Ach, Erkältung. Die nervigste, wenn auch sicher nicht die schlimmste oder gar gefährlichste der Herbstkrankheiten. Man ist nicht so fit, dass man alles tun könnte, was man will, aber doch so platt, dass es für nichts Halbes und oder gar was Ganzes reichen würde. Aber, und das ist das Gute: Wir leben im Zeitalter der Switch. Sicher, früher hatten wir den Game Boy, später die iPads, irgendwas, mit dem man hustend und eingerollt in verschwitzte Decken spielen konnte, hat sich schon gefunden. Aber die Switch ist das perfekte Trostpflaster, wenn das gefühlte Elend mal wieder endlos scheint und Square Enix versüßte mir dieses elendige Wochenende mit zwei Titeln so gut sie konnten.

World of Final Fantasy Maxima Switch

Auch für die Xbox neu erschienen, aber vor allem auf der Switch ist dieser etwas "kindische" - oder zumindest übertrieben niedliche - Mix aus Final Fantasy und Pokémon perfekt. Die Technik ist nicht sonderlich anspruchsvoll, ihr müsst also im Vergleich zu den Großen keine Kompromisse erwarten - kein Wunder, das Ding läuft auf der Vita tadellos. Dann ist es zwar auf ewigliches Sammeln und Leveln aller gefangenen Monster ausgelegt, aber die Handlung und der Fortschritt sind in Häppchen unterteilt, die sich auch schnell mal am Abend wegsnacken lassen.

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Minipuzzles und Rundenkämpfe, was gibt es Besseres, wenn man vor sich hin schnieft?

Als Zwillings-Geschwister in einer eh schon surrealen Welt entdeckt ihr, dass die beiden eine mystische Vergangenheit haben, die sich im Grunde darum dreht, dass sie die beten Poké-Fänger einer Fantasy-Parallel-Dimension sind, unter Amnesie leiden - was auch sonst - und nun ein paar hundert Monster brauchen, um nach ein paar tausend Kämpfen das Böse zu besiegen. Oder wie man es in Fantasy-Kreise nennt: Donnerstag, später Nachmittag.

Nein, inhaltlich passiert hier wenig Aufregendes, aber die gefangenen Monster nicht nur hochzuleveln, sondern zu stapeln, das ist recht ungewöhnlich. Jede eigene Figur für sich ist nicht sonderlich mächtig, aber wenn ihr eine Pyramide aus drei unterschiedlich großen Monstern mit einer der Hauptfiguren im Mix baut, dann ergänzen sich ihre Fertigkeiten und Werte direkt. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist leider recht zahm, daher müsst ihr nie zu viel Gedanken auf diese Baukunst verschwenden, selbst bei Bossen kann man sich noch ganz gut durchmogeln - jüngere Zielgruppe und so -, aber der Vorteil ist dann natürlich auch, dass ihr nicht zu oft ins Menü müsst, wenn ihr mal keine Lust auf Optimierung habt.

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Ich bin kein großer SD-Fan, aber immer mal wieder und wenn es so niedlich wie hier ist... Okay, bin dabei.

Eine nette Welt, ein spaßiges Kampfsystem, eine Handlung, die im späteren Verlauf ihre kleinen Momente hat... Als jemand, der eine Erkältung in seinem Leben mit Robin Hood: Prince of Thieves auf dem Ur-Game-Boy zubrachte, kann ich definitiv sagen, dass es schlimmer geht. Aber nicht nur das, World of Final Fantasy ist ein sehr unterhaltsamer kleiner RPG-Genre-Mix, der beweist, dass die Reihe immer wieder mal für eine guten Ableger zu haben ist.

Für mehr Details zum Gameplay schaut doch einfach in den ursprünglichen Test. Kurz noch zur Switch-Umsetzung: Es ist nicht die abgespeckte Vita-Version, inhaltlich ist alles da. Aber wenn ihr direkt vom Handheld zum Dock wechselt, ohne das Spiel neu zu starten, bleibt es in der Minimal-Auflösung und sieht ganz schön sch… auf 55 Zoll aus. Bis ein Update kommt, müsst ihr also docken und einmal neu starten, um die ganze relative Schönheit zu bekommen. Kosten tut euch der Spaß 40 Euro, erhältlich ist es nur als Download.

Forgotton Anne

Uh, da musste ich warten, bis ich am Sonntag wieder etwas fitter war. Lässt sich World of Final Fantasy noch komplett im "Mein Hirn ist Watte"-Autopilot-Modus spielen, wenn man es nicht zu genau mit der Charakter-Optimierung nimmt, dann ist das das vor allem stilistisch außergewöhnliche Action-Adventure Forgotton Anne schon fordernder. Nicht, weil der Action-Anteil zu hoch wäre, das hier ist sicher kein Dead Cells, sondern weil puzzeln schon Teil des Programms ist.

Am ehesten lässt es sich in der Steuerung mit langsamen Klassikern wie Prince of Persia oder Flashback vergleichen, das aber mit einem deutlich höheren Rede- und Rätsel-Anteil und sogar einer ganzen Reihe von Konsequenzen, je nachdem, wie ihr in den zahlreichen Gesprächen reagiert. Um daran Interesse zu wecken, bedarf es natürlich einer interessanten Geschichte und diese ist das Highlight des kleinen Titels: Es gibt eine Parallelwelt, in der alle vergessenen Gegenstände landen, von der Socke bis zum entsorgten Kühlschrank, dort anfangen zu sprechen und ein Eigenleben entwickeln. Ein mysteriöser menschlicher Meister herrscht über dieses eigenwillige Reich, gegen das eine Gruppe von Rebellen vorgeht. Als Anne, ebenfalls menschlich, ergründet ihr, was faul im Staate Recycling-Land ist. Alles ist hinreißend animiert und inszeniert, das hier ist mal wieder 2D in purer Schönheit.

Spielerisch war ich etwas weniger angetan, vor allem vom Action-Anteil. Das Hüpfen ist träge und bedingt präzise. Ihr habt als Gimmick ein paar mechanische Flügel, um weiter entfernte Plattformen zu erreichen und neue Gebiete zu ergründen, aber einen richtigen Fluss fand ich in den Bewegungen nie. Gut also, dass das Spiel nie zu sehr auf höchste Präzision und Tempo setzt. Was die Puzzles angeht, ist ein wichtiger Anteil, das Energie-Management der Umgebung in den Griff zu bekommen. Und dazu könnt ihr sogenanntes Anima aufsammeln und dort einsetzen, wo es gebraucht wird. Das funktioniert solide genug, auch wenn es oft genug weniger auf echtes Nachdenken und mehr auf Hin- und Herlaufen hinausläuft.

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Genießt den Look, ertragt das Hüpfen, bleibt für die Story.

Forgotton Anne fängt euch mit seiner fast schon Studio-Ghibli-würdigen Geschichte, seinem charmanten Look und den Figuren ein und die sind es auch, die euch bei Laune halten. Wenn eine Fortsetzung dann auch noch lernt, die spielerische Seite auf das gleiche Level zu bringen und es nicht einfach nur bei "funktional" zu belassen, dann werden hier bald ganz große Dinge passieren. Bis dahin ist Forgotton Anne ein so liebenswertes wie spielerisch träges Wochenende. Wiederum, als jemand der ein ähnlich verschnupftes Wochenende schon mal mit Kid Icarus auf dem Game Boy bestreiten musste: Ich liebe die Switch und auch Forgotton Anne! Alles relativ also, wie immer.

Mehr zu Forgotton Anne könnt ihr aus dem Test zur ursprünglichen Version entnehmen, Switch-spezifische Features konnte ich beim besten Willen nicht ausmachen. Für die Switch ist es nur als Download für übersichtliche 20 Euro zu haben.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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