Falls ihr mal Das Schwarze Auge gespielt habt, kennt ihr vielleicht die Soloabenteuer oder aber auch 80er-Bücher wie Der Hexenmeister vom Flammenden Berg. Das waren kleine Bücher, die man mit einem Pen-and-Paper-Charakter auch allein spielen konnte. Entscheidungen wurden getroffen, indem man einfach auf eine bestimmte Seite im Buch weitergeblättert hat, je nachdem, was man eben machen wollte. In der anglo-amerikanischen Welt ist dieses Prinzip als Choose-your-own-Adventure-Buch bekannt und genau so fühlt sich The Ballad Singer an, ein über Kickstarter finanziertes Spiel aus Italien. Bescheidene 25.000 Euro wollten die Entwickler haben, knapp 33.500 Euro haben sie bekommen. Aktuell ist das Spiel als Early-Access-Fassung auf Steam verfügbar.

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Wählt! Aber wählt weise!

Im Kern der Geschichte steht eine Fantasy-Welt namens Hesperia, die sich allerdings aktuell in einer schweren Phase befindet. Vor kurzem hat eine Art Weltkrieg die Lande erschüttert, nichts ist mehr so wie es einmal war, neue Spezies existieren urplötzlich und alle verhalten sich animalisch und rücksichtslos. Das funktioniert als Grundlage für eine Geschichte wie diese ganz gut, schließlich ist das alles auch für euch neu. Die Welt erst mal zu verstehen, ist aber trotzdem nicht ganz einfach. Von vier zu Beginn wählbaren Figuren konnte ich in der Early-Access-Fassung zwischen zwei auswählen, letzten Endes hat sich die Geschichte beider aber ohnehin überschnitten. Beide ziehen in diese Welt und müssen bald wählen, wohin sie als nächstes laufen wollen. In den Wald etwa? Oder zur rätselhaften Höhle?

Klar, so ein Spiel lebt von seiner Geschichte und von seinen Figuren. Da ist etwa Elementarmagier Leon. Einst Prinz mit prächtigen Zukunftsaussichten wurden seine Eltern ermordet - er jedoch wurde gerettet und zum Magier ausgebildet. Seither kann er die vier Elemente Feuer, Wasser und Luft kontrollieren, was ungewöhnlich ist, weil Magier in dieser Welt wohl sonst nur über ein Element herrschen können. Jetzt jedenfalls will er das Königreich zurückerobern und scheut auch nicht vor aggressiven Handlungen zurück. Die Figuren haben ihre ganz eigene Motivation, gegen die Schreckensherrschaft im Lande vorzugehen, was aber nicht bedeutet, dass sie auch immer die gleichen Mittel wählen. Klingt als Grundvoraussetzung erst mal spannend.

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Zu den vier wählbaren Figuren gehört auch die Sylphe Ancoran.

Technisch betrachtet ist das hier aber nichts anderes als das eingangs erwähnte DSA-Soloabenteuer. Ihr lest und dann wählt einfach, was ihr als Nächstes machen wollt. Eine simplere Spielmechanik ist kaum vorstellbar, aber auch hier kann man etwas falsch machen - dem Spieler nämlich keinerlei Anhaltspunkt geben, welche Folge seine Handlungen haben könnten. Du willst über das Eis laufen? Du brichst ein. Du bist tot. Du zauberst den Feuer-Spruch? Alles geht in Flammen auf, du verbrennst. Solche Entscheidungen gibt es in The Ballad Singer gerade haufenweise und je nachdem, für welchen Schwierigkeitsgrad ihr euch entscheidet, könnt ihr häufig oder eben weniger häufig zur fraglichen Todesentscheidung zurückkehren. Alternativ könnt ihr auch einfach vorher speichern, aber auch das gibt es je nach Schwierigkeitsgrad nur in begrenztem Maß. Was ich ehrlich gesagt nicht verstehe. The Ballad Singer ist letzten Endes eine Visual Novel in einem Fantasy-Universum, warum also diese Frustrationsmomente einbauen?

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Dass ihr immer wieder sterbt, ist in der aktuellen Early-Access-Fassung praktisch unvermeidlich.

Geeigneter hielte ich das Projekt übrigens für portable Geräte, namentlich das Smartphone. Die Erzählerinnen und Erzähler lesen euch die Geschichte nämlich relativ nett vor, dazu gibt's zugegeben ein paar Artworks, aber wirklich wichtig ist das Hinschauen nicht. Das alles könnte auch als Alexa-Skill funktionieren oder zumindest als Handy-App, die ab und zu mal nach einer Entscheidung fragt. Die Entwickler haben angekündigt, das Spiel auf mobilen Geräten zu veröffentlichen, wenn es für PC und Mac raus ist, aber im Grunde wäre die mobile Plattform von Anfang an die richtige gewesen.

Ich mag diesen Pen-and-Paper-Stil ja. Ich finde es auch nett, wenn ein Spiel in einer so reichhaltigen Welt stattfindet, bei der ich das Gefühl habe, dass hinter einer virtuellen Kulisse noch viel mehr steckt, als zu sehen ist. In diesem Fall wirkt diese Pappkulisse aber noch ein wenig halbgar, als könnte sie jeden Moment umfallen. Hinter zu vielen Optionen versteckt sich aktuell ein billiger Tod. Was die Entwickler vorhaben, wirkt allerdings vielversprechend. Wenn einer der vier Figuren sterben soll, sollt ihr einfach mit anderen weiterspielen können, 20 Enden soll es demnach geben, mehr Geschichten, mehr Texte, mehr von allem. Das wäre toll und ich würde dieses Spiel sehr gerne wie ein gutes Buch verschlingen, vor allem wenn ich das mit Tablet und auf dem Sofa machen könnte. Eine kleine Fantasy-Story nebenbei, mit unerwarteten faszinierenden Wendungen und unkonventionellen Entscheidungen. Die müssen dann aber auch Konsequenzen haben, von meinem Tod mal abgesehen.

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Mit Bildern wie diesen wollen die Entwickler besonders wichtige Momente dramatisch in Szene setzen.

Gerade weil das Spiel so simpel ist und hauptsächlich aus Text und Sprachausgabe besteht, wäre hier das möglich, dass Telltale-Spiele die meiste Zeit nur simuliert haben. Eine große Geschichte mit wirklich ganz unterschiedlichen Handlungssträngen, die eben nicht zwangsläufig wieder zur immer gleichen Geschichte zurückführen. Das jedenfalls ist es, was The Ballad Singer leisten müsste, um als Visual Novel interessant zu sein, abgesehen natürlich von einer packenden Geschichte. Ob die Entwickler diese Erwartungen erfüllen können, lässt sich anhand der aktuell verfügbaren Early-Access-Fassung leider noch nicht sagen. Mein Interesse ist aber geweckt, im Blick behalten werde ich das Spiel also auf jeden Fall.

Entwickler/Publisher: Curtel Games/Curtel Games - Erscheint für: PC - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: Im Early Access erhältlich - Gespielte Version: PC - Sprache: englisch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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