Overkill's The Walking Dead ist nicht das Zombie-Spiel, auf das ihr gewartet habt

Träge, generisch, zermürbend - aber seht selbst ...

Ich hätte damit leben können, dass Overkill's The Walking Dead nicht eine originelle Idee mitbringt. Aber damit, dass es sich auf eine schlechte Art so träge anfühlt - damit werde ich mich nie anfreunden. Wie konnte das nach Payday 2 passieren? Fühlte sich das nicht flink und seine Waffen sich nicht biestig und gefährlich an? Ist ja 'ne Weile her, trügt mich meine Erinnerung?

Overkill's The Walking Dead ist die schwedische Version von Left 4 Dead, nimmt Valves breit angelegte Stadt- und Landstriche mit ihren diversen Routen und gelegentlichen architektonischen Blockern, die es unter Gefahr für Leib und Leben zu beseitigen gilt, und lässt gleich noch die an die Zielerfüllung angehängte Evakuierung dran, wenn sie schon mal dabei sind. Diese Rahmenbedingungen verpackt sie in ein Loot-verliebtes Stealth-Spiel, in dem ihr Waffen-Mods für einen der vier Charakterarchetypen sammelt, das selten alle vier Koop-Partner mitspielen wollen.

Eine Lautstärkeanzeige am oberen Rand wächst an, wann immer man Krach macht und einige Klimperfallen ehemaliger Bewohner oder törichte Versuche, ein geparktes Auto zu looten - Alarmanlage! -, tun ihr Bestes, um sie zu füllen. So schwanken dann immer mehr Zombies aus den unwahrscheinlichsten und sicher geglaubten Richtungen auf euch zu. Wie in der TV-Sendung, wenn mal wieder ein Hauptcharakter tief im Hinterteil von Nirgendwo plötzlich über drei Untote stolpert, die er erst dann hört, wenn sie um den nächsten Baum herumlunzen.

Nicht, dass die Benutzung der Fernwaffen jetzt schlecht wäre, aber wirklich gut kommen das Trefferfeedback und das Handling allgemein nicht rüber. In einem Spiel, in dem meine Armbrust-Pfeile und Pistolenmunition so oder so knapp sind, will ich aber ohnehin natürlich am liebsten immer den Eispickel benutzen. Aber der Nahkampf in OTWD ist so furchtbar unpräzise, lahm und in Sachen Distanzmanagement schwer abzuschätzen, dass es mir noch nach Stunden passiert, dass ich regelmäßig von Zombies gegriffen werde - und dabei wie immer automatisch die Hälfte meiner Lebensenergie verliere. Das Zupacken der Zombies ist übrigens eine vorgefertigte Animation, die, einmal gestartet, so gut wie gar nicht unterbrochen werden kann. Ganz egal, wie nah die Spitze meiner Hacke auf dem Weg ihres voll aufgeladenen Schlages schon an der Schläfe des Untoten war, der mein Lieblingsgesicht jetzt um sein Filetstücke erleichtert.

4
Die Zombies sehen ganz gut aus, wiederholen sich aber häufig.

Ansonsten ist es das übliche Run-basierte Auswendiglernen und Wiederholen, das nur funktioniert, wenn ein Spiel mechanisch-motorisch wirklich Spaß macht. Ich denke da an Destiny oder - ja - die lootbefreite Vorlage des Half-Life-Verlags, die einen immer wieder überraschte. Der Wettlauf mit den Infizierten am Rande des Überlebbaren war jedes Mal aufs Neue unfassbar spannend. Ich habe, rein vom Rumlaufen und Zombieschlachten her, in OTWD einfach nicht genug Spaß, um mich mit den Skill-Trees oder den Upgrades für die Heimatbasis auseinanderzusetzen. Wenn der Kern nicht funktioniert, sind all die Mechanismen, die mich dazu verleiten sollen, mich länger in dieser Welt aufzuhalten, einfach für die Katz.

Und somit belasse ich es bei dieser kurzen Warnung hier: Es ist diesem kurzen ersten Eindruck nach kein schreckliches Spiel, nur eines wie so viele andere, das die wichtigsten Sachen einfach nicht besonders gut auf die Kette bekommt (hatte ich erwähnt, dass es offenbar kein Push-to-talk gibt?). Sofern die Community auf Reddit oder sonstwo nicht noch erfolgreich umfassende Überarbeitungen am Handling einfordert, bleiben selbst Fans des Comics oder der in einem ununterbrochenen, ziellosen Trauermarsch begriffenen Fernsehserie Overkill's The Walking Dead möglichst fern. Aber hey: Wenigstens gibt es im Gegensatz zu Payday 2 keine Mikrotransaktionen!

Entwickler/Publisher: Overkill/Starbreeze - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One (Konsole: 8.2.2019)- Preis: 50 Euro (PC), 60 Euro (Konsole) - Erscheint am: erhältlich (Konsole 8.2.2019) - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Angespielt auf: PC

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2018 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (5)

Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (5)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading