Unter den Rundentaktikspielen ist Jagged Alliance so etwas wie der heilige Gral für einen Haufen begeisterter Fans. Sie spielen es bis heute noch, zusammen mit dem ebenfalls äußerst beliebten zweiten Teil. Seither haben sie jedoch Durst, denn einen würdigen Nachfolger hat es bis heute nicht gegeben. Relativ unerwartet erscheint mit Jagged Alliance: Rage! jetzt zumindest ein Ableger für PC und Konsole. Der behält zwar die grundlegende rundenbasierte Spielmechanik, zeigt sich ansonsten aber doch als stark reduzierte Variante des großen Vorbilds, die noch dazu mit einigen gestalterischen Defiziten zu kämpfen hat.

1
Gegner per Faustschlag auszuschalten ist oft die beste Idee.

Zum perfekten Rundentaktikkampf gehört eigentlich nicht viel mehr als das bewährte Rezept der jüngsten XCOM-Spiele. Dass die so gut funktionieren, liegt unter anderem an ihrem gut lesbaren Terrain. Genau das vernachlässigt Jagged Alliance aber immens. Ihr spielt meistens im Dschungel und gerade da heben sich Gegner nicht besonders gut von der Umgebung ab, ebenso wenig wie wertvolle Kisten. Sobald die Karte irgendwelche Höhenunterschiede darstellen soll, ist nicht mehr klar erkennbar, was oben und was unten ist, tote Winkel sind kaum abzuschätzen. Und aus irgendeinem Grund will sich Jagged Alliance: Rage! scheinbar auch besonders schwerfällig spielen, sodass ihr jede eigentlich schon gut geplante Aktion noch einmal durch einen Klick auf den Los!-Button endgültig auslösen müsst.

2
Eigentlich solltet ihr Opfer von Menschenexperimenten werden, aber jetzt heißt es: Rage! (Ja, die Entwickler gehen nicht spärlich mit Klischees um.)

Von solchen handwerklichen Mängeln mal abgesehen, ist aber auch der Fokus des Spin-off deutlich geringer als der der ursprünglichen Spiele. Konntet ihr da noch aus einer Unzahl verschiedener Soldaten mit unterschiedlichen Fähigkeiten diverse Squads bilden, könnt ihr nun zu Beginn aus einem Pool von insgesamt sechs Kämpfern genau zwei auswählen. Die haben ihre Stärken und Schwächen, ganz wie im Original, aber es sind eben nur zwei und das ist für ein Spiel dieser Art dann doch relativ wenig. Im weiteren Spielverlauf werden es zwar noch vier, aber das ist eben immer noch nicht viel. Das viel größere Problem ist aber nicht dieser eingedampfte Umfang, es ist die Tatsache, dass sich Jagged Alliance: Rage! grundlegend nicht mehr wie das Taktikspiel anfühlt, das es einmal war. Stattdessen spielt es sich jetzt wie ein rundenbasierter Stealth-Titel. Immer wenn ihr von einem Gegner entdeckt werdet, werdet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit auch überrannt. Dann könnt ihr zwar noch versuchen, zum Levelausgang zu spurten, das klappt aber nicht allzu oft. Deshalb gibt es taktischen Kampf wirklich eher in Ausnahmesituationen. Ist das nicht blöd für ein Spiel, das traditionell um den taktischen Kampf herum gebaut ist?

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Auf dieser Übersichtskarte lauft ihr von einem Schauplatz zum nächsten.

Zwischen den einzelnen Gefechten gibt es auch noch eine Weltkarte. Dort bewegt ihr euch Schrittweise von Schauplatz zu Schauplatz über die tropische Insel, wobei ihr neue Story-Fetzen freischaltet und eure Söldner versorgt. Das ist wichtig, denn die können dehydrieren. Solche Survival-Aspekte sind grundsätzlich nichts Schlechtes, hier allerdings zwingen sie euch, die ohnehin schwer einsehbaren Level auch noch abzusuchen, schließlich könnte irgendwo eine Flasche Mineralwasser herumstehen. Besagte Übersichtskarte ist im Übrigen nicht vergleichbar mit dem Meta-Gameplay, das beispielsweise ein XCOM bietet. Sie dient eher dazu, verschiedene Schauplätze zu verknüpfen und euch zwischendurch noch ein bisschen zu unterhalten, mehr nicht.

Die Entwickler versuchen übrigens durchaus, an die Geschichte der Originale anzuknüpfen. Eure Söldner sind bereits aus den ersten zwei Spielen bekannt, jetzt werden sie in einer Forschungsanlage als Versuchskaninchen für irgendwelche Drogen missbraucht und müssen versuchen, zu entkommen. Jede Figur hat erneut individuelle Stärken und Schwächen. Ivan ist der Alkoholiker, Helmut der desillusionierte, stets genervte Deutsche. Ihr wisst Bescheid.

4
In Jagged Alliance: Rage! habt ihr nur insgesamt sechs verschiedene Söldner zur Auswahl.

Klar, auch in Jagged Alliance: Rage! gilt, was John "Hannibal" Smith beim A-Team stets betonte: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert." Solltet ihr also wirklich von langer Hand eine heimliche und vielleicht gleichzeitige Attacke auf verschiedene Gegner geplant haben und klappt das dann vielleicht sogar beim ersten Versuch, erzeugt das ein gewisses Triumphgefühl. Selbiges kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das auf der letzten Konsolengeneration schon besser ging. Entschuldigt bitte den dauernden Vergleich, aber es gibt wirklich keinen guten Grund, Jagged Alliance: Rage! zu spielen, wenn ihr nicht die beiden XCOMs schon durchgespielt habt.

Mir ist klar, dass das hier ein Spin-off ist, das nicht den Anspruch einer echten Fortsetzung verfolgt. Jagged Alliance: Rage! ist aber eine unnötig umständliche, schwer zugängliche Interpretation des Rundentaktik-Genres, die zwar gelegentlich den Flair ihrer Vorgänger versprüht, aber nicht ansatzweise an deren taktische Tiefe herankommt. Stattdessen ist die Spielumgebung schwer lesbar und Kämpfen geht man besser ganz aus dem Weg. Fans dürfen also weiter darben, während sie um die Weihnachtsfeiertage ein weiteres Mal ihre Hand um die Maus legen, um die Originale zu genießen.

Entwickler/Publisher: Cliffhanger Productions/HandyGames - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: etwa 20 Euro (PC), etwa 30 Euro (Konsole) - Erscheint am: 6. Dezember 2018 - Gespielte Version: PC - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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