Ich habe irgendwie damit gerechnet, dass es passieren könnte, aber nicht in derartigem Ausmaß. Ich mochte Surviving Mars, als es erschien, aber dass es mich noch einmal 15 Stunden an den Bildschirm fesseln würde, nur weil ein neuer und gar nicht mal so umfangreicher DLC erscheint - wirklich, da hätte ich mir mehr Selbstkontrolle zugetraut. Nun, ich hatte sie nicht. Und das liegt noch nicht einmal am eigentlichen Alleinstellungsmerkmal der Erweiterung, der Tatsache nämlich, dass es im Spiel nun auch KI-Gegner gibt. Es liegt eher daran, dass das Spiel seit dem ersten Kennenlernen ganz allgemein unterhaltsamer geworden ist.

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Das Diplomatie-Menü ist neu bei Surviving Mars.

Wer nicht weiß, worum es in Surviving Mars geht: Es handelt sich hier nicht, wie der Name vermuten lassen könnte, um einen Survival-Titel, sondern um ein Aufbauspiel. Ihr gründet eine Kolonie auf dem roten Planeten, die anfangs nur von Robotern hochgezogen, kurze Zeit später aber von echten Menschen bewohnt wird, die unter riesigen Kuppeln leben. Je nachdem, welchen Sponsor ihr euch für eure Reise aussucht, habt ihr unterschiedliche Vor- und Nachteile, im Verlauf des Spiels könnt ihr außerdem neue Technologien entdecken und müsst euch gegen typische Naturkatastrophen des Mars erwehren, etwa Meteoriteneinschläge oder Staubstürme. Das alles läuft komplett friedlich ab - weshalb es mich umso mehr überrascht hat, dass Entwickler Haemimont Games jetzt auf konkurrierende Marskolonisten setzt.

Spannend klingt das, plötzlich auf dem Mars auf andere Kolonien zu treffen. Was würde passieren, wenn ich mein Sauerstoff-, Wasser- und Stromnetzwerk mit ihrem verbinde, was, wenn unsere Bewohner aufeinandertreffen, habe ich mich gefragt. Die Antwort ist dann doch ernüchternd: nichts nämlich. Ihr trefft auf die konkurrierenden Fraktionen nämlich nicht wirklich, ihr bekommt sie nur in einem zusätzlichen, abstrakten Bildschirm angezeigt. Dort könnt ihr zwar Handelsabkommen abschließen, eure Gegner ausspionieren oder sogar deren Siedler abwerben. Wirklich aktiv macht ihr das aber nicht, alles spielt sich in Menüs ab. Da wäre deutlich mehr drin gewesen.

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Eine etwas umfangreichere Mars-Kolonie sieht mit dem Space-Race-DLC nach wie vor irgendwie beeindruckend aus.

Haemimont Games hat aber noch mehr getan, um euch das Spiel wein wenig zu versüßen. Im Vergleich zur Standardversion des Spiels stehen inzwischen mehr Gebäude zur Verfügung, unter anderem neue Versionen der Kuppeln, unter denen die menschlichen Marsbewohner leben. Zudem gibt es neue Story-Ereignisse: Ich bekam es während meiner Marsmission etwa mit einer KI zu tun, die mehr und mehr Bewusstsein erlangte und von mir verlangt hat, dass ich ihr dabei helfe, sie zu entwickeln. Gruslig! Aber solche Details sind bestens geeignet dazu, euch noch stärker an das Spiel zu binden. Ihr wollt schließlich wissen, was diese irre KI als nächstes sagt, welche Belohnung sie für euch hat, wenn ihr noch einen Netzwerkturm auf eine eurer Kuppeln setzt. Und überhaupt, gerade fehlen ein paar Rohstoffe, die in Sekunden per Rakete von der Erde ankommen. Es ist immer ein großes Hallo, wenn sich die Drohnen auf diese sehnlichst erwarteten Kisten stürzen und ihr wollt schon noch sehen, welche Wirkung es hat, wenn sie überall verteilt werden, wo sie hingehören?

Ihr kennt das Nur-noch-eine-Runde-Phänomen von Civilization. Nun läuft Surviving Mars in Echtzeit, Runden gibt es nicht und umso schwerer fällt es, vom Spiel abzulassen. Dabei spielt jetzt durchaus auch der eher ernüchternde DLC eine Rolle. Der Grund sind globale Forschungsaufgaben. Wenn irgendwo auf dem Mars etwas Rätselhaftes erscheint, wird sich einer eurer maximal drei Konkurrenten bemühen, dort eine Rakete hinzuschicken. Ihr macht dann das Gleiche, allerdings muss das Ding nicht nur vollgetankt sein, es braucht eine Mannschaft. Soll beispielsweise eine Anomalie im Marsgestein untersucht werden, braucht ihr Geologen. Das wiederum führt dazu, dass ihr rechtzeitig darauf achtet, an euren Bildungseinrichtungen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen auszubilden - eure Spezialisten gewinnen also an Relevanz. Gleichzeitig verändert der DLC das Spiel, weil ihr nun nicht mehr so stark vom Nachschub von der Erde abhängig seid. Fehlt euch ein bestimmter Rohstoff und habt ihr von einem zu viel, könnt ihr auch einfach mit anderen Mars-Kolonien handeln. Als Handelsware dient durchaus auch die einfach zu bekommende Nahrung, die ihr dann beispielsweise gegen wertvolle Elektronikbauteile tauschen könnt. Für Essen macht der Hungrige schließlich alles.

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Unter dieser Kuppel sollten bald mal ein paar Bewohner einziehen.

Und so ist Space Race letztlich doch ein bisschen mehr als es auf den ersten Blick scheint. Der DLC verändert die Mechaniken relativ subtil, indem er euch animiert, so zu handeln, wie ihr es im Grundspiel bislang eher nicht getan hättet. Vielleicht war es das, was mich wieder an das Spiel gebunden hat, bis es draußen fast wieder hell geworden ist. Vielleicht waren es aber auch die ohnehin schon attraktiven Grundmechaniken. Es gibt immer etwas, das ihr noch sehen wollt: die nächste Rakete, die landet, ein Forschungsdurchbruch oder einfach eine neue Kuppel, die endlich fertig wird. Ich kann jedenfalls meine Finger nicht mehr von diesem Spiel lassen. Erst recht nicht mehr nach diesem neuen DLC.

Entwickler/Publisher: Haemimont Games/Paradox Interactive - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: 12,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Gespielte Version: PC - Sprache: deutsche Texte, englische Sprachausgabe - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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