Es gibt verschiedene Wege, die neuen Bilder des Monster Hunter Films zu interpretieren: Entweder diese stammen aus einem zehnminütigen Prolog, in dem es darum geht, dass eine Soldatin irgendwo in der Wüste in eine Dimensionsportal gezogen wird und in einer seltsamen Fantasy-Welt voller Monster, Riesenschwerter und kochender Katzen rauskommt. Ein Kompromiss, um normales Publikum abzuholen und Fans trotzdem zu bedienen. Oder der Film ist ein weiterer Fall von totalem Bullshit, der produziert wird, um eine breitere Zielgruppe anzusprechen, aber am Ende nur jeden anpisst, der dumm oder ahnungslos genug war, doch eine Kino-Karte zu kaufen. Aktuell würde ich sagen, dass die Chancen noch 50-50 stehen.

Man kann über den Warcraft-Film denken, was man möchte, aber es ist zumindest ein Warcraft-Film. Es geht um Dinge aus dem Spiel, sie werden visuell gut genug umgesetzt, es gibt viel Fanservice. Es ist halt einfach nur kein guter Film, weil die Geschichte selbst kaum tragfähig war. Monster Hunter könnte den Spieß umdrehen, vielleicht wird es ein großartiger Action-Streifen - nicht, dass ich darauf auch nur einen Cent wetten würde - aber wenn es sich darum dreht, dass Monster in Afghanistan auftauchen und von US-Truppen bombardiert werden, dürfte jeder Fan des Spiels raus sein. So wie der normale Hobbit-Gucker bei Warcraft raus war. Es ist ein Spagat, aber ist es einer, den man überhaupt machen muss?

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Happy Halloween from Alpha Team, not in costume this year but in UNIFORM! We didn't get to go trick or treating but it's a real treat to work with these incredible people on #monsterhuntermovie @meagangood @diego @iammcjin

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Silent Hill zeigte ganz gut, dass man einen soliden Horror-Streifen machen kann, der sich alle notwendigen Elemente aus dem anderen Medium ausleiht, die Stimmung schafft, das Universum ordentlich genug trifft und doch in seinem eigenen Medium funktioniert. Beide Seiten waren gut genug unterhalten, Fans des Spiels, die sich nicht als tollwütige Wächter des Lore verstehen, hatten ihren Spaß, Horror-Film-Fans haben schon weiß Gott schlechtere Filme gesehen, mehr oder weniger auf teilweise wöchentlicher Basis. Aber nur weil es hier mal ein positives Beispiel gibt, heißt das nicht, dass das der Weg sein muss.

Warcraft krankte in erster Linie an einer schwachen Handlung, die ungeschickt erzählt war. Spiele können das durch interaktive Elemente kaschieren, aber das heißt nicht, dass eine schlechte Story nötig ist, um auch die Feinheiten des Spiel einzubeziehen. Ich denke das es durchaus möglich ist, eine gute Geschichte innerhalb jedes Gaming-Universums zu erzählen - Battleship ausgenommen, das Ding dürfte das Ergebnis einer langen durchzechten Nacht von Studio-CEOs gewesen sein, bei der unter Garantie nicht eine Runde Schiffeversenken gespielt wurde -, man muss halt nur die Möglichkeiten nutzen und ein gutes Drehbuch haben. Eines, das nicht möglichst weichgespült wurde, bis man nicht mehr erkennen kann, was das eigentlich mal war, sondern auf starke Figuren und eine echte Handlung setzt.

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Ja, ok. Jetzt sehe ich die Ähnlichkeit!

Monster Hunter sollte dafür nicht schlechter geeignet sein, weil es selbst praktisch keine Geschichten erzählt, sondern es sollte aus genau diesem Grund perfekt für einen Film sein. Man hat alle Möglichkeiten. Zehn Minuten Einführung in die Welt, Heldin hockt im Dschungel, pirscht sich an Monster, epischer Fight, Heldin schnippelt Fleisch aus Monster, geht zurück ins Dorf, Katzen werfen Fleisch aufs Feuer. Heldin trifft andere Monsterjäger, irgendwas mit Gerüchten über ein Super-Monster, Heldengruppe muss nun ein wenig reisen, schnetzelt Monster an anderen Orten, kommt ein wenig ins Gespräch, um den Charakteren ein wenig Hintergrund zu geben, craften tolle Waffe, schnetzeln Super-Monster. Vielleicht stirbt hier mal einer, 'ne Fetch-Quest beim Crafting kann auch nie schaden, damit lassen sich gut 100 Minuten füllen.

Und das ist nur billiger Versuch 1.0, aber es ist eine klassische Action-Handlung, die es leicht macht, alle Feinheiten des Universums nebenbei einfließen zu lassen. Es würde den Wunsch der Fans kompromisslos respektieren und trotzdem auf den dann unnötigen wie scheinbar zwanghaften Realwelt-Bezug verzichten, der offensichtlich in die Hollywood-Formel so eingebrannt ist. Kein Kompromiss-Spagat, einfach nur ein solider Fantasy-Film, die moderne Version dessen, was in den 80er als Barbaren-Genre solide Erfolge hatte. Kann doch nicht so schwer sein, beim Comic funktioniert es doch auch gelegentlich.

Aber stattdessen rechne ich ziemlich fest mit Monstern in lokaler Wüste, die von Humvees umkreist werden.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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