Im zweiten Teil von The Division geht es raus aus den schneebedeckten Hochhausschluchten von Manhattan ein paar Hundert Kilometer weiter südwestlich nach Washington D.C. Auch die Hauptstadt der Vereinigten Staaten ist von den fatalen Auswirkungen nach dem Ausbruch einer tödlichen Pandemie betroffen, die Infrastruktur ist komplett zusammengebrochen, feindliche Fraktionen kämpfen mit Waffengewalt um Macht und Ressourcen und mitten im Chaos eines ausgewachsenen Bürgerkriegs steckt die leidende Zivilbevölkerung.

Als Mitglied der Homeland Division ist es jetzt eure Aufgabe, für Ruhe und Ordnung zu sorgen und der Zivilisation zu einem neuen Start zu verhelfen. Das frische Setting spielt im Hochsommer, sieben Monate nach dem ersten Auftreten der sogenannten Dollar-Grippe. Ihr könnt den Winterparka also ruhig im Spind lassen.

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In The Divison 2 gibt es gleich drei Dark Zones, die sich landschaftlich deutlich voneinander unterscheiden. Eines haben aber alle Beutegebiete gemeinsam: sie sind durch hohe Mauern von den anderen Teilen der Stadt abgetrennt.

Gut 20% mehr Fläche zur Erkundung wird die offene Spielwelt von Washington D.C. gegenüber Manhattan bieten und landschaftlich erheblich abwechslungsreicher daherkommen. Parkanlagen am Union Square, Vorort-Flair im noblen Georgetown und natürlich die weltbekannten Wahrzeichen - das Weiße Haus, das United States Capitol, Lincoln Memorial oder das Washington Monument - sind allesamt im Spiel vertreten. Zusätzlich existiert wieder eine Untergrund-Ebene, ein weitläufiges Bunker- und Kanalisationssystem unter den Straßen der Stadt.

Optisch ist das apokalyptische Ambiente im Stil von Filmen wie "I Am Legend" gehalten: die Natur erobert Stück für Stück die Stadt zurück, Pflanzen brechen durch Betondecken und Ranken überwuchern mittlerweile schon weite Teile der Trümmerfelder. Leider konnte ich mich während eines Anspieltermins bei den Entwicklern Massive Entertainment in Malmö nicht ausgiebigem Sightseeing widmen, der Fokus lag auf den PvP- und PvE-Aktivitäten in den Dark Zones. Ja, "Zones", also Plural. Denn es gibt diesmal gleich drei davon, in denen ihr fette Beute machen könnt. Oder böse untergebuttert werdet.

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In den Dark Zones kann man andere Teams bekämpfen, man muss aber nicht. Aber diese Situation ist irgendwie schon zu verlockend.

Das Motto lautet "Endgame First" und die Entwickler wollen in The Division 2 keinen Unmut unter der Spielerschaft riskieren, die sich im ersten Teil zu Recht lautstark über fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten nach dem Abschluss der Kampagne beklagten. Zu dem Maßnahmenpaket, das zu einem Teil schon mit dem umfangreichen Update 1.8 für The Division eingeführt wurde, gehören neben dem Dark-Zone-Trio auch die Spezialisierung der Agenten nach Erreichen des Endlevels 30, neue Talente, Acht-Agenten-Raids, Occupied Dark Zones, ein neuer Rogue-Status und gleich zu Beginn die Möglichkeit, sich im strukturierten PvP in Viererteams Feuergefechte zu liefern. Spannend für alle kompetitiven Zocker, die auf die NPCs in den Dark Zones dankend verzichten können und die direkte Auseinandersetzung mit menschlichen Mitspielern bevorzugen. Frische Inhalte sollen im Schnitt alle drei Monate nach dem Launch hinzukommen und das zumindest im ersten Jahr ohne zusätzliche Kosten.

Die drei Dark Zones befinden sich im Westen in Georgetown, im Osten am Union Square sowie im Süden im Hafengebiet The Wharf und sind vom übrigen Stadtgebiet durch hohe Mauern abgetrennt. Das Spielprinzip bleibt unverändert: Ihr geht am besten kooperativ mit einem Fireteam von vier Spielern auf die Pirsch, denn in den besonders üblen Ecken lauern hochrangige KI-Gegner, die euch die lukrativen Beutezüge vermiesen wollen. Dazu tummeln sich im Gebiet menschliche Spieler, die mit euch gemeinsame Sache machen, aber auch jederzeit das Feuer eröffnen können, um euch die erbeuteten Fundstücke abzunehmen. Man weiß eben nicht, wie die Leute ticken, und das macht den gehörigen Reiz der PvEvP-Zonen aus.

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Auch wenn das auf dem Bild von der Dark Zone West in Georgetown nicht so aussieht, sieben Monate nach dem Ausbruch verliert das Virus so langsam an Kraft und viele Gegenstände können ohne vorherige Dekontamination genutzt werden.

Ihr erkundet die Wahrzeichen, schnappt euch Loot, ruht euch in Safe-Houses aus und seht zu, dass ihr die wertvolle Fracht an Extraktionspunkten mit einem Helikopter in Sicherheit bringt. Soweit, so bekannt. Aber es gibt auch einige Änderungen zu vermelden, beispielsweise sind mehr als ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr alle Gegenstände kontaminiert, ihr könnt Waffen und Ausrüstung gleich anlegen und euren Agenten noch ein bisschen schlagkräftiger machen oder den neuen Rogue-Status auszuprobieren.

Auch wenn es nicht unbedingt empfehlenswert ist, sich als einsamer Wolf in die Dark Zones zu wagen, besonders wenn ihr dank "Seamless Matchmaking" beim Betreten der Dark Zone ein Team zusammenbekommt, ohne euch in einer Lobby die Beine in den Bauch zu stehen, lohnt es sich immer noch, spontan abtrünnig zu werden. Als Rogue schert ihr euch einen Dreck um Kameradschaft und Loyalität, sondern folgt einfach eurer Gier nach Loot. Das funktioniert immer noch wie beim Vorgänger, indem ihr euren Wunsch auf Verrat per Knopfdruck anmeldet und dann auf eigene Faust handelt. Der Agent wird nach einem Kill eines Kollegen mit einem roten, nach mehreren Anschlägen mit einem gelben Totenkopfsymbol markiert und offiziell zur Jagd freigegeben.

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An den Extraktionspunkten wird es noch mal spannend, wenn die Schätze per Helikopter ausgeflogen werden und Hunter darauf lauern, euch im letzten Moment noch die Beute abzujagen.

Ich bin aber so ein Spielertyp, der echt Gewissensbisse bekommt, wenn er auf menschliche Mitspieler ballert, aber irgendwie schon mal ein bisschen böse sein möchte. Da kommt der neue Rogue-Status doch gerade recht. Um einen grauen Totenkopf zu bekommen, braucht ihr nur verbotenerweise einen Computer zu hacken oder ein paar Gegenstände zu klauen. Wenn ihr euch abtrünnig-light verhaltet, bekommt ihr eine Mission, in der innerhalb eines Zeitlimits mehrere Ziele erreicht werden müssen und dann der Ort eines speziellen Safe-Houses angezeigt wird, in der eine Belohnung wartet. Allerdings öffnet sich die Tür nur, wenn die übrigen Teamkameraden dem grauen Rogue folgen und sich gemeinschaftlich vor der ansonsten verschlossenen Tür versammeln.

Wohl dem, der mit einer festen Freundesgruppe unterwegs ist und sich spontan auf die Nebenaufgabe verständigen kann. Wenn der Rest der Truppe lieber andere Ziele verfolgt, war die ganze Mühe umsonst. Die Ausflüge in die landschaftlich angenehm unterschiedlich gestalteten Dark Zones machen sind auf jeden Fall wieder sehr reizvoll. Ob nun in den Parks am Union Square, in Georgetown oder in den zerfallenen Restaurants und dem Einkaufszentrum am Hafen: es macht einfach Spaß, die Gegend zu erkunden, sich taktische Feuergefechte mit den Elite-Gegnern zu liefern und immer auf der Hut vor der Schlechtigkeit der menschlichen Mitspieler-Trupps und der eigenen Kameraden zu sein.

Eine besondere Herausforderung sollen übrigens die Occupied Dark Zones bieten. Hier gibt es keine Normalisierung, das ausgerüstete Gear-Set der Agenten wird nicht aus Gründen der Balance auf den höchsten Wert gepusht, die Gegner stecken ordentlich ein und teilen noch ordentlicher aus und Friendly Fire ist immer aktiv. Läuft euch ein Teammitglied also unabsichtlich oder auch gerne mal absichtlich vor den Lauf, dann seid ihr sofort ein Abtrünniger und damit eine lukrative Beute für andere Agenten.

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Der gutbürgerliche Vorort Georgetown ist ein Schauplatz der echten PvP-Gefechte, in denen zwei Viererteams ganz ohne störende NPCs gegeneinander antreten.

Um im harten Agenten-Alltag auch gegen den nervigsten Kugelschwamm zu bestehen, könnt ihr euch neue Fertigkeiten aneignen. Da wäre zum Beispiel die Steuerung einer Drohne, die sich im Kampf als echtes Allroundtalent erweist. Ihr könnt den Mini-Helikopter dazu nutzen, ein vorher festgelegtes Ziel unter Beschuss zu nehmen oder einfach mitten in die Menge halten. Weitere Anwendungen: Die Drohne kann einen Bombenteppich abwerfen, die Rüstung reparieren und feindliche Projektile durch ein Mikrowellenfeld ablenken.

Ebenso vielseitig zeigen sich auch der neue Chemikalien-Werfer und das "Nest". Dabei kann der entsprechend talentierte Agent chemische Bomben werfen, die Gegner verätzen, vergiften oder mit einem klebrigen Schaum am Boden festnageln. Bei dem Nest handelt es sich um Mikrodrohnen, die im gerade defensiven Bereich gute Dienste leisten und innerhalb eines nicht allzu kleinen Radius die Kampfkraft von Kameraden steigern, verlorene Rüstungswerte wiederherstellen oder auch angeschlagene Agenten heilen.

Diese Fertigkeiten könnt ihr schon im Verlauf der Kampagne erlernen, anders sieht es mit den neuen Spezialisierungen aus. Erreicht euer Agent den höchsten Level 30, könnt ihr eine Spezialisierung als Scharfschütze, Überlebensspezialist oder Zerstörer wählen und mit einer durchschlagsfähigen Waffe, wie Scharfschützengewehr, Armbrust oder Granatwerfer Unheil anrichten. Wenn ihr denn genügend Munition für eure Todbringer findet, denn die ist rar gesät. Ich konnte mit einem Level-30-Agenten die neue Macht des Spezialisten ausprobieren und habe eine kleine Armee an Elite-NPCs im Alleingang bezwungen, bis zu dem Augenblick, als alle Bolzen verschossen waren und ums Verrecken kein Nachschub auftauchte.

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Neue Waffen braucht der Agent, zum Beispiel die extrem nützliche Multifunktionsdrohne, die als Angreifer, Verteidiger oder Aufklärer genutzt werden kann.

Übrigens braucht ihr euch keine großen Gedanken darum zu machen, welche Spezialisierung für euch wohl die beste wäre. Habt ihr das Fortschrittssystem einmal komplett gemeistert, könnt ihr euch der nächsten Spezialisierung widmen. Damit werdet ihr definitiv eine ganze Weile zu tun haben. Auch wenn ich nicht den Acht-Spieler-Raid ausprobieren und auch noch keinen Blick auf die Missionen der Kampagne werfen konnte, die Ausflüge in die Dark Zones, die neuen Talente und Spezialisierungen und das schicke, abwechslungsreiche Washington-D.C.-Szenario haben mir auf jeden Fall wieder richtig Lust auf einen der besten (wenn nicht sogar den besten) "Looter-Shooter" gemacht.

Entwickler/Publisher: Massive Entertainment / Ubisoft Entertainment Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 15. März 2019 - Angespielt auf Plattform: Xbox One

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Redakteur

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.