Lootboxen am Ende? Höchste amerikanische Verbraucherschutzbehörde schaltet sich ein

Auch in Australien regt sich wieder was.

Im Grunde muss man EA heute noch dankbar sein, dass sie mit den gierigen Lootboxen von Star Wars Battlefront 2 vor etwas über einem Jahr diese gewaltige Diskussion um raffhalsige Mikrotransaktionen lostraten. Mehr und mehr wurde in dem Aufruhr auch die Politik auf die Spielspaß-verleidende neue Geschäftspraxis aufmerksam, zunächst in kleineren Ländern wie Belgien, was die weltweit operierenden Unternehmen noch als Schuss vor den Bug abtun konnten.

Doch jetzt wird es richtig ernst, denn die Federal Trade Commision der USA, eine amerikanische Fusion aus Bundeskartellamt und -verbraucherschutzbehörde, will sich jetzt genau anschauen, ob Lootboxen Kinder beeinträchtigen könnten.

FTC-Vorsitzender Joseph Simons kam gestern dem Gesuch der demokratischen Senatorin Maggie Hassan aus New Hampshire nach, die umstrittenen Mikrotransaktionen einer Prüfung zu unterziehen (gesehen bei Polygon). Im Rahmen der Anhörung sagte Hassan, Lootboxen seien in der Videospielbranche allgegenwärtig, von Smartphone-Casual-Spielen bis hin zu den neuesten hoch-budgetierten Veröffentlichungen". Bis zum Jahr 2022 dürften sie den Zahlen der Senatorin nach eine 50 Milliarden US-Dollar-Industrie repräsentieren.

Der Staat Washington hatte im September zwar - gemeinsam mit 15 europäischen Regulierungsbehörden - ebenfalls eine internationale Erklärung unterzeichnet, sich der Risiken durch Lootboxen anzunehmen, doch dies scheint das erste Mal zu sein, dass jemand auf bundesstaatlicher Ebene einen Blick auf die Praxis wirft.

Die FTC ist eine unabhängige Behörde der US-Regierung und kümmert sich um den Verbraucherschutz- und Wettbewerbsfragen. Es klingt, als solle die Untersuchung herausfinden, welche Risiken von Lootboxen ausgehen und Eltern über mögliche Suchtpotenziale und andere negative Auswirkungen aufklären". Die Ergebnisse der Untersuchungen wird die Behörde dem Kongress vorlegen. Bis wir wieder etwas hiervon hören, dürfte also etwas Zeit ins Land gehen. Zeit, in der die Videospielhersteller sich wohl einige Gedanken machen dürften, wie ihre sekundären Monetarisierungsmodelle nächstes Jahr wohl aussehen werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Hassan besorgt zu dem Thema äußert. Sie schrieb dieses Jahr bereits auf die amerikanische Einstufungsbehörde ESRB, mit der Bitte, ihren Einstufungsprozess im Hinblick auf Lootboxen anzupassen. Die ESRB kam dem nach und will Spiele mit derartigen Mechanismen künftig kennzeichnen.

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Die Nerven waren vorher schon angespannt, aber das hier war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Und das ist nicht die einzige Regung im englischsprachigen Raum: Der australische Senat wurde ebenfalls hellhörig.

Der Senat in Down Under sich die Lootboxen schon eine Weile an und empfiehlt genauere Nachforschungen. Das vorläufige Fazit der Untersuchung: Dass es noch zu früh für spezifische Maßnahmen sei. Aber man brauche noch mehr Klarheit von den zuständigen Behörden der Regierung was die Gesetzeslücken angehe, die hier möglicherweise ausgenutzt werden. Der Bericht empfiehlt, die Sache dem Department of Communications and the Arts der australischen Regierung und einigen Prüfbehörden zu überantworten.

Gut, Autralien interessierte die großen Videospielkonzerne noch nie so richtig, aber der Vorstoß der FTC dürfte jetzt Bewegung in die Sache bringen. Der eine oder andere mag jetzt einwenden, dass von einem Land, das Betsy DeVos als Bildungsministerin das geistige Wohl der gesamten amerikanischen Jugend überantwortet, in Sachen Schutz der Schwachen nicht viel zu erwarten ist, aber wir werden sehen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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