"Der Kampf eines Menschen kann überwältigend und ein großer Motivator sein - und ihn gleichzeitig ins Verderben führen", sagt Alex Preston, Schöpfer des Indie-Titels Hyper Light Drifter. Damit meint er nicht allein die Entwicklung des Spiels. Seit langer Zeit arbeitete er als Illustrator und Designer, die Entwicklung von Spielen zählt seit seiner Jugend zu seinen Leidenschaften. Vor Hyper Light Drifter hatte er nie den Mut und die Unterstützung, ein Spiel zu veröffentlichen.

Gleichzeitig ist das Spiel, das er als surreales Neon-Hack-and-Slash voller Geheimnisse und Furcht bezeichnet, für Preston eine enorm persönliche Angelegenheit. "Der Kampf gegen ein unbarmherziges und einschränkendes Herzleiden war der Hauptimpuls, der zur Erschaffung des Spiels führte", erzählt er im Gespräch mit Eurogamer.de. "Diesen Kampf lebte ich und mein Ziel war, ihn in diesem Medium durch die Geschichte, die Welt und den Charakter zu erzählen."

Die Entwicklung des Spiels war für ihn eine persönliche Herausforderung. Und das in mehrerer Hinsicht. "Es war vorteilhaft, weil es mir half, schwierige Zeiten zu überwinden", sagt er. "Es gab mir was, worauf ich mich konzentrierte. Gleichzeitig verschwamm meine Trennung zwischen Arbeitsleben und Freizeit stark. Ich trieb mich dazu an und bürdete mir so viel auf, wie ich konnte. Bisweilen forderte das seinen Tribut in Bezug auf Beziehungen und mein geistiges Wohlbefinden. Ich habe viel von mir in dieses Projekt gesteckt."

Eine Mühe, die sich am Ende auszahlte. Das Spiel erhielt gute Bewertungen von Kritikern und Spielern. Es war ein Erfolg, machte die Entwickler "ekstatisch" und gibt ihnen die Möglichkeit, andere Projekte zu entwickeln. "In einem komplexen und gesättigten Markt wie der Spielebranche ist das eine große Sache und passiert immer seltener."

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Hyper Light Drifter erzählt eine Geschichte mit persönlichem Touch.

Während der Entwicklung habe es zu viele Herausforderungen gegeben, um sie alle aufzulisten. Woran er sich gut erinnere, sei die enorm schwierige Portierung auf andere Plattformen. Das liege an den Einschränkungen der Engine und dem Zeitdruck, sie in einem vernünftigen Zeitrahmen zu veröffentlichen. Es galt, so viele verschiedene Dinge zu beachten und zu verwalten, um es auf die Konsolen zu bringen. "Wir machten ein paar Fehler", erwähnt er. "Das Einzige, was ich rückwirkend ändern würde, sind die Bugs. Wir trieben uns an und erschufen ein Spiel, das unsere ursprünglichen Hoffnungen übertraf. Wir sind sehr stolz darauf."

Herausfordernd war nicht allein die Entwicklung von Hyper Light Drifter. Für Preston ist es ein Wort, dass die Produktion sämtlicher Spiele gut beschreibt. "Spiele zu machen, ist eine Aufgabe für verrückte Leute wie mich", merkt er an. "Es erfordert so viel Zeit, Anstrengung und Gedanken auf so vielen verschiedenen Ebenen mit einer enormen Menge an Schritten und Überlegungen. Es ist auslaugend, brennt dich aus. Es fordert so viel von dir, auch wenn du mit Leib und Seele dabei bist. Auf der anderen Seite zeigst du eine Demo auf einer Veranstaltung oder veröffentlichst das Spiel und es kommt bei den Leuten gut an. Dann hast du das Gefühl, dass es das wert war und der Stress schmilzt dahin. Es ist ein hoher Arbeitsaufwand mit einer hohen Belohnung."

"Spiele zu machen, ist eine Aufgabe für verrückte Leute wie mich."

Alex Preston

Bis das finale Konzept für Hyper Light Drifter stand, vergingen Jahre. Eine Zeit, in der es sich ständig weiterentwickelte. "Spiele sind ein in höchstem Maße iterativer Prozess", sagt Preston. "Kleinere und größere Änderungen an jeder Front machten es immer besser." Ein wichtiger Aspekt des Konzepts war, die Geschichte des Spiels allein durch Bildsprache und die Musik zu erzählen. Letztere mit ihrem 80er Jahre Sci-Fi-Film-Vibe ist das Werk von Rich Vreeland (Disasterpeace). "Der Mann ist brillant", schwärmt er.

"Als wir uns in der Gruppe am ersten Tag nach der Kickstarter-Kampagne zusammensetzten, stimmten wir alle darin überein, dass es eines unserer wichtigsten kreativen Designziele ist", verrät er. "Wir liebten eine Vielzahl anderer Filme, Kurzfilme, Comics und Spiele, die diesen Ansatz des Geschichtenerzählens aufgriffen. Für uns war es eine starke und erstrebenswerte Methode. Und es war eine extreme Herausforderung!"

Was Preston begeistert, ist die Passion der Spieler, die jedes Detail mit Freude aufnehmen. "Die Leute widmen jedem Detail ihre Aufmerksamkeit", erzählt er. "Wenn du dir als Entwickler die Mühe machst, bemerken es die Spieler. Ab und an bedankt sich einer dafür. Und das ist herzerfrischend."

Gleichzeitig sind es die Spieler, die den Entwicklern mit ihrem Feedback helfen und sie darauf hinweisen, wenn in ihren Augen was nicht stimmt. Nach der Veröffentlichung nahm Heart Machine zum Beispiel Änderungen am Schwierigkeitsgrad vor, was die Community in zwei Gruppen aufspaltete. "Spieltests sind nie die Wunderlösung für alles", meint Preston. "Es braucht Zeit und Anstrengungen, damit es sich richtig anfühlt. Wenn du jahrelang an einem Spiel arbeitest und es spielst, es Leute von außerhalb testen lässt, bekommst du nie in dem Maße Feedback, wie es dir die Veröffentlichung eines Spiels beschert. Es war toll, all diese verschiedenen Reaktionen zu sehen. Am Ende hatten wir nach vielen internen Gesprächen eine bessere Lösung dafür."

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Das Spiel vermittelt euch seine Geschichte durch Bilder und Musik.

Ursprünglich war das Spiel unter anderem für die Wii U geplant, das Licht der Welt erblickte diese Version nie. Um die Portierung für die Switch kümmerten sich danach die Abylight Studios. Für Preston war es somit nicht nötig, sich täglich damit zu befassen. Er beschreibt es als "ausgedehnten Prozess", da jede neue Plattform ein großes Maß an Aufmerksamkeit erfordere. Das Team sei glücklich damit, dass es ihnen gut gelang. "Es ist ein Traum, auf all diesen fantastischen Plattformen zu sein, auf denen ich seit Jahren spiele", sagt er.

Nach Hyper Light Drifter beschäftigt sich Heart Machine derzeit mit "Spiel 2", wie Preston es nennt. "Wir kündigen es an, wenn wir dazu bereit sind", merkt er an. "Ich weiß noch nicht, wann das der Fall ist!"

Bis dahin sind wir gespannt darauf, was Preston und sein Team nach dem gelungenen Erstlingswerk als nächstes aus dem Hut zaubern. Mehr zum Spiel lest ihr in Alex' damaligem Test zu Hyper Light Drifter. Erhältlich ist es seit 2016 für den PC, PlayStation 4 und die Xbox One - die Switch-Version erschien in diesem Jahr.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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