So, jetzt habe ich es auch mal gespielt und ich muss sagen ... DAS ist Resident Evil. Teil sieben mag ein gutes Horror-Spiel sein, wahrscheinlich sogar ein großartiges, aber so richtig habe ich den Vibe der Anfangstage der Reihe nicht mehr gespürt. Was in keiner Weise eine schlechte Sache sein muss, eine Reihe muss sich entwickeln, um zu überleben und Resi hat es sich da nie zu einfach gemacht. Das Remake des Zweiten jedoch, das ist Resi, wie man es kannte. Was es in keiner Weise zu einem moderenen Spiel macht. Zum Gegenteil dessen. Auch wenn es aussieht, wie ein fast modernes Spiel.

Die Grafik hat immer noch genug Ecken und Kanten, der Look des siebten Teils ist aus einem ganz anderen Polygon-Holz geschnitzt. Auch andere aktuelle Spiele machen deutlich, was heute möglich ist. Resident Evil 2 dagegen ist ohne Frage eines der aufwändigsten Upgrades in Sachen Technik, das wir wohl sehen werden. Die Räume wie das verrückte Büro des Polizeichefs wurden liebevoll ausgestaltet, es hat den perfekten Charme der Vergangenheit der Reihe, aber so schön, dass man sich gerne auch hier und da die Details anguckt. Aber, und das sage das nur, damit ihr eure Erwartungen richtig einsortieren könnt, das hier ist kein Triple-A-Look für 2018, wo wir anfangen, über Raytracing und sonstige Tech-Spielereien zu reden. Und das muss ich auch dazusagen: Ich liebe diesen Look!

Auch die Vertonung wurde komplett überarbeitet. Sehr zum Vorteil des Spiels.

Es mag die Nostalgie sein, von der ist sicher was dabei, aber es ist auch dieses gewisse, imperfekte Flair, das normale Umgebungen in ein surreales Licht rückt. Nicht wie Silent Hill, deutlich subtiler und weniger außerweltlich. Der kurze neu angespielte Abschnitt zeigte eine triste Garage, einen dunklen Schießstand, einen Lagerraum und die kleine Leichenhalle der örtlichen Polizei. Ungefähr so wenig glamourös, wie man sich das vorstellt. Das Büro des Chiefs dagegen könnte direkt aus dem Schloss eines exzentrischen Barons gefallen sein, mit Details, die auf tiefe Schatten hinter der schon ungewöhnlichen Einrichtung deuten. Ein angemessener Kontrast, um eure Nackenhaare in Stellung zu bringen.

Also ja, bei aller Liebe und dem unwahrscheinlichen Aufwand, ein PSone-Spiel komplett neu aufzubauen, die Technik wird eine junge Generation von Spielern, die mit dem letzten Teil dazukam, wohl kaum gänzlich überzeugen. Und auch spielerisch ist es ein interessanter Spagat zwischen Gestern und Heute. Am ehesten würde sich ein direkter Vergleich mit der zweiten "Trilogie" anbieten. Der Vierte bis Sechste Teil spielte sich relativ langsam, aber keineswegs so sperrig wie deren Vorgänger. Ab einem gewissen Punkt konntet ihr Schießen und euch bewegen, nur nicht schnell. Die extrem herangezoomte Kamera beim Zielen bleibt erhalten und ist bei schnellen Gegnern wie den hüpfenden Lickern ein bewusstes Problem, das euch das virtuelle Leben schwer machen soll, mal ganz davon abgesehen, dass die Biester richtig was aushalten.

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Alte Bekannte in neuer Belichtung.

Es fühlte sich fast ein wenig unfair an, man ist das gar nicht mehr so gewöhnt. Ein Gegner, der einen richtig in die Ecke treibt, einen guten Teil der Munition frisst und einen schwer angeschlagen zurücklässt, nachdem er endlich nicht mehr zuckt. In früheren Teilen der Reihe, gerade dem Sechsten, ging dieses Gefühl zugunsten gradliniger Action oft verloren, hier war es noch sehr intakt, so wie zu PSone-Zeiten. Nach drei dieser Gestalten und ein paar sehr robusten Zombies war es die pure Erleichterung, sich in dem schrägen Büro neu ausrüsten zu dürfen. Glück ist ein grünes Kraut und eine Box mit Munition.

Was dann auch den Ablauf unterstreicht, den Resi half für das Genre zu definieren. Ihr findet in einem Bereich eine Menge Zeugs, rüstet euch aus und dann im nächsten Abschnitt beginnt ihr voller Selbstsicherheit und endet als angeschlagenes, leergeballertes Wrack, das gerade noch rechtzeitig an Land gespült wurde. Das mildert ein wenig den Überraschungsfaktor, was als Nächstes passiert. Aber man darf halt nicht vergessen. Das ist ein Remake des Spiels, das dieses Konzept mit erfunden und etabliert hat, keine moderne Weiterentwicklung dessen. Die Grafik ist dann eben doch so gut, dass man das gerne mal vergisst.

Die zeitgemäßere Steuerung fühlt sich dabei auch wirklich nur etwas frischer an, sie vereinfacht dabei nichts. Im Gegenteil, als Panzer erschien mir das Spiel damals fast einfacher. Zumal ihr natürlich immer noch nicht nach Belieben speichern dürft und nur wenige Rücksetzpunkte die unvermeidlichen Rückschläge etwas abmildern. Wenn euch das heute also alles etwas einfacher vorkommt als damals: Das dürfte in erster Linie daran liegen, dass ihr damals jünger und weniger routiniert wart.

Der kurze Abschnitt war dann auch altes Resi in seiner kompaktesten Form. Ein wenig Erkunden, Schlüssel suchen, gerade so am Leben bleiben und dann wieder auf die Beine kommen. Überleben, um weiterzukommen, um weiter zu überleben. Die Technik hebt das auf einen Level, der ausreicht, damit sich jeder heute in diesem Zyklus des Auslaugens und Aufrichtens stürzen kann, ohne mit den Stolperfallen des Retro-Gaming konfrontiert zu werden. Resident Evil 2 wird damit zu keinem modernen Spiel. Aber es ist die mit Abstand modernste Art, das originale Flair der Ursprünge der Serie zu erkunden. Und das ist schon etwas, das man als Gamer einmal in seinem Leben gemacht haben sollte. Gehört zur Grundbildung dazu.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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