So manches Mal wirkt es doch sehr bemüht, wenn niedliche Maskottchen unter Ausnutzung altbekannter Hüpfer-Elemente als Zugpferd einer neuen Spielemarke herhalten sollen. Die Guten - die, an die man sich auch Jahre später noch erinnert - hatten nicht nur Charme und gutes Aussehen, sie machten auch noch ein paar Dinge besonders gut und entschieden anders. ASTRO BOT Rescue Mission, das in diesem Jahr durchgängig beneidenswerte Höchstwertungen einfuhr, ist eines von den ganz besonders Guten.

Nicht zuletzt ist das darauf zurückzuführen, wie clever die Entwickler von Sony Japan unter der Leitung von Creative Director Nicolas Doucet die Möglichkeiten der Virtual-Reality-Brille PlayStation VR ausnutzten. Das Ergebnis ist eine Hochzeit aus klassischen Platformer-Elementen, mit denen jeder sofort warm wird, einer Menge wahrhaft Augen öffnender Virtual-Reality-Momente und einer maximal zugänglichen Selbstverständlichkeit, die es erlaubt, eins mit dieser Welt zu werden.

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Beginnen wir mit der Basis: Einem motivierenden und mit spielerischer Leichtigkeit Level für Level aufs Neue unterhaltsamen Jump-and-Run. 25 Spielabschnitte in fünf Welten gibt es, wobei der letzte Level einer Welt natürlich den Bossgegner beherbergt. Sehr klassisch, geradezu heimelig, kommt das Spiel trotzdem frisch und unverbraucht daher, weil sich die Aufgaben alle paar Meter neugestalten. ASTRO BOT Rescue Mission fordert unterdessen gerade genug, um kein Selbstläufer zu sein und erzeugt gleichzeitig einen Spielfluss, dem man sich gerne hingibt, weil man sehen möchte, welcher verrückte Einfall einen hinter der nächsten Ecke erwartet.

Mehr als einen Stick und zwei Tasten braucht es nicht, um dem herzigen Roboter springend und schlagend dabei zu helfen, die Level hinter sich zu bringen und - optional, aber sehr motivierend - in jedem davon acht seiner verlorengegangenen Freunde und ein verstecktes Chamäleon zu finden. Letztere schalten neue Herausforderungs-Level frei, die jeder für sich eine Menge Spaß bieten. Ob ihr nun mithilfe einer Seilwinde einen Hindernis-Parcours in einer vorgegebenen Zeit "überwindet" oder in einer Art Schießbude, die zurückschießt, möglichst viele Ziele ausschaltet, die Herausforderungen sind immer für eine Runde zwischendurch gut.

Was an und für sich schon ein exzellenter traditioneller Hüpfer wäre, gerät durch die Integration von PS VR aber zu einem wahren Feuerwerk der Spielfreude unter Einsatz all eurer Sinne. Die Entwickler nutzten die beiden zentralen Vorzüge von VR nämlich ausgezeichnet: Die authentische Wahrnehmung von Dimensionen - relative Größe, Maßstäbe und Entfernungen von Objekten und Charakteren zueinander - und das damit zusammenhängende Gefühl des Transports an einen anderen Ort.

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Wer VR schon einmal ausprobiert hat, kennt den Effekt der Spielwelt, die ringsum den Spieler herum stattfindet, anstatt dass man auf einen Fernseher und damit wie durch ein Fenster auf sie blickt. Der Effekt ist einfach umwerfend und ASTRO BOT zollt ihm schon auf dem Startbildschirm Tribut, wenn man sich, statt der Aufforderung unter dem Logo zu folgen, eine beliebige Taste zu drücken, einfach mal umdreht und hinter sich einen riesigen Planeten entdeckt, von dem man lange nicht wusste, dass er da war.

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Richtig um euch geschehen ist es aber erst, wenn ihr euch in die Level selbst begebt. Alles hat die richtige Größe, Sprünge über bodenlose Abgründe flößen Respekt ein, weil man wirkliche Höhenangst bekommt und fallen trotzdem leichter aus, weil ihr wegen des echten Virtual-Reality-3D Distanzen einfach besser abschätzen und so eure Sprünge besser dosieren könnt. Fahrt an Objekte und Figuren näher ran, um sie euch genauer anzuschauen und schaut euch gründlich um, um versteckte Goodies oder Gags zu entdecken. Wenn ein Doppeldecker-Flugzeug über euch hinwegdüst, gewaltige Roboterarme an euch vorbeigreifen und Riesenkrakententakel aus der Tiefe emporschießen, reagiert man darauf, als müsste man sich wirklich vor ihnen in Acht nehmen, sich ducken oder ihnen sonst wie entgehen. Wunderbar, vor allem in den Bosskämpfen, die so gekonnt den Endpunkt einer Welt markieren.

Gleich zum Start fällt auf, dass man hier wie von selbst ein paar Rollen mehr ausfüllt, als in einem konventionellen Spiel. Nicht nur verkörpert ihr Astro, den ihr ganz normal mit dem Controller steuert, ihr seid auch selbst im Spiel abgebildet, als mütterlicher (oder väterlicher) größerer Roboter, der auf einer schwebenden Plattform seinem Schützling nachfolgt. Sogar der Controller ist in der Spielwelt zu sehen, bewegt sich dank Tracking durch die PlayStation Kamera exakt so, wie ihr ihn haltet, und wird auf verschiedene Weisen als Werkzeug eingesetzt. Etwa, wenn ihr mit ihm Wasser verspritzt, um magische Blumen zu Plattformen heranwachsen zu lassen, Gegner zu bremsen oder ungesund aussehende Schlacke vom Boden wegzuspülen. Andernorts verschießt der virtuelle DualShock 4 durch ein Upgrade im Spiel eine Seilwinde, auf deren Strick der kleine Roboter entlang balancieren kann oder mit der ihr Wände einreißt - durch einen Ruck des Controllers!

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Auch euer Kopf muss hin und wieder herhalten, wenn ihr Hindernisse aus dem Weg stoßt, ihr Farbklecksern ausweicht, die in eure Richtung gespuckt werden und euch dann die Sicht verschleiern - oder euch das Spiel in einem genialen Slapstick-Moment beim Auftauchen aus dem Meer einen ganzen Salat aus lustig baumelndem Seetang wie eine Perücke aufsetzt. Nicht nur Astro ist also in dieser Welt unterwegs, sondern auch euer Kopf und eure Hände in Form des Controllers. So zieht das Spiel noch mehr in seinen Bann. Auch, weil man ja selbst den Kameramann gibt, wenn man sich um einen Gegenstand herumlehnt, um zu sehen, was sich dahinter befindet. Ganz nebenbei entfällt also noch die für viele Spieler so lästige Kamerakontrolle, weil ein Blick mehr bewirkt, als endloses Kurbeln an einem zweiten Stick, wenn man ohnehin lieber den rechten Daumen auf den Buttons hätte.

ASTRO BOT im PlayStation Store

Die Ideen scheinen nur so aus den Entwicklern herauszusprudeln - oder wann habt ihr zum letzten Mal einem mehrere Häuser hohen Riesengorilla mit kleinen Metallfäusten die Zähne zerschlagen, um ihm dann mit eurem Greifhaken genüsslich die Wurzeln zu ziehen? Hab' ich mir gedacht! Insgesamt ist ASTRO BOT Rescue Mission also vor allem deshalb ein ganz besonderes Spiel, weil man ein einzigartiges Gefühl bekommt - und zwar das von Teamwork mit sich selbst. Es ist schwer zu beschreiben und klingt, als würde man schwer multitasken müssen. In Wirklichkeit spielt sich aber wenig selbstverständlicher als das hier, während man nach und nach entblättert, welche Überraschungen das Spiel sonst noch so für einen bereithält.

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Lachen, Staunen, Grübeln und wieder Lachen - das sind die Währungen, mit denen ASTRO BOT Rescue Mission die komplette Reise hindurch nur so um sich wirft. Ein in Form einer PS VR-Brille gepresstes Stück guter Laune, an dem jeder Freude empfinden kann, der sich ein Stück seiner Kindheit bewahrt hat - oder nur so tut, als sei er schon längst "viel zu alt für sowas".

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