Am heutigen Freitag kommt PUBG endlich auch auf der PlayStation 4 und damit der am weitesten verbreiteten Konsole heraus. Zeit wird's, mag man da meinen, während man die Daumen drückt, dass die Performance diesmal besser ausfällt als auf der XBox (hierzu mehr, sobald wie es auf der Sony-Konsole spielen konnten). Schließlich sprießen links wie rechts Spiele aus dem Boden, denen man genau ansieht, welcher Titel die Freizeit und die "berufliche Recherche" ihrer Entwickler die letzten eineinhalb Jahre hindurch dominierte. Der Zugzwang für PUBG Corp. hält sich gefühlt trotzdem in Grenzen, denn das Spiel ist und bleibt sein eigenes Biest.

Wo andere Games händeringend zumindest ein wenig kreative Distanz zum Vorbild suchen, indem sie gewisse Elemente verändern oder den etablierten Regularien mit wechselndem Erfolg einen eigenen Twist verpassen wollen, bleibt PUBG dem seit Launch eingeschlagenen Kurs treu und steuert damit fernab der Fahrwasserplanscher weiter auf eine Insel zu, die nur ihm allein gehört: Das hier ist Battle Royale für Taktik-Shooter-Fans. Unvergebend und hartherzig wie kein anderes, schmeckt ein Hühnchen-Dinner nirgends süß-saurer als hier.

Das hier ist nicht das schnellste Spiel dieser Sorte, nicht das knalligste oder intuitivste, aber das will es auch gar nicht sein. Sperrig und komplex sind seine Mittel, es verteilt keine Geschenke, man muss sie sich nehmen und wenn man dann zugreift und der Abschuss mit nur einer Kugel aus 250 Metern Entfernung gelingt, bevor der Gegner überhaupt wusste, dass man da war, fühlt man sich unbesiegbar. Bis dann wieder jemand schlauer, listiger oder mit dickerem Sitzfleisch ausgestattet war als ihr.

Während Battle Royale als Bewegung gerade immer schneller, hübscher und inklusiver werden möchte, bleibt PUBG der unter Militärrationen der alten Simulationsschule gertenschlank und drahtig gediehene Taktikfuchs, der sich um Befindlichkeiten und Komfort wenig schert und dem man gerade deshalb gefallen möchte. So kann man sich seine Spieler auch aussuchen - und geht mit ihnen einen besonderen Deal ein: "Es ist besser, wenn du dir selbst hilfst, als wenn ich das tue", scheint das Spiel zu sagen.

Jedes Mal, wenn man aus der Distanz für das einfache, dafür aber eingängige und authentisch wirkende ballistische Waffenmodell genau richtig kompensiert, um jemanden im vollen Lauf zu treffen; wenn man mal wieder jemanden aus einer neuen Position erwischt, während er noch auf die alte zielt und wartet, dass ihr euren Kopf aus der Deckung reckt, weiß man, PUBG hatte Recht, euch das selbst ausfuchsen zu lassen.

Und dann ist da das allgemeine Gefühl eines Spiels, das weiß, dass einige Spieler das Tempo lieber selbst vorgeben. Das Pendel schwingt ausladender zwischen den Polen "Krawall von dem Moment an, in dem die Stiefel den Boden berühren" bis hin zu "erst mal in Ruhe looten" hin und her als in irgendeinem anderen Spiel des Genres, was vor allem Gamern zu Gute kommt, die eher passiv spielen und opportunistisch zuschlagen, anstatt ihr Glück im Irrsinn eines fairen Kampfes zu suchen. Ruhephasen und Spannungsmomente kontrastieren daher potenziell drastischer und gerade das ist es, was jede Runde irgendwie anders wirken lässt.

Die neue Schnee-Map Vikendi ist sechs mal sechs Kilometer groß und liegt damit zwischen Sanhok (4x4) und Erangel oder Miramar (8x8).

Die Beschwerlichkeit und die Gewissheit, sich beim Herumfummeln im Inventar oder mit Waffenaufsätzen besonders aufdringlich für einen Abschuss anzubieten, spürt man nirgends deutlicher als hier. Risiko-Ertrag-Berechnungen sind dadurch stärker im steten Tauziehen mit dem Drang, vielleicht doch noch den einen Aufsatz zu finden, mit dem das Loadout optimal wäre, als anderswo, wo es um schnellere Gratifikation geht. Auf seinen gewaltigen Karten wirkt der Kreis, der die Spieler zusammentreiben soll, wechselweise schlicht grausam oder als hielte jemand seine schützende Hand über euch. Peitsche und Zuckerbrot in einem Feature vereint, hier rotere Striemen ziehend und gleichzeitig leckerer als sonstwo.

Selten trafen zudem alte Kriegsweisheiten in einem Action-Titel besser zu als in Brendan Greens Trendsetter. Flankieren, Sound maskieren, Höhere Stellungen für sich beanspruchen, Positionswechsel nach Fehlschüssen und vor allem die Erkenntnis, wann man besser nicht den Abzug zieht - alles wichtiger als in so gut wie jedem anderen Shooter. Und überhaupt hat man immer wieder Hackworths Worte im Ohr: "Solltest du dich je in einem fairen Kampf wiederfinden, hast du deine Mission nicht richtig geplant."

Bei allem frei drehenden Wahnsinn, der sich auch oft genug entspinnt, wenn die Spieler im Match nur verzweifelt - oder größenwahnsinnig - genug sind, sind das die Stärken, die bislang noch keiner kopiert hat. Wohl nicht ohne Grund. Kann es also wirklich nur einen geben? Sicher nicht. Aber eines wie dieses sehen wir so schnell wahrscheinlich auch nicht wieder.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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