mountains bewundern, wenn ihr denn die Zeit dafür habt.

Damit euch die Hatz auf die Bestzeiten auch so authentisch wie nur möglich gelingt, haben die Entwickler unter Chief Game Designer Ross Gowing ordentlich am Handling der Fahrzeuge geschraubt. Gemeinsam mit Renn-Profis, wie dem WRC2-Fahrer Jon Armstrong und in einer Closed-Beta mit dem harten Kern der DiRT Rally-Community, wurde das Verhalten der Fahrzeuge beim Bremsen und Beschleunigen auf den unterschiedlichen Pistenbelägen genau unter die Lupe genommen und komplett überarbeitet.

Das macht sich besonders in dem neuen Feature mit der Bezeichnung "surface degradation" bemerkbar. Vereinfacht gesagt verändert sich die Bodenbeschaffenheit der Schotter-, Asphalt- und Schmutzpisten mit der Zeit. Die Fahrzeuge wühlen den Belag auf, fegen Steine seitlich von der Strecke, während sich bei einsetzendem Regen trockener Boden in Matsch verwandelt. Da macht es schon einen erheblichen Unterschied, ob ihr vorausfahrt und noch gute Bedingungen vorfindet oder am Ende des Felds eine zerwühlte Kraterlandschaft durchquert. Gut, das ist vielleicht ein wenig überspitzt dargestellt, aber ihr werdet den Unterschied garantiert spüren, könnt euch aber auch auf die veränderten Bedingungen einstellen und erstmals in DiRT Rally bestimmen, welche Reifen ihr aufzieht. Durchaus eine spannende taktische Komponente.

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Auf acht Original-Strecken der FIA World Rallycross Championship könnt ihr eure Fähigkeiten und Nervenstärke unter Beweis stellen.

Während ich mich bei den Rallye-Strecken in jeder Runde zumindest ein bisschen verbessern konnte und ich fast schon übermütig wurde, hat mich das Rallycross-Rennen dann schnell auf den Boden der fahrerischen Tatsachen zurückgeholt. Anspielbar war der Grand Prix de Trois-Rivieres in Kanada, der schon kurz nach dem Start mit einer fiesen Schikane aufwartet, bei dem sich das Fahrerfeld im Schritttempo durch eine beängstigend enge Lücke in einem Reifenstapel winden muss.

Der erste Versuch endete mit einem Crash, bei dem sich gleich beide Stoßstangen des Polo R Supercar verabschiedet haben und ich den Konkurrenten nur noch hoffnungslos hinterherfahren konnte. Nicht der letzte Unfall auf der knallharten Strecke, bei der durch den abrupten Wechsel von Asphalt auf Schotter und Sand die PS-starken Fahrzeuge kaum unter Kontrolle zu halten sind und man die Kurventechnik bis zur Perfektion beherrschen muss, um überhaupt eine Chance auf die vorderen Plätze zu bekommen.

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Auch wenn die Controller-Steuerung in Ordnung geht, so und nicht anders spielt man DiRT Rally am besten.

Nach gut drei Stunden auf den Pisten in Argentinien und Neuseeland und einigen sehr deprimierenden Rallycross-Runden kann ich nur sagen, dass ich mich auf Version 2.0 von DiRT Rally freue. Eine echte Hardcore-Simulation, die sich ordentlich mit einem Controller spielen lässt, ihre volle Faszination aber erst in einem Playseat mit Force-Feedback-Lenkrad entwickelt.

Und ja, bei den Rennen kommt schon mal ein gehöriger Frust auf. Aber nicht auf eine Art, dass man den Controller quer durch die Bude pfeffern will, weil das Spiel unfair ist. Es ist der Ärger über eigene, dumme Fehler und Unachtsamkeit, gefolgt von dem Wunsch gleich noch mal die Strecke zu probieren und es diesmal besser zu machen.

Eine schlechte Nachricht habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: laut Chief Game Designer Ross Gowing steht der VR-Support nicht allzu weit oben auf der Prioritätenliste des Studios. Man wolle sich erst einmal um die Kern-Features kümmern und dann zu einem späteren Zeitpunkt noch mal das Thema aufgreifen, meinte Gowing im Interview.

Entwickler/Publisher:Codemasters / Deep Silver Erscheint für:PC, PS4, Xbox One - Geplante Veröffentlichung: 26. Februar 2019 - Angespielt auf Plattform:PS4

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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