Bad North: Alles Böse kommt vom Meer

Simpel, aber nicht einfach.

Stellt euch vor, ihr lebt friedlich auf eurer Insel vor euch hin und erfreut euch an der wundervollen Zeit, die ihr dort verbringt. Eine Zeit, die jäh zu Ende zu sein scheint. Langsam und stetig nähern sich Boote vom Meer aus, im Hintergrund ertönen leise Trommeln, deren Rhythmus die Spannung steigen lässt. An Bord der Schiffe: Blutrünstige Wikinger, die das Land erobern und die Häuser auf dem Eiland abfackeln möchten. Ein Glück für die Inselbewohner, dass ihr euch ihnen mit euren Verteidigern in den Weg stellt.

Was nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Mit jeder Runde vertreiben euch die Wikinger ein Stück weiter von eurer ursprünglichen Heimatinsel. Da nützt es nichts, wenn ihr ein Eiland vorerst verteidigt, mit jeder Runde auf der Übersichtskarte rücken die Wikinger unaufhaltsam vor und drängen euch weiter zurück. Ihr flieht daher von Insel zu Insel und setzt euch dabei gegen die Verfolger zur Wehr. Das geschieht anfangs mit zwei Kommandeuren und ihrem jeweiligen Trupp.

Gelingt es dem Feind, einen davon auszumerzen, ist er dauerhaft verloren - Permadeath lässt grüßen und verrät euch, warum die Entwickler dieses Spiel als Echtzeittaktik-Roguelite bezeichnen. Euer Glück ist, dass ihr auf eurem Weg durch die prozedural generierte Kampagne vereinzelt auf einheimische Kommandeure stoßt, die sich euch anschließen und eure Gefolgschaft vergrößern. Anfangs sind das normale Schwertkämpfer. Schnell habt ihr die Wahl, sie auf Krieger mit Schild, Bogenschützen und Pikeniere zu spezialisieren.

Zu Anfang geht es noch ruhiger zur Sache.

Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Gewöhnliche Krieger sind gute Allrounder und haben die Möglichkeit, mit ihrem Schild die Pfeile von Bogenschützen abzuwehren. Letztere sind im Gegenzug anfällig für Nahkampfattacken, während die Pikeniere allein dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn sie stehen und sich nicht bewegen. Habt ihr eure Truppen versammelt, geht es darum, sie günstig an den Stränden der Inseln zu platzieren. All das geschieht in Echtzeit und während ihr Befehle erteilt, läuft die Zeit langsamer ab.

Gegnerische Schiffe nähern sich von allen Seiten, zu Anfang entsteht dabei kein Stress. Erst in späteren Missionen treffen die ab und an gleichzeitig ein und es ist nötig, eure Verteidiger aufzuteilen. Achtet darauf, dass eure Jungs keine Wasserfläche hinter sich haben. Die Schiffe legen mit Karacho an Land an und drängen an den Strand, schubsen eure Verteidiger mit ein wenig Pech in ein dahinter befindliches Gewässer, in dem sie ertrinken.

Das Ziel ist immer das Gleiche: Verteidigt die Insel, überlebt und schaut, dass die Wikinger keine der Häuser abfackeln. Die bringen euch im Gegenzug Gold, das ihr in die Verbesserung der Kommandeure steckt. Ihr kauft Upgrades für die Soldaten und spendiert ihnen besondere Fähigkeiten. Bogenschützen lassen dann zum Beispiel einen Pfeilhagel auf ein von euch bestimmtes Feld in ihrer Nähe niederprasseln. Ebenso findet ihr auf einzelnen Inseln Gegenstände, die eure Kommandeure ausrüsten. Ein Horn beschert euch sofortigen Nachschub für den jeweiligen Trupp und er ist nicht gezwungen, zur Aufstockung mehrere Sekunden lang in einem Haus zu verschwinden, was unter Umständen ein taktischer Nachteil ist.

Ihr solltet verhindern, dass die Wikinger eure Häuser in Brand setzen.

So hangelt ihr euch Runde für Runde von Eiland zu Eiland. Und es ist nicht zwingend nötig, dass ihr all eure Kommandeure auf eine Insel schickt. Pro Runde ist es im Rahmen des Möglichen, mehrere Inseln in Angriff zu nehmen, sofern ihr denn eure Truppen aufteilen möchtet - das liegt ganz bei euch. Das empfiehlt sich eher später, wenn sie stark genug sind und ihr ausreichend Kommandeure habt. Mit einem gewissen Risiko ist es immer verbunden, da ihr nie wisst, was euch erwartet.

In seiner Gesamtheit erschlägt euch Bad North nicht mit Komplexität. Es ist übersichtlich, annähernd simpel in seinem Aufbau und das minimalistische Interface steht euch nicht im Weg. Zu einfach ist es aber nicht. Es gilt, die eigenen Truppen gut zu koordinieren und zu schauen, welche Wikinger aus welcher Richtung kommen und wo ihr eure Leute platziert. Starke Wikingerkrieger sind in der Lage, ganze Trupps zu zweit auseinanderzunehmen. Klappt dieses Zusammenspiel eurer Kommandanten, habt ihr keine Probleme bei der Verteidigung. Kleinere Fehler haben ab und an fatale Auswirkungen in Form verlorener Anführer oder brennender Behausungen. Die Zugänglichkeit motiviert und sorgt für ein schnelles Vorankommen ohne großen Leerlauf. All eure Kämpfer - mit Ausnahme der Kommandanten - sind zwar namenlose Akteure, doch ihr fiebert bei jeder Landung der Wikinger mit. Genauso wie eure Kämpfer sich angespannt ein paar Schritte zurück bewegen, kurz bevor die feindlichen Schiffe an Land anlegen. Und ihr hört euch garantiert an einem bestimmten Punkt "nur noch eine Insel" sagen.

Entwickler/Publisher: Plausible Concept/Raw Fury - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: ca. 15 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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