Weedcraft Inc: Klickt euch in den Marihuana-Goldrausch

Der schmale Grat zwischen medizinischem Nutzen und Drogenhandel.

Weedcraft Inc trägt bereits das Thema des Spiels im Namen. Die bei uns in Deutschland weitestgehend verbotene Substanz THC steckt in der Cannabis-Pflanze und wird neben der Verwendung mit berauschenden Joints in Ausnahmefällen auch medizinisch verwendet. In Amerika sieht das hingegen ganz anders aus: Einige Bundesstaaten erlauben "Weed", in anderen ist es nach wie vor illegal.

Genau dieser Thematik nimmt sich Entwickler Vile Monarch an und bastelt ein Spiel rund um das umstrittene Thema der Legalisierung von Marihuana. Noch bevor ich großartig etwas über das Spiel erfahren habe, war es den Entwicklern wichtig zu betonen, dass sie weder für noch gegen Weed sind. Das Spiel soll die guten, wie auch die schlechten Seiten der Pflanze beleuchten. Jeder soll sich somit seine eigene Meinung darüber bilden.

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Aber jetzt direkt zum Spiel: Ein Weed-Tycoon-Game? Puh ... die Thematik ist natürlich kontrovers und sorgt sicher für Gesprächsstoff, aber als spannendes Konzept für eine Wirtschaftssimulation konnte ich mir das zunächst nicht vorstellen. Es begann, wie ich vermutet hatte: In einem zwielichtigen Keller ist Platz für drei Pflanzen, die mit viel Hingabe gegossen und regelmäßig gestutzt werden müssen. Immer und immer wieder. In einem schnell etwas lästig werdenden Mini-Game musste ich im richtigen Moment die Maus loslassen, um den optimalen Schnitt zu bekommen. Das trägt zum Wachstum der Grünpflanzen bei.

Ist dann endlich der Erntezeitpunkt gekommen, dunsten die Cannabis-Pflanzen eine eindeutige Duftwolke aus. Habt ihr zu viele Pflanzen in eurem Keller, dringt dieser spezielle Geruch auch nach Außen und beschert euch den einen oder anderen Besuch von der Polizei. Mit etwas Verhandlungsgeschick lassen sich die Herren in Blau manchmal bestechen, manchmal aber auch nicht. Gerade am Anfang werden sie euren Laden auch rigoros schließen und alle dort ausgestellten Waren konfiszieren.

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Halt - ihr fragt euch, welchen Laden ich meine? Das Anpflanzen und Bemuttern von Cannabis ist natürlich nicht der einzige Aspekt im Spiel. Das wäre auch ziemlich langweilig, denn schon nach wenigen Minuten ging mir, aber auch einigen Kollegen im Raum, das ewige und immer gleiche Geklicke ein bisschen auf die Nerven. Wie gut, dass es dafür im Laufe des Spiels Angestellte gibt. Aber zurück zu meinem kleinen Geschäft: In der Pre-Alpha-Version habe ich einen jungen Mann gespielt, der sich ein ordentliches Einkommen mit dem Verkauf von Marihuana erhofft. Da diese erste Geschichte in Flint, Michigan spielt und dort der Besitz, wie auch der Verkauf ohne Lizenz verboten ist, musste ich mir einen geeigneten Ort zum Handel suchen. Ein dunkles Eckchen im Kaufhaus schien mir dafür passend. Weshalb ich mir diesen Platz mit 500 Dollar erkaufen musste, ist mir zwar etwas schleierhaft, aber vielleicht wird dazu im fertigen Game eine Erklärung kommen.

Ist der Platz erst einmal Mein, kann es auch schon beinahe losgehen. Ein Klick auf die Stinke-Pflanzen und schon habe ich meine Waren geerntet und in Portionen aufgeteilt. Die ersten Erträge sind allerdings nur 08/15 Gras in wirklich grottiger Qualität. Wie gut, dass das trotzdem jemand kaufen will! Öffnet ihr euren Markt, könnt ihr genau sehen, welche Kunden zurzeit am Kauf generell interessiert wären. Und auch zu welchem Preis sie es am liebsten erwerben würden. Da sich der Verkaufspreis jederzeit frei ändern lässt, kann die eigene Strategie immer wieder an den Markt angepasst werden. Zunächst ist nur eine Art Obdachloser an meinem Billiggras interessiert. Für ihn ist der Preis, nicht die Qualität ausschlaggebend. Aber Vorsicht: Wer nur Billigwaren anbietet, verkauft natürlich zunächst sehr viel, aber möchte man wirklich nur diese Art Kundschaft? Manchmal ist es sinnvoll, den Preis etwas hoch zu setzen und zu schauen, wie sich der Markt verändert.

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Was gehört noch dazu, wenn ihr ein echter Geschäftsmann sein wollt? Genau: Konkurrenten. Und die gibt es im Weed-Geschäft natürlich reichlich. Im Analysefeld ist genau zu sehen, wer auf dem Markt die Nase vorn hat und zu welchen Preisen der Stoff angeboten wird. Wenn ihr wie ich zu schnell die Oberhand gewinnt, wird euer Konkurrent echt sauer und verpfeift euch an die Polizei: Stand weg, Ware weg. Mist. Ihr müsst also Fingerspitzengefühl beweisen.

Mit der Zeit kommen neue Möglichkeiten zur Vertuschung des Geschäfts hinzu. Eine Art Filter absorbiert beispielsweise die Gerüche, damit die Gesetzeshüter nicht mehr so schnell misstrauisch werden. Allerdings nimmt ein Filter auch eine Menge Platz in Anspruch: Wie viele werden also wirklich benötigt und kann ich das Risiko eingehen? Auch macht es Sinn, in verbesserte Lampen zu investieren und einige der flackernden Glühbirnen abzuschaffen. Um eine erhöhte Qualität zu erzeugen, justiert ihr über separate Regler den Phosphorgehalt und einige andere Faktoren. Eine bestimmte Luftfeuchtigkeit und Temperatur verbessert zusätzlich den Ertrag.

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Mit qualitativ hochwertigem Gras erzielt man natürlich auch einen entsprechend höheren Preis. Die Erlöse werden dann wiederum in bessere Samen investiert, um abgefahrene Sorten wie Lemon Haze zu erhalten, die neue Kunden anlocken. Im späteren Verlauf des Games soll es außerdem möglich sein, verschiedene Samen miteinander zu kreuzen und völlig neue Pflanzen zu erschaffen. Deren Aussehen und Name wird dann laut den Entwicklern zufällig zusammengestellt, was für lustige Momente sorgen soll. In meiner Alpha-Version war das leider noch nicht möglich.

Habt ihr erstmal raus, wie das Ganze läuft, und habt euch Angestellte angelacht, die sich um das nervige Gärtnern kümmern, könnte alles so schön sein. Doch da gibt es ja noch den persönlichen Gegner, der es gar nicht lustig findet, wenn es plötzlich einen weiteren Player auf dem Markt gibt. Zum Glück bietet das Spiel verschiedene Möglichkeiten, um gegen ihn vorzugehen. Ihm einen Besuch abstatten und einfach mal vorstellen ist doch sicherlich eine gute Idee. Während des Gesprächs stehen verschiedene Schwerpunkte zur Auswahl, in die ihr euch vertiefen könnt. Nervt ihr den Drogenhändler mit einem Thema zu viel, leidet seine Laune und er bricht das Gespräch ab. Das ist äußerst unpraktisch, solltet ihr eine bestimmte Information oder Sache von ihm benötigen. Aber noch ist das Ganze nicht vorbei: Ich kann meine Angestellten bei ihm Einschleusen und interessante, wie auch jede Menge unwichtige Informationen sammeln. Investiere ich zusätzlich noch etwas Geld, erscheinen aus der Flut an Statements die wichtigen drei, die ich gegen ihn verwenden kann.

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Schon diese wenigen Stunden Spielzeit haben gezeigt: Weedcraft Inc könnte ein verdammt umfangreiches Game werden, das über die gängigen Tycoon-Passagen hinausgeht. Die nervige Klickerei am Anfang verwandelte sich schnell in ein taktisches Game, bei dem man den Markt immer im Auge behalten muss, um am Ende erfolgreich zu sein. Zwischenmenschliche Beziehungen zu Polizisten und Angestellten sind ebenso wichtig, denn die können sich auch ganz schnell gegen einen stellen. Wenn die niedliche Angestellte beispielsweise eher genervt von euch ist, verpfeift sie euch mal eben und euer Laden ist mal wieder leer. Da vor allem zwischenmenschlich viele verschiedene Verhaltensweisen zur Verfügung stehen, besteht stets die Möglichkeit, ein besserer Mensch zu werden. Wer das, wie ich, an dieser Stelle aber gar nicht sein möchte, kann auch ganz einfach alle anlügen und bestechen.

Alle eure Aktionen führen dazu, dass sich der eigene Charakter auf dem Skill-Brett mehr auf die zwielichtige, oder die rechtschaffende Seite bewegt. Dazu zählt natürlich einerseits der Verkauf illegaler Ware, aber auch der Umgang mit Gesetzeshütern und Freunden, Bekannten und Angestellten.

Auf dem Event spielte ich natürlich nur den Anfang der Drogenhändlerkarriere. Den Entwicklern zufolge lernt man im Verlauf des Spiels aber noch andere Seiten der Droge kennen: Ein weiterer Charakter beispielsweise möchte Gras legalisieren und zu medizinischen Zwecken frei verwendbar machen. Das geht so weit, dass bei der Senatorin Gesetze verändert werden können. Während der Präsentation wurde bereits verraten, dass sowohl positive als auch negative Seiten im Spiel beleuchtet werden. In der kurzen Spielzeit von zwei Stunden habe ich nur den illegalen Part spielen können aber wer weiß, vielleicht ändert mein zwielichtiger Charakter ja doch noch die Gesetze des Bundesstaates.

Entwickler/Publisher: Vile Monarch/Devolver- Erscheint für: PC - Geplante Veröffentlichung: Anfang 2019

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Über den Autor:

Franziska Behner

Franziska Behner

Freie Redakteurin

Die begeisterungsfähige Düsseldorferin hält sich eigentlich nur von Pixelspielen und Star Wars fern. Findet, dass in jedem Game Hasen(ohren) vorkommen sollten. Mit Kuchen und einem PS4-Controller in den Händen fast immer glücklich.

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