Komponist: Jon Everist

Label: Black Screen Records

Stil: Subversive Outrun meets Slow Wave

Erhältlich über: Label, Discogs

Das Spiel: Shadowrun: Viel würfeln, was Treffer angeht, und am Ende muss der Rigger den Run retten. Ist in Deutschlands Schatten nicht anders.

Editionen: Black Screen Records geht wie fast immer die Black-plus-Special-Schiene, was heißt, dass ihr einmal die Scheibe auf Schwarz in 180 Gramm haben könnt oder aber in durchsichtig-silbrigen Vinyl. Schön ist, dass auch Dragonfall trotz nur einer Scheibe die Gatefold-Liebe erfahren hat. Weniger schön ist - was natürlich im Auge des Betrachters liegt - das erneut eigenwillige Design, das mehr an Konzeptentwürfe für Shadowrun 1.0 erinnert als ein echtes Artwork für etwas, das fast 30 Jahre später erscheint. Obwohl, ich nehme das zurück. Bei dem Drachen-Artwork innen und den lustlosen Liner-Notes fragt man sich schon, ob ein Gatefold wirklich nötig war. Gut, dass das nicht die Musik weiter anficht und auch nicht die Qualität. Minimale Oberflächengeräusche, die aber durch sehr solide Dynamik wieder ausgeglichen werden. Das ist jetzt kein audiophiles Meisterwerk, aber durchaus mehr als nur gut, was den Klang angeht.

3
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Angehört

Allgemein denkt man bei Cyberpunk schon an viel Synth und ja, die gibt's hier auch. Die Wellen aus Blade-Runner-Land laufen im Hintergrund ihre Wave-Wege, sehr zarte und fast schon provozierend elektronische Drums donnern mal mit tiefem Grollen weit hinten, mal hell vorn, aber das ist nicht die übliche Cyberpunk/Outrun/Dark-Wave-Schiene. Dafür sorgt die akustische Gitarre, die immer fast verstohlen wie ein Dieb in der Nacht, oft mit nicht weniger Stealth-artiger Begleitung von mal Bläsern, mal einem Piano seinen Weg als starkes melodisches Element geht, später gesellen sich oft kleine Gruppen an Streichern dazu. Aber nie zu schnell.

Man muss es wirken lassen, allein für sich und ohne das Spiel. Dann entsteht eine Stimmung, weit näher an Nirvana - Film, nicht Band, solltet ihr kennen - als an Johnny Mnemonic - Film nicht Buch, Buch solltet ihr kennen - und so weit weg von dem, was Shadow-Run-Action ist. Es ist der Zoom auf den komplexen, multikulturellen Sprawl, in dem ein Mikrokosmos immer mit drei weiteren überlappt. Die Tracks wechseln fließend dazwischen und den Reizen und Gefahren, die hier lauern, während das Team vor dem inneren Auge und über das Ohr beobachtet sich seinen Weg bahnt. Erst ganz zum Ende wird es seltsam. Knight Kings of Lightninghold? Ist das ein vergessener SEGA-CD-Track? Stimmungsbruch vom Feinsten. So nett es auch ist, es hätte als Bonus hinter das Boss-Thema gehört, das im Anschluss versucht, die Stimmung wieder einzufangen. Erfolglos.

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Selbst anhören

Das wäre noch zu sagen ...

Eine Platte wie: Slow Moving Cyber Monk.

Eine Art Fazit: Wer seinen Cyperpunk nicht nur im Dauerfeuer hören möchte, findet hier sehr solides Material. Ruhiger und sehr viel nachdenklicher - selbst in eigentlich dynamischen Momenten schwingt etwas Tieferes mit. Vielleicht der Beste der Shadowrun-Soundtracks, trotz des schrägen Knight-Kings-Ausflugs. Was man über das Cover-Artwork nicht sagen kann. Aber das ist ja nicht die Hauptsache, oder?

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Gehört und genossen auf...

Dies ist die "Eurogamer-Referenz-Anlage": Plattenspieler - Thorens TD 203 (Test); Phono-Verstärker - Pro-Ject Phono Box DS2 USB; Stereo-Verstärker - Teufel Kombo 62 CD-Receiver; Boxen - Nubert nu Vero 30 (Test); Kopfhörer: Beyerdynamic Amiron (Test) + A20 (Test)

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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