Wow, ich verbrachte eben eine halbe Stunde damit zu lesen, was (hoffentlich) informierte - sprich: Leute, dies es gespielt haben - Käufer von Fallout 76 zu dem Titel zu sagen haben. Eigentlich ist es eine ganz einfache Grundaussage: Es ist nicht Fallout 5, das dann so ist wie Fallout 3, NV, 4. Auch wenn ich natürlich generell beklagen muss, dass zu wenige Spiele wie New Vegas sind, das damals direkt nach dem Release von wahrscheinlich den gleichen Leuten zu Recht für seine Myriade an Bugs und Grenz-Unspielbarkeit in den Boden gestampft wurde, ist Fallout 76 sicher nicht der Tod der Serie.

Erst einmal gab es da schon ganz andere Spiele. Ich dachte, dass das Ende der Reihe mit Brotherhood of Steel gekommen wäre - 2004 - als ich zu Slipknot-Sounds ein schlechtes Diablo spielte. Aber siehe da, wenn sich Fallout davon erholt, dann sollte das mal etwas andere Fallout 76 nicht einmal ein Stolperstein sein, selbst wenn es am Ende es nicht schaffen sollte, die Reihe voranzubringen.

Ich habe mir einfach mal ein paar Dinge herausgepickt, die vermehrt auftraten, um als "Anwalt" für das Spiel zumindest die Perspektive geradezurücken. Wohlgemerkt, die User, die ich hier zitiere gaben 0 oder 1 von 10 Punkten, aktuell liegt der Schnitt bei 2,mittel Punkten.

"Highly buggy is an understatement, microtransaction ridden, performance in-game is mediocre at best..." (Metacritic User "aaaeee", "Hochgradig verbugged, von Mikrotransaktionen verseucht und mittelmäßige Performance bestenfalls ...")

Es folgen noch weitere Klagen, insoweit basieren die 0 Punkte nicht nur darauf, aber hochgradig verbugged? Keine Frage, es gibt nicht zu knapp Bugs, ich hatte selbst genug, aber keiner davon war jetzt ein Gamebreaker. Wiederum, Perspektive bitte: Genug Leute konnten das jetzt so gelobte New Vegas damals nicht mal starten. Sicher, jeder Bug ist einer zu viel, aber Fallout 76 als MMO ist nicht mal in der Nähe der größten Sünder. Mikrotransaktionen beziehen sich jetzt noch auf kosmetische Dinge, solange sich das nicht ändert, ist das keine Sünde. Und mittelmäßige Performance am Launchtag ist ehrlich gesagt gut ... Klar, wiederum, es sollte immer gleich gut laufen, wenn ich etwas gekauft habe, aber jenseits von ein paar Minuten gestern lief das Ding überraschend ordentlich. Vielleicht, weil so viele Spieler erst mal vorsichtig Abstand halten.

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"It's not Fallout I remember..." (Metacritic User "Cancas", "Es ist nicht das Fallout, an das ich mich erinnere und davon abgesehen ist es praktisch unspielbar verbugged.")

Die wichtigste Aussage ist "Es ist nicht das Fallout, an das ich mich erinnere" und das bedeutet übersetzt "Es ist nicht das, was ich haben wollte." Was uns zu 90 Prozent der Kritik bringt. Es ist auch der Satz, den ich über fast jede Band schon mal sagte, die ich teilweise seit den 80ern höre. Es ist nicht das, woran ich mich erinnere.

Spieler - ich oft genug auch, selbst wenn es zu meinem Job gehört, diesen Instinkt zu hinterfragen und kritisch zu analysieren - schreien auf der einen Seite oft nach Innovation, auf der anderen wollen sie insgeheim das Feeling zurück, das sie bei dem Spiel hatten, das sie zu einer bestimmten Reihe brachte. Das kann sich oft gegenseitig ausschließen, selbst bei weniger radikalen Umbrüchen wie Fallout 76.

Ja, ich bin jetzt auch verwirrt, dass es keine NPCs gibt, wie in jedem Rollenspiel, das ich je spielte, egal ob on- oder offline. Nein, das ist nicht Fallout, wie ich mich daran erinnere, auch wenn das schon auf Fallout 3 zutraf, bin halt etwas älter. Das ganze Zusammenraffen von Zeugs und Crafting ist ein relativ neuer Spielerdrang, der mich seit Minecraft verwirrt - In Spielen ist man doch der Held und nicht der Handwerker, was ist hier los? Aber das scheint etwas zu sein, das viele Spieler aktuell mögen, in Fallout 4 nannten viele es einen der besten Aspekte. Und nein, das ist nicht das Fallout, an das ich mich erinnere, aber es ist hier spaßig genug umgesetzt. Es ist anders, das auf jeden Fall. Und mit der Zeit ist "anders" zumindest von ab und an wichtig, denn sonst endet eine Reihe. So wie sie endet, wenn sie zu sehr den Weg aus den Augen verliert. Ob Fallout 76 der Anfang dessen ist, wird die Zukunft zeigen. Aber wie gesagt, wenn Brotherhood of Steel nicht der Anfang vom Ende war, dann glaube ich ganz sicher nicht, dass Fallout 76 das sein wird.

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"Ripping out the (humanoid) NPCs, with narrative and quests tied up with them, populated settlements, choices and consequences, and companions with personality and story arcs, was a terrible mistake and kills this title on arrival. It's what most Fallout players play for." (Metacritic-User "Alixen" - "Die menschlichen NPCs rauszureißen, die an sie gebundene Erzählweise und Quests gleich mit, zusammen mit Siedlungen, Entscheidungen und Konsequenzen, den Gefährten und Handlungsbögen, das war ein fürchterlicher Fehler und erledigt den Titel vom Start weg. Es ist nicht das, was die meisten Fallout-Spieler möchten.")

Wiederum, es dreht sich darum, was einmal war und was jetzt - vermutlich nur für dieses eine Spin-off - nicht mehr ist. Es war vom Start weg klar, dass Fallout 76 eine Art von MMO sein wird und wenn es der Gedanke ist, dass die Spieler selbst ihre eigene Welt bevölkern sollen, dann ist das ein Ansatz, der sich über die Zeit beweisen muss. Es kann gut werden, muss es nicht. Aber nein, das ist nicht das, wofür jemand New Vegas oder Fallout 3 spielte, weil es ein komplett anderes Genre war. Ich weiß, woher der Frust kommt. Ich liebte Ultima und als Ultima Online kam, sah ich, dass das nicht war, wofür wir bisher Ultima spielten. Aber ich sah auch, dass unglaublich viele Leute viel Spaß hatten und trotz meiner initialen Abneigung wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Spiel für diesen Wechsel so zu verdammen.

Halte ich den Verzicht von NPCs für eine gute Idee ...? Hm, nein, nicht wirklich, aber wie gesagt, ich sehe, was sie damit versuchen möchten - denke ich wenigstens - und ich bin bereit, zu warten und zu gucken, ob es was wird. Eine Welt, in der die Spieler Rollenspiel versuchen und Fraktionen komplett für sich definieren und sich nicht hinter einem NPC aufreihen, das ist immer interessant. Und riskant, aber das gehört auch zum Geschäft eines MMOs. Der Spieler ist halt immer die Unbekannte.

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Ich könnte jetzt zig weitere Beispiele aus den Hunderten Verrissen auflisten, die genau diese Aussagen auf zig Arten treffen, plus relativ viel Kritik an der technischen Performance, ähnlich unspezifisch wie oben schon. Letztere ist im Rahmen des Üblichen, wobei auch viele schreiben, dass es mittelmäßig bis okay läuft, was für einen großen MMO-Titel an Tag eins heutzutage ja fast schon ein Sieg ist - traurig, wie das sein mag. Es ist also ein Fall von "Die Band, die ich mochte, spielt jetzt was anderes." In diesem Falle tut sie das vielleicht nur für ein Album, aber selbst wenn nicht: Als Gary Moore erkannte, dass er "still got the Blues", zog ich auch weiter zu anderen Leuten, die Rock machten. So wie Fallout-Spieler eine Tonne an Spielen finden werden, die NPCs, Quests und all die anderen Dinge bieten. Sie werden drüber wegkommen - und irgendwann auch zu ihrem Fallout 5. Zweifelt irgendjemand daran?

Mein Punkt hier ist, dass es okay ist, sich dann von einem persönlichen Favoriten abzuwenden, wenn er etwas versucht, das anders ist. Es ist auch okay, das angemessen zu äußern. Aber es ist nicht okay, die Arbeit von zig Leuten allein dafür in den Boden zu stampfen, wenn sie dabei zumindest auf den ersten Blick nicht komplett scheitern.

Und übrigens: Die - weit kleinere Zahl - an 10-Punkte-Reviews ist genauso murks. Mein Favorit hier, den ich einfach mal direkt zitieren muss, weil ... ja, genau: "best gam of year deserves to win many awards also i luv da beach bois completeley flawless"

Na klar doch. Ich mag die Beach Boys auch. Let's go surfin' safari. Vielleicht sollte ich User auf Metacritic nicht zu ernst nehmen.

Bewegtbilder gefällig, um euch einen eigenen Eindruck zu verschaffen? Seht hier Alex' erste Stunde mit Fallout 76. Erste textliche Impressionen von mir gibt es hier: Fallout 76 - Der erste Tag zwischen Wasser kochen und Dämonen am Himmel. Erwartet unseren finalen Test in Bälde.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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