Passables Wrestling, das sich flinker und hübscher zeigt als je zuvor, dessen Kampfsystem und Progression es aber an Eleganz mangelt.

Huch, hier hat sich in den vergangenen Jahren ja wirklich etwas getan! WWE 2K19 sieht bedeutend besser aus, als ich die Reihe in Erinnerung hatte, und reagiert bedeutend weniger hüftsteif auf alle Eingaben. Lebensnah eingefangene Animationen sind für einige Einstellungen gut, in denen man wirklich zweimal hinschauen muss, um die Action auf dem Bildschirm als Computerspiel zu identifizieren und - hey - in der Karriere erlebt man sogar eine Geschichte, über die man hier und da ehrlich schmunzeln muss.

Zu sagen, mich hätte das hier positiv überrascht, ist untertrieben. Es gibt immer noch eine Reihe von Dingen, an denen man schrauben kann - und auch sollte. Aber hiermit dürften viele Fans des Showsports durchaus zufrieden sein. Ich war schon fest überzeugt, Yukes sei einfach das falsche Team für diesen Sport. In Wirklichkeit fehlten ihnen aber wohl einfach nur die Ressourcen, die der lukrativen Lizenz angemessen gewesen wären. Die haben sie nun offenkundig erhalten und die Kooperation mit Visual Concepts trägt endlich Früchte.

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The Adorable Bacon auf dem Weg in den Ring!

Auffällig ist besonders, wie brauchbar der Karrieremodus diesmal ist. Erstmals wird wie schon bei der Basketball-Konkurrenz eine zusammenhängende Geschichte eines aufstrebenden Talents erzählt, das ihr selbst erstellt. In meinem Fall war das Cindy The Adorable Bacon, besser bekannt als Die Berliner Mauer. Die Qualität des Dialogbuches und die meisten der schauspielerischen Leistungen können sich wirklich sehen und hören lassen, wenngleich der eine oder andere Ausfall bei den Sprechern schon dabei ist. Einige der vertonten WWE-Superstars sind im Ring einfach besser als in einem Tonstudio, nehme ich an. Auch ist das Ganze selten wirklich lippensynchron, aber wenn ich zwischen gutem Buch und exakter visueller Darstellung wählen müsste, ich wüsste worauf meine Entscheidung fiele.

Das liegt sicher auch daran, dass der Titel abseits der Dialoge mehr als ordentlich aussieht, vor allem, wenn es um die überarbeiteten Bewegungsabläufe geht. Das Spiel reagiert nun schneller, alle Moves, besonders Tritte und Schläge, kommen nun zielstrebiger und mit mehr Wucht und landen auch mit solcher im Gegenüber. Einige Schlagserien beziehungsweise die Reaktionen darauf sind wirklich schmerzhaft anzusehen und das Kontersystem funktioniert wie es soll, obwohl ich die UI-Lösung, im entsprechenden Zeitfenster die zu drückende Taste (R2) kurz einzublenden, doch ziemlich ungelenk finde.

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Die Präsentation kann sich sehen lassen, auch wenn sie sicher nicht auf einem Level mit Visual Concepts' Output liegt.

Überhaupt ist WWE in der wenig beneidenswerten Lage, dass mit Striking, Grappling, Würfen und Haltegriffe verschiedene Systeme aufeinandertreffen, für die jeweils unterschiedliche Mechaniken zuständig sind. Minispiele für Pins, Chain Wrestling und Aufgabegriffe sind die Folge und funktional, aber wirklich Spaß oder Eingängigkeit kommt gerade bei Letzteren nicht auf. Ich wüsste nicht, wie man es besser machen sollte und alles funktioniert und macht als Ganzes auch durchaus Spaß. Aber ein rechter Fluss mag für mich hier nicht aufkommen.

Vermutlich ist das der Preis dafür, dass jemand, der sich voll und ganz der Meisterschaft dieses erstaunlich komplex-komplizierten Kampfsystems verschreibt, ein echtes Wrestling-Match in bestechender Authentizität und Flexibilität nachspielen kann. Ich wünschte, es selbst zu spielen würde mir genauso viel Spaß machen wie das Zuschauen. Vielleicht klappt es, wenn Yukes im nächsten Jahr ein paar eingängigere Systeme erdenkt, oder sich zumindest ein vernünftiges Tutorial einfallen lässt - und nein, die Möglichkeit im Move-Menü der Karriere, jedes einzelne der 1.000 Manöver auszuprobieren, zählt nicht.

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AJ Styles hat seinen eigenen Tower-Modus.

Doch zurück zur Karriere: 2K-üblich startet man mit einem recht niedrig bewerteten Wrestler, den man erst hochzüchten muss. Wer nun befürchtet, die auch hier vorhandenen VC würden wieder dazu eingesetzt, seinen Charakter auch in Sachen Leistung aufzubohren, den kann ich beruhigen. Die Weiterentwicklung eures persönlichen Superstars geschieht über einen schier unendlichen Skillbaum, die Punkte dafür spielt man im Verlauf automatisch frei und sind - sofern ich das sehen kann - nicht käuflich erwerbbar. Es fühlt sich dennoch ziemlich nach Grind an, wie langsam man seine Werte steigert, aber man spielt von Beginn an besser mit als zum Beispiel auf dem Court von NBA 2K.

Zu Kaufen gibt es natürlich immer noch eine Menge, unter anderem Kartenpakete mit neuen Moves, Taunts und kosmetischen Gegenständen, aber nichts, was euch im Ring rein leistungstechnisch besser dastehen ließe und die VC zur Freischaltung der vielen, vielen Wrestler-Legenden fließen auch ein wenig freizügiger. Überhaupt schnürt Yukes aber einmal mehr ein Paket, über dessen Umfang sich niemand beklagen kann. Ich weiß wirklich nicht, wer das alles spielen soll. Das Daniel-Bryan-Showcase dürfte Fans des "härtesten Veganers der Welt" durchaus glücklich machen und der neue, von Mortal Kombat inspirierte Türme-Modus motiviert immer mal wieder für zwischendurch. Auch sind natürlich ein voll einstellbarer Royal Rumble und diverse Käfig- und andere Sondermatches vorhanden.

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In Daniel Bryans Showcase Schlüsselszenen seiner Karriere nachzuspielen ist nett, wenngleich einige Matches wirklich zu lange dauern. Denn Speichern oder Checkpunkte sind nicht vorgesehen. Frust ist da vorprogrammiert.

Glitches gibt es immer noch einige, vor allem, wenn ein Wrestler am Boden liegend mit den Seilen kollidiert, die allgemein sehr hübsch und nachvollziehbar reagieren, kann sich die Physik manchmal nicht entscheiden, wer nun nachgeben soll. So wirkt es zumindest, wenn ein niedergestreckter Gegner wie von Geisterhand über die Matte teleportiert. Allzu oft passiert das nicht, aber komplett sauber wirkt auch dieses WWE noch nicht. Positiv zu erwähnen ist, dass WWE 2K19 auf der PS4 Pro in stabilen 60 Bildern in den Ring stieg. Für das nächste Jahr würde ich mir allerdings wünschen, dass die Entwickler das System, nach dem das Spiel Kommentare generiert, mitsamt der zuständigen Experten austauscht. Hier ist man meilenweit den Basketballkollegen unterlegen und wer das wiederholungsanfällige Gelaber abstellt, ist deutlich besser dran.

Alles in allem ist WWE 2K19 aber durchaus kompetent. Wenn man dem Kampfsystem nicht krumm nimmt, dass es Authentizität über Spielbarkeit stellt, macht man hiermit wenig falsch. Man wird zwar das Gefühl nicht los, dass Yukes trotz der diesjährigen Steigerung noch nicht ganz am Ziel angekommen ist. Auf einem guten Weg ist das Studio aber allemal, die WWE in Sachen Games wieder auf stabile Beine zu stellen. Das hatte ich so nicht erwartet.

Entwickler/Publisher: Yukes/2K - Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Preis: ca. 60 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: Ja, Moves, Wrestler und Kosmetisches - Getestete Version: PS4 Pro

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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