Die PlayStation 4 und zuletzt die PS4 Pro standen im Mittelpunkt der Marketingkampagne von Red Dead Redemption 2. Das heißt, dass wir eine recht gute Vorstellung davon haben, wie sich Rockstars neuestes Epos auf Sony-Hardware präsentiert. Heute können wir über die Xbox-One-Versionen des Spiels sprechen. Und dabei gilt folgendes: Sucht ich nach dem allerbesten RDR2-Erlebnis, ist die Xbox One X die Plattform eurer Wahl für dieses Spiel. Rockstars erstaunliche technologische Errungenschaft läuft auf der X in nativem 4K und liefert zugleich die beste Performance ab. Berücksichtigen wir, wie weit Rockstar die Current-Gen-Hardware pusht, ist das eine erstaunliche Leistung.

Es gibt zwar wichtige Unterschiede zwischen den vier verschiedenen Konsolenversionen, aber gleichzeitig müssen wir die viele Gemeinsamkeiten hinsichtlich der visuellen Features betonen. Langzeitleser von Digital Foundry erinnern sich vielleicht, dass die Umgebungsdetails im ursprünglichen Red Dead Redemption - besonders das Blattwerk - auf der PlayStation 3 reduziert waren und die Landschaften auf der Xbox 360 detaillierter wirkten. Bei der Fortsetzung konnten wir hier keine entsprechenden Unterschiede feststellen. Die Umgebungen sind auf allen Plattformen gleichermaßen üppig, die Rendering-Effekte nahezu identisch. Die Sichtweite und Pop-ins sind ebenso solide, egal auf welcher Maschine ihr es spielt.

Die Implementierung bestimmter Effekte - die Schattenqualität und die Intensität der Tiefenschärfe - ist jedoch mit der Rendering-Auflösung verknüpft. Und das ist ein Aspekt, der sich zwischen den einzelnen Versionen des Spiel substantiell unterscheidet. Am oberen Ende thront die Xbox One mit ihrer nativen Ultra-HD-Auflösung. Es sieht großartig aus. Dahinter folgt die PlayStation 4 mit einer Rekonstruktionstechnik - wahrscheinlich Checkerboarding -, um einen nativen 1920x2160-Framebuffer auf 4K hochzuskalieren.

Als Störfaktor erweist sich dabei das temporale Anti-Aliasing, das die Qualität des hochskalierten Outputs zu beeinflussen scheint. Es zeigt sich ein Pixeleffekt doppelter Breite, der das ursprüngliche, 1920x2160 große Bild betont und auf einem 4K-Display erkennbar ist. Wir können es zwar nicht gänzlich ausschließen, haben aber keine Hinweise auf eine dynamische Skalierung der Auflösung in irgendeiner der Konsolenversionen gefunden - die Auflösungen sind fest. Werft einen Blick auf die Vergleichsbilder weiter unten und ihr seht, dass der Vorteil der X nicht von der Hand zu weisen ist.

John Linneman und Rich Leadbetter sprechen darüber, wie sich Red Dead Redemption 2 auf den einzelnen Plattformen voneinander unterscheidet.

Erwartungsgemäß liegt die Auflösung auf der PlayStation 4 beim De-facto-Standard 1080p, während die Xbox One S das messbar schlechteste Spielerlebnis mit gerade mal 864p bietet. Die Effektivität des temporalen Anti-Aliasing hängt von der Pixelzahl ab. Während die PS4 den Anforderungen genügt, sieht das Spiel auf der Xbox One S verschwommen und körnig aus, was sich besonders beim Blattwerk und dem Schatten-Rendering bemerkbar macht. Das ist vermutlich nicht überraschend, weil Microsofts Maschine nur 66 Prozent der Full-HD-Auflösung rendert. Im Vergleich dazu sind die Unterschiede in puncto Auflösung zwischen Xbox One und X beispiellos. Die verbesserte Konsole wurde dazu designt, die Pixelzahl des Basisgeräts zu vervierfachen. Stattdessen haben wir es hier mit einer 6,2-fach höheren Auflösung zu tun, bei der noch weitere Verbesserungen hinzukommen.

Es ist nicht nur die Auflösung, die beide Konsolen voneinander trennt - es betrifft genauso die Texturqualität. Die Installationsgrößen sind auf den Standard- und 4K-Geräten identisch (106 GB auf der Xbox One, 98 GB auf der PS4), aber die leistungsfähigeren Konsolen nutzen höher aufgelöste Texturen, was sich vor allem bei Charakteren und Kleidung zeigt. Interessanterweise gibt es bei der allgemeinen Qualität keine dramatischen Verbesserungen - sowohl bei den Standardgeräten als auch bei den verbesserten Systemen. Trotz des großen RAM-Vorteils der X gegenüber der PS4 Pro scheint die Grafikqualität gleich zu sein.

Darüber hinaus und abgesehen von einigen Unterschieden bei der Implementierung von Ambient Occlusion dreht sich alles um die Performance - und hier überrascht uns die Xbox One X erneut. Obwohl sie einen sofort erkennbaren Vorteil bei der Auflösung gegenüber der PS4 und eine deutlich höhere Pixelzahl als die Xbox One S hat, bietet die X auch einen spürbaren Performance-Vorteil im Vergleich zu jeder anderen Version des Spiels. Red Dead Redemption 2 strebt 30 Frames pro Sekunde an, das Frame-Pacing ist auf allen Plattformen konstant. Und doch gibt es in den belebtesten Bereichen des Spiels klare Unterschiede, auf den stärkeren Konsolen läuft das Spiel hier flüssiger. An der Spitze steht erneut die Xbox One X. Mal abgesehen von einer Zwischensequenz, die merkwürdigerweise auf der X schlechter läuft als auf jeder anderen Plattform. Microsofts verbesserte Konsole liefert nahezu konstante 30 FPS mit nur sehr kleinen Performance-Einbrüchen in den anspruchsvollsten Stadtbereichen.

Xbox One XPlayStation 4 ProXbox One SPlayStation 4
Rockstars neues TAA eliminiert effektiv das Schimmern und sorgt für ein bemerkenswert sauberes Bild auf allen Plattformen. Erwartungsgemäß schlägt sich die Xbox One X mit ihrem nativen 4K-Output am besten.
Xbox One XPlayStation 4 ProXbox One SPlayStation 4
Die Rekonstruktionstechnik der PS4 Pro sorgt für unschärferes, pixeliges Blattwerk, während die niedrige Auflösung der Standard-Xbox-One alle feineren Details in diesem Wald eliminiert.
Xbox One XPlayStation 4 ProXbox One SPlayStation 4
Dieses Bild wurde einen Frame nach einem Szenenwechsel aufgenommen und zeigt das Rohbild, bevor die Magie von TAA zum Tragen kommt. Die Standard-Xbox-One bietet eine deutlich reduzierte AO-Qualität und die niedrigere Auflösung sorgt im Allgemeinen für mehr Dithering. Das Pro-Bild zeigt auch die Standardtextur in einem kleinen Bereich auf Arthurs Schulter.
Xbox One XPlayStation 4 ProXbox One SPlayStation 4
Alle vier Versionen schlagen sich in den verschneiten Regionen viel besser. Dennoch leiden die Texturdetails bei niedrigerer Auflösung deutlich, selbst wenn die meisten Assets identisch sind.

Die zweitstabilste Plattform ist die PlayStation 4 Pro, die in der Wildnis eine nahezu konstante Performance liefert, aber unter Einbrüchen in Siedlungen und Städten leidet. Sie ist insgesamt nicht so stabil wie die X. Zum Beispiel gibt es Framerate-Einbrüche in Valentine - eine kleinere Siedlung -, wo Microsofts Gerät im Grunde makellos läuft. Die Standardgeräte laufen in der Wildnis beide gut, in urbanen und belebten Bereichen ist die Performance aber variabler. Auf beiden Konsolen geht es hier bis in den niedrigen 20er Bereich hinab. In diesen Bereichen scheint die Standard-Xbox-One gegenüber der PS4 einen kleinen Vorteil zu haben, was vermuten lässt, das Sonys Gerät hier an seine CPU-Grenzen stößt (während die Microsoft-Maschine einen Takt-Vorteil hat). Das könnte erklären, warum es auf der Pro besser läuft und wie die X das konstanteste Spielerlebnis bietet.

Alles in allem passt sich Red Dead Redemption 2 an die Fähigkeiten jeder Konsole an. Wir haben aber den Eindruck, dass die Standard-Xbox-One in Sachen Auflösung die Erwartungen nicht erfüllt und optisch darunter leidet. Das TAA-System ist von der Auflösung abhängig und diese ist einfach nicht hoch genug, damit es so effektiv wie auf den anderen Systemen arbeitet. Aber je mehr man sich anschaut, was die X abliefert, desto bemerkenswerter ist es. Allgemein gesagt hat die Xbox One X 3,3 Mal so viel Rechenleistung wie die PlayStation 4. In der Praxis erhaltet ihr eine viermal höhere Auflösung und nahezu feste 30 FPS, während Sonys Gerät in manchen Bereichen zu kämpfen hat. Und trotz des TAA-Effekts sind die feinen Details auf der X noch zu sehen - es vermittelt euch das Gefühl, dass euer 4K-Display eine gute Anschaffung war.

Es gibt also klare Unterschiede zwischen den Konsolen, aber wir möchten auch die positiven Dinge hervorheben. Was den Großteil der Rendering-Features betrifft, herrscht zwischen den Plattformen Gleichheit. Es gibt nichts Auffälliges, das auf den Standardgeräten fehlt - nur die Auflösung unterscheidet sie. Die Performance ist zwar variabel, aber ich würde sagen, dass PS4 und Xbox One S trotzdem eine stabilere Framerate abliefern als das ursprüngliche Red Dead Redemption - und das mit weniger Unterschieden im visuellen Bereich. Aber wenn ihr Red Dead Redemption 2 wirklich in absoluter Bestform erleben möchtet, ist die Xbox One X die Plattform eurer Wahl - und das mit einem beachtlichen Vorsprung.

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Über den Autor:

John Linneman

John Linneman

Staff Writer, Digital Foundry

An American living in Germany, John has been gaming and collecting games since the late 80s. His keen eye for and obsession with high frame-rates have earned him the nickname "The Human FRAPS" in some circles. He’s also responsible for the creation of DF Retro.

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