Stark vereinfachte Version von Final Fantasy XV. Lässt sich nebenher wegspielen, macht Spaß, ist aber nicht sonderlich komplex oder hübsch.

Ich habe mehrere Anläufe unternommen, Final Fantasy XV zu spielen. Mal bin ich weitergekommen, mal weniger weit, aber immer habe ich früher oder später aufgegeben. In seinen Grundzügen hat mir das Spiel zwar gefallen, aber irgendwann haben mich das Kampfsystem und die teilweise doch etwas langatmige Erzählweise dann eben doch verloren. Für ungeduldige Leute wie mich hat Square Enix schon im Februar Final Fantasy XV Pocket Edition veröffentlicht, zunächst nur für iOS und Android, vor Kurzem auch für PS4, Xbox One und Switch. Letztgenannte Version habe ich mir jetzt näher angesehen.

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Na, erkennt ihr sie wieder? (Final Fantasy XV Pocket Edition - Test)

Final Fantasy XV Pocket Edition erzählt die exakt gleiche Geschichte seines großen Bruders. Ihr verkörpert Prinz Noctis, der mit drei Freunden zu seiner Hochzeit aufbricht. Während er unterwegs ist, wird das Königreich seines Vaters aber von einem bösartigen Imperium attackiert und besiegt. Er muss jetzt als neuer König auf einer Art Road Trip herausfinden, wie er den Frieden wiederherstellen kann. Was bei gleichgebliebener Geschichte als Erstes auffällt, ist natürlich die stark vereinfachte Grafik. Anstatt den realistisch gestalteten Figuren aus dem Originalspiel habt ihr es jetzt mit Animé-Figürchen mit viel zu großen Köpfen zu tun, die aus weit weniger Polygonen bestehen als ihre großen Vorbilder. Ich will den Grafikstil mal vorsichtig mit dem des Secret-of-Mana-Remakes vergleichen, wobei jener hier nicht ganz so hingeklatscht wirkt. Sicher, die Figuren wirken jetzt wie Karikaturen ihrer selbst, aber das Spiel weiß das - weshalb sie sich selbst in Dialogen weit nicht so ernst nehmen wie im Hauptspiel.

Was ich in diesem Zusammenhang nur nicht verstehe, ist die Tatsache, dass das Spiel immer wieder ruckelt. Das darf auf Smartphones und Tablets meinetwegen vorkommen, nicht jedoch auf einer Nintendo Switch, die zwar freilich nicht so leistungsfähig ist wie eine Xbox One X, die wohl aber in der Lage ist, ein aktuelles Wolfenstein in akzeptabler Qualität darzustellen. Als kleiner Trost: Die Ruckler hat das Spiel meistens nur dann, wenn es gerade irgendwas nachlädt, die Kämpfe selbst laufen flüssig. Nett übrigens: Bei allen grafischen Downgrades, die ihr hinnehmen müsst, bleibt die Musik des Originals größtenteils erhalten. Und auch die Sprachausgabe ist rundum gelungen und sogar komplett auf Deutsch vertont.

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Kämpfe können schon manchmal etwas unübersichtlich werden, aber selten allzu anspruchsvoll. (Final Fantasy XV Pocket Edition - Test)

Wo wir aber schon bei den Kämpfen waren: Die funktionieren wie im Hauptspiel in Echtzeit, fühlen sich aber deutlich mehr an wie in einem Hack-and-Slay-Spiel. Ihr hämmert auf einen Angriffsknopf und Noctis greift an, die anderen Figuren werden vom Computer gesteuert. Hin und wieder könnt ihr einen Team-Angriff auslösen, später lernt ihr Spezialfähigkeiten und Zauber hinzu, die sich mit der Zeit aufladen und die ihr dann mit einer Tastenkombination auslösen könnt. Blocken könnt ihr außerdem auch noch, wann, das zeigt euch das Spiel mittels Einblendung. Sicherlich ist das kein sonderlich komplexes Kampfsystem, aber es erfüllt seinen Zweck und es sorgt dafür, dass ihr viele Kämpfe nacheinander absolvieren könnt, ohne groß über eine Taktik nachdenken zu müssen. Ob das für so einen "Zwischendurch"-Titel gut oder schlecht ist, müsst ihr selbst wissen, ich denke, hier passt es.

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Hier könnt ihr neue Talente lernen - mit mal mehr, mal weniger Auswirkungen. (Final Fantasy XV Pocket Edition - Test)

Ähnlich intuitiv geht es außerhalb von Kämpfen zu. Ein Pfeil unter Noctis zeigt stets an, wo ihr das nächste Quest-Ziel findet. Ihr könnt zwar an einigen Stellen auch mehr als nur der Haupt-Quest folgen, optionale Aufgaben erschöpfen sich aber meist im Suchen von bestimmten Gegenständen in der Spielwelt. Dafür gibt's dann kleine Belohnungen. Diese optionalen Quests verfallen übrigens, sobald ihr den Schauplatz verlasst, in dem sie stattfinden, denn: Das Spiel ist komplett linear. Einmal besuchte Gegenden liegen hinter euch, ihr könnt nicht mehr zu ihnen zurückkehren. Die Gegenden, in denen Kämpfe stattfinden, lassen sich nur schwer als Dungeons bezeichnen - es sind eher Schläuche mit wenigen Abzweigungen. Sie sind allerdings auch nur relativ kurz und vermutlich ist das der Grund, warum keine Eintönigkeit aufkommen will. Final Fantasy XV Pocket Edition lässt sich sehr angenehm in Häppchen spielen, nach jedem Kampf wird automatisch gespeichert und nach jedem Neustart seht ihr sofort, wohin ihr als nächstes gehen müsst.

Trotzdem kann das Spiel auf der Switch kaum verleugnen, dass es für Smartphones und Tablets entwickelt wurde. Das lässt sich einerseits an der Aufteilung in zehn Kapitel ablesen, denn in der mobilen Fassung könnt ihr die einzeln kaufen. Man sieht es aber auch an den teilweise doch etwas arg matschigen Texturen, die selbst bei einem Grafikstil wie diesem sehr ins Auge fallen. Da hätte Square Enix für die Konsolenfassung gern noch ein bisschen nachbessern können, zumal diese ja mit dem vielsagenden Zusatz HD versehen wurde. Dennoch kann ich nicht anders als das Spiel liebenswert zu finden. Aufgrund der Art, wie es die Figuren des Hauptspiels aufgreift und neu interpretiert, aber auch einfach, weil es sich so angenehm hirnlos spielen lässt. Einfach von Schauplatz zu Schauplatz laufen, ein paar Gegenstände einsammeln, hin und wieder neue Waffen kaufen und Gegner umhauen, herrlich simpel, manchmal braucht man das.

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Square Enix verzichtet auch in der Pocket Edition von Final Fantasy XV nicht auf solche Sequenzen, um die Geschichte voranzutreiben. (Final Fantasy XV Pocket Edition - Test)

Aber klar, diese Simplizität kommt zum Preis von verminderter Spieltiefe. Square Enix hat ein Spiel mit mehr als 50 Stunden Spielzeit auf eines mit etwa zehn bis 15 Stunden Spielzeit runtergedampft. Das merkt man natürlich. Auf dem Weg von einem Ort zum nächsten könnt ihr nicht mehr anhalten und die Gegend erkunden, stattdessen dürft ihr euch lediglich umsehen und euer Vehikel geringfügig nach links und rechts lenken, was allerdings keinerlei Auswirkungen auf das Gameplay hat. Auch kochen könnt ihr in der Pocket Edition - das ist aber davon abhängig, ob ihr zwei Zutaten pro Spielabschnitt findet oder nicht. Findet ihr sie, wird automatisch gekocht und ein paar Werte werden verbessert, findet ihr sie nicht ... na dann eben nicht. Es gibt zwar eine Form der Charakterprogression, wirklich viel am Gameplay ändert das aber nicht. Sammelt ihr Erfahrungspunkte, steigt ihr im Level auf, dafür gibt's Aktionspunkte und die könnt ihr dann auf einer Art Brett für bestimmte Talente ausgeben. Ich muss allerdings zugeben: Teilweise habe ich von den so freigeschalteten Fähigkeiten noch nicht mal etwas bemerkt. Dass Noctis seine Kampfsequenz mit dem Schwert nun mit einem Hieb beginnen soll? Mag schon sein, aber macht das irgendwie mehr Schaden? Wer weiß das schon...

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Trotz simplem Kampfsystem: Es ist befriedigend, einen Gegner mit einem gezielten Schlag von den Beinen zu werfen. (Final Fantasy XV Pocket Edition - Test)

Ich will die Final Fantasy XV Pocket Edition niemandem madig machen. Im Gegenteil, das Spiel hat mich endlich zumindest einen Hauch jener Luft schnuppern lassen, die mir das Hauptspiel irgendwie immer verwehrt hat. Es erzählt die Geschichte des Originals gut wieder und ich konnte mich auch mit der Grafik irgendwann anfreunden. Es ist nicht mal langweilig, wenn man es in zarter Dosierung spielt. Aber es bleibt eben stets oberflächlich und simpel, wirklichen Skill braucht ihr nie, das Spiel lässt sich einfach so wegspielen. Es vermittelt den Eindruck, als sei da irgendwo noch eine komplexere Spielebene. Die gibt es auch. Nur nicht in diesem Spiel, sondern in seinem großen Vorbild. Ich finde es aber andererseits auch legitim, einfach nach einem Stück Unterhaltung zu suchen, etwas, das leicht durchspielbar ist und dass man dann befriedigt zur Seite legen kann. Genau das ist Final Fantasy XV Pocket Edition.

Entwickler/Publisher: Square Enix/Square Enix - Erscheint für: iOS, Android, PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 29,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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