Metro Exodus auf der Flucht nach Osten

Mit der Dampflok durch das verstrahlte Russland.

Metro-Dauerheld Artjom befindet sich mit seiner Frau Anna und einer Handvoll kampferprobter Ranger auf einem Roadtrip quer durch das postapokalyptische Russland. Irgendwo, ganz weit im Osten des riesigen Landes, soll es einen Platz zum leben und nicht nur überleben geben, ganz ohne radioaktive Verseuchung und ewige Bedrohung durch Monster, marodierende Banden und den mysteriösen "Schwarzen".

Also reißt sich der kleine Trupp die gepanzerte Dampflok Aurora unter den Nagel, sagt dem Moskauer Untergrund endgültig Ade und macht sich auf den Weg in das vermeintliche Paradies.

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Der Abschnitt The Caspian spielt in einer Wüstenlandschaft im besten Mad-Max-Stil.

Ein ganzes Jahr wird die Reise von der Wolga bis zum Ural dauern, die abwechslungsreichen Landschaften werfen sich währenddessen stimmungsvoll ins Saisonkleid der jeweiligen Jahreszeit. Die Fahrt ins Ungewisse wird immer wieder durch auftauchende Probleme unterbrochen, dann öffnet sich ein üppig dimensioniertes Sandbox-Areal, in dem ihr vorgegebene Aufgaben zu erledigen habt, um die Haupthandlung voranzutreiben und könnt euch optional mit Nebenmissionen beschäftigen. Eine zusammenhängende Open-World wird es nicht geben und eine Rückkehr in ein bereits besuchtes Gebiet ist nicht vorgesehen. Zumindest nicht im ersten Spieldurchlauf.

Kurz vor dem Erscheinen des Spiels haben die Entwickler von 4A Games noch mal zu einem letzten Hands-on geladen und einen frischen Abschnitt der Odyssee präsentiert. Das Angebot habe ich natürlich mit Vergnügen angenommen, steht Metro Exodus doch ganz weit oben auf meiner Spiele-Wunschliste 2019 und die bisher gezeigten Sandbox-Bereiche im Wolgagebiet und in der Taiga haben meine Vorfreude noch gesteigert.

Diesmal geht es Richtung Kaspisches Meer, genau 3901 KM von Moskau entfernt, wie die Zahl am unteren Bildschirmrand während das automatischen Speichervorgangs anzeigt. Seit drei Monaten ist der Trupp unterwegs und es herrschen mittlerweile hochsommerliche Temperaturen, als die Aurora mit akutem Wasser- und Kohlemangel eine Zwangspause einlegt. Artjom bekommt die Aufgabe, die Gegend zu erkunden, soll für Menschen und Maschine Frischwasser organisieren und sich gleich noch auf die Suche nach einer Kommunikationsanlage der ehemaligen russischen Streitkräfte machen, in der sich für die weitere Reise unentbehrliches Kartenmaterial befindet.

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Nicht alles in Metro Exodus will euch töten, die Kriegerin Giul erweist sich noch als wertvolle Hilfe für Artjom.

Nach frostigen Gefilden und idyllischen Wäldern befindet ihr euch diesmal in einem ausgedehnten Sandgebiet. Von Wasser, geschweige denn Trinkwasser, ist weit und breit nichts zu sehen, auch wenn in weiter Ferne ein Leuchtturm und etliche Schiffswracks in der Landschaft davon zeugen, dass hier vor der atomaren Apokalypse wohl nicht immer Wüste war. Jetzt blubbern zwischen den Dünen nur noch ekelig schwarze Pfützen, denen ihr besser nicht zu nahe kommt.

Also gilt es erst einmal, die Umgebung genauer in Augenschein zu nehmen. Dabei macht Artjom direkt Bekanntschaft mit Giftschlangen, deren Biss euch ein Medikit kostet und mit Rudeln mutierter Hyänen, die sich rudelweise auf euch stürzen. Ach ja und da wäre auch noch eine neue Gattung Humanimals, einer Mischung aus Mensch aus Tier. Chamäleons werden die menschenähnlichen Monster genannt, die sich mit ihrer fahlgelben Färbung kaum von der Umgebung abheben und sofort auf Artjom losstürmen, wenn dieser achtlos an ihnen vorbeigeht.

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In der Wüsten-Sandbox bekommt ihr es mit einer neuen Gattung gefährlicher Humanimals zu tun, den Chamäleons.

Alles kein Problem, solange die Aurora noch in Sichtweite ist und ihr jederzeit zurück gehen könnt, um die immer knappen Munitionsvorräte und den Medikamentenvorrat aufzufüllen. Zwar könnt ihr einige wichtige Utensilien, wie Filter für die Gasmaske, Spezialmunition und Molotow-Cocktails auch direkt im Feld herstellen, vorausgesetzt ihr habt die nötigen Materialen dazu gesammelt. Aber wenn ihr sämtliche Magazine leergeballert habt, könnt ihr nur an einer Werkbank ordentlich Nachschub herstellen. Und wenn ihr dann schon mal in Ruhe an den aus irgendwelchen Schrottteilen zusammengestückelten Waffen schrauben könnt, dann vergesst bloß nicht, ein paar gefundene Chemikalien zum Putzen der Todbringer zu verwenden. Sonst klemmt schon mal mitten im Kampfgeschehen der Abzug.

Metro Exodus ist kein Wolfenstein, mit Run and Gun kommt ihr nicht allzu weit und manövriert euch bei üppigem Munitionsverbrauch schnell in eine unnötig schwere Situation. Also lasst es ruhig mal was langsamer angehen. Eure Stealth-Fähigkeiten könnt ihr dann schon beim nächsten Zwischenziel unter Beweis stellen. Wie es sich für ein Wüstenszenario Marke Mad Max gehört bekommt Artjom es nicht nur mit Monstern und Mutanten zu tun, sondern auch mit einer skrupellosen Bande von Plünderern und Sklavenhaltern. Die belagern gerade die Zuflucht der Scharfschützin Giul, die Artjom anbietet, bei der Informations- und Wassersuche behilflich zu sein, wenn er ihr zu Hilfe kommt.

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Munition ist immer knapp: Ein offenes Feuergefecht mit den Manai-bailer solltet ihr tunlichst vermeiden.

Ein Frontalangriff auf das gute Dutzend schwer bewaffneter Manai-bailer, wie sich die Gruppierung nennt, wäre Selbstmord. Also schleicht ihr euch hinterrücks an und schaltet so viele Fieslinge wie möglich still und leise aus. Hat Artjom genügend Gegner aufgemischt, verliert der Rest der Gegner den Kampfwillen und ergibt sich, indem sie mit den Händen im Nacken in die Knie gehen.

Das Prinzip gilt auch für tierische Feinde, habt ihr die Anzahl dezimiert, ist die Chance hoch, dass sich der Rest mit eingeklemmtem Schwanz verzieht. Wenn ihr wollt, könnt ihr auf Nummer sicher gehen und dann in aller Gemütsruhe einen nach dem anderen töten. Aber ein solches Verhalten würde sich dann wohl im Verlauf des Spiels noch rächen, wie die Entwickler andeuten. Überhaupt haben eure Entscheidungen eine Auswirkung auf das Ende des Spiels und nicht alle eurer Kameraden werden dann noch mit dabei sein.

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Die Do-it-yourself-Knarren sind extrem detailverliebt gestaltet und ganz schön durchschlagkräftig. Wenn ihr denn das regelmäßige Putzen nicht vergesst.

Habt ihr die Scharfschützin gerettet, geht es ein Stück weiter in der Story, die euch - es soll jetzt nicht zuviel verraten werden - unter anderem in eine unterirdische Bunkeranlage voller riesiger Spinnen und in das Hauptquartier der Manai-bailer führt, in dem ihr einen Tanklaster mit wertvollem Süßwasser klauen sollt.

Der Hauptstrang der Handlung verläuft linear und grundsätzlich könnt ihr nach erfolgreicher Absolvierung der Aufträge nach drei bis vier Stunden wieder die Aurora besteigen und zum nächsten Zwischenstopp losziehen. Aber dann würden euch nicht nur wichtige Materialien und Waffenteile entgehen, die sich in den Ruinen der Restzivilisation finden lassen, ihr verpasst auch einige spannende Nebenmissionen, die mehr Details über die Personen und Geschehnisse in der besuchten Gegend preisgeben.

Laut den Entwicklern werdet ihr an den mit einem Fragzeichen markierten Plätzen nicht mit langweiligen Sammelaufgaben belästigt, die nur zur reinen Spielzeitverlängerung dienen. Jede Geschichte soll eine Bedeutung haben und euch so immer tiefer in das apokalyptische Tagesgeschehen hineinziehen. Besonders in dem angespielten Abschnitt gestaltet sich die Suche nach Geheimnissen und Goodies als besonders einfach. Anstatt die weitläufige Gegend mühsam abzulaufen, steht euch nach einer Weile ein Trümmerhaufen von VW-Bus zur Verfügung. Zwar wird dieser nur noch vom Rost zusammengehalten und ein Stahlrohr dient notdürftig als Lenkrad, aber damit lassen sich trotzdem bequem die langen Strecken zwischen den interessanten Punkten zurücklegen, ohne alle Nase lang von einer Gruppe Chamäleons oder Banditen behelligt zu werden.

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Schleichen statt Ballern: Das Hauptquartier der Manai-bailer infiltriert ihr am besten im Stealth-Modus. Metzelt ihr hinterrücks genügend Feinde, besteht zudem die Chance, dass sich der Rest der Bande einfach ergibt.

Wie ihr seht: Abzüglich der namengebenden U-Bahn ist alles da, was die ersten Metro-Spiele ausgemacht hat: die dauerbedrohliche Atmosphäre der postapokalyptischen Metro-Welt mit einer Vielzahl an tierischen und menschlichen Monstern. Die bangen Momente, wenn der Filter der Gasmaske gewechselt werden muss und man mit Entsetzen feststellt, dass der Sauerstoffvorrat nur noch eine Minute vorhält und die stete Munitionsknappheit, die Nachdenken verlangt, wie sich eine brenzlige Situation denn nun jetzt meistern lässt. Dazu eine semi-offene Spielwelt mit Sandboxgebieten für ausgedehnte Erkundungstouren. Und richtig gut sieht Metro Exodus dabei auch noch aus, wenn es bisher ungesehene Seiten seiner faszinierenden Welten frei vor euch ausrollt. Ein Spiel, wie gemacht für den kalten Februar.

Entwickler/Publisher: 4A Games/THQ Nordic Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 15. Februar 2019 - Angespielt auf Plattform: Xbox One

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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