Sunset Overdrive (PC) - Mehr Mut zur Farbe!

Gebt ihm eine Chance!

Es ist jetzt vier Jahre hier, dass ich mir meine Xbox One gekauft habe, damals im Bundle mit einem Spiel namens Sunset Overdrive. Das erschien für Microsofts Konsole exklusiv und ich kann heute nicht mehr sagen, wie viele Stunden ich hineingebuttert habe. Nicht vergessen habe ich aber, wie viel Spaß es mir gemacht hat. Ein wenig traurig war ich dann aber doch darüber, dass das Spiel zwar ein Presse-Liebling war, bei den Spielern selbst jedoch nicht so gut anzukommen schien. Das mag an der damals geringen Verbreitung der Xbox One selbst gelegen haben, vielleicht aber auch an der Tatsache, dass sich das knallbunte Spiel selbst nicht so recht ernst nimmt? Ich weiß es nicht. Jetzt jedenfalls gibt es Sunset Overdrive auch für den PC. Für rund 20 Euro. Und ich finde, ihr solltet die ausgeben.

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Aus der Luft auf etwas schießen: Das macht ihr bei Sunset Overdrive nicht gerade selten.

Sunset Overdrive spielt in einer amerikanischen Stadt, in der gerade erstmals ein neuer Energy Drink vorgestellt wurde. Weil solche Getränke wie wir alle wissen aber aus Industrieabfällen und radioaktiven Mardern bestehen, haben sich dessen Konsumenten recht schnell in aufgeblähte Zombies verwandelt, die das Gros der Stadt ausradiert haben. Zurück bleibt eine kleine Widerstandsgruppe, zu der glücklicherweise auch ihr gehört. Was also tun? Naja, klar: Zombies töten. Das macht ihr teils mit abgedrehten Waffen wie Schallplattenwerfern und explodierenden Teddybären, vor allem macht ihr es aber, während ihr euch in Bewegung befindet. Auf Geländern, Stromleitungen und irgendwelchen Kanten könnt ihr standardmäßig per Knopfdruck grinden wie es Tony Hawk mit seinem Board nicht besser könnte und wenn ihr auf diese Art und Weise mal nicht dort hinkommt, wo ihr wollt, springt ihr einfach nach unten und prallt dann von jedem Auto ab wie von einem Trampolin.

Der Boden ist Lava! Merkt euch das, denn auf dem Boden haben die Energydrink-Zombies am ehesten Zugriff auf euch. Merkt euch das aber auch deshalb, weil ihr weiter oben immer mehr Spaß mit dem Spiel haben werdet, denn es sieht immer noch fantastisch aus. Je höher ihr kommt, desto mehr seht ihr logischerweise von einer äußerst farbenfrohen Stadt. Die Entwickler haben dabei nicht immer viel Wert auf Realismus gelegt, aber zumindest mir war das gerade egal. Neonfarben machen sich auch bei Stromleitungen absolut nicht schlecht, das habe ich bei Sunset Overdrive gelernt.

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Ihr seid der Held der Energy-Drinks!

Im Jahr 2014 war Sunset Overdrive unter den seinerzeit erschienenen AAA-Spielen wohl eher ein Exot. Das eher grau-explosionsfarbene Titanfall gab sich die Hand mit dem eher bräunlichen Mordors Schatten. Selbst Far Cry 4 war nun nicht allzu bunt. Eher grün und weiß - Pflanzen mit Schnee. Sunset Overdrive hat es gewagt, diese zurückgenommene Farbpalette ein bisschen aufzubrechen und das hat möglicherweise jenen, die sich noch zwei Jahre zuvor über das angeblich zu bunte Diablo 3 beschwert haben, nicht gefallen. Dabei sind Spiele doch gerade super darin, uns etwas zu zeigen, das gerade nicht realistisch ist. Wenn ihr einen farbarmen Wald sein wollt, geht doch nach draußen. Sunset Overdrive wollte eben mehr.

Und das funktioniert. Die Architektur von Sunset Overdrive ist nur darauf ausgelegt, euch von Kante zu Kante zu werfen, von dort aus dann die Zeit ein kleines bisschen zu entschleunigen und dann ihre Köpfe platzen zu lassen. Das macht wirklich wahnsinnigen Spaß, zumindest nach einer kurzen Lernphase. Anfangs kann es auch noch passieren, dass ihr neben die Rails springt, nach etwa einer halben Stunde habt ihr aber verinnerlicht wie Sunset Overdrive funktioniert und fühlt euch wie jemand, der sein Leben nichts anderes gemacht hat als zu skaten. Nach den ersten paar Tutorial-Missionen wird die Welt frei begehbar, sowohl Haupt- als auch Nebenquests sind abwechslungsreich. Das Spielgefühl von Titeln wie Mirror's Edge oder Jet Set Radio mischt sich plötzlich mit dem eines GTA oder Assassin's Creed.

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Schnell, Schneller, Sunset Overdrive!

Grandios fühlt sich die Tatsache an, dass Kämpfe in Sunset Overdrive nicht in festen Arenen stattfinden, ganz im Gegenteil. Das Action-Adventure verlangt von euch praktisch, dass ihr aus den Kämpfen am Boden herausspringt und die Gegnerhorden aus der Luft beharkt, dass ihr um die Richtung zu wechseln höchstens mal ein Autodach als Trampolin benutzt, aber praktisch nie will das Spiel von euch, dass ihr in den Nahkampf geht. Noch mehr, Sunset Overdrive gibt euch sogar Boni und zusätzliche Fähigkeiten im Kampf, je mehr ihr von Autodächern abspringt und auf Stromleitungen gleitet. Selten hat sich dieser spielerische Fluss befriedigender angefühlt als hier.

Ich möchte daher meinen Appell vom Anfang dieses Textes wiederholen. Bitte gebt Sunset Overdrive eine Chance. Es ist ein schönes, schnelles, buntes Spiel und es sieht nach einigen Jahren immer noch gut aus. Ihr mögt vielleicht keine Xbox One haben, einen PC haben viele aber sicher und ihr braucht auch wirklich keinen guten, damit das Ding bei euch läuft. Es ist für 20 Euro praktisch geschenkt und ihr könnt ein unbeschwertes, nettes Abenteuer in einer nicht überladenen offenen Welt genießen, die sich nicht ernster nimmt als sie es muss. Sunset Overdrive ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Macht was dagegen!

Entwickler/Publisher: Insomniac Games, Blind Squirrel Games/Microsoft Studios - Erscheint für: Xbox One, PC - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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