The Hong Kong Massacre wirft euch mitten in einen blutigen Hongkong-Actionfilm

Schießen und sterben. Und wieder von vorne.

In Zeitlupe hechte ich durch die Tür in einen Raum hinein, noch im Flug bohrt sich die Ladung aus meiner Schrotflinte in den Rücken des Gegners in der Mitte. Hinter einer Trennwand wartet der nächste Feind, feuert durch diese hindurch. Geschickt weiche ich mit einer Rolle über den Boden aus und schnappe mir währenddessen das Sturmgewehr des vor wenigen Sekunden ausgeschalteten Widersachers. Erneut geht es in Zeitlupe um die Ecke herum. Kugeln fliegen, Funken sprühen, Holztüren zersplittern. Mein Gegenüber sackt getroffen zusammen, sein Blut tränkt den Boden. Aber ich habe nicht aufgepasst. Einer seiner letzten Schüsse streckt mich nieder. Und so beginnt das ganze Spiel von vorne.

Ein kleiner Fehler, ein gegnerischer Treffer reicht aus und ihr liegt im Top-Down-Shooter The Hong Kong Massacre am Boden. Dann wagt ihr einen weiteren Anlauf im jeweiligen Level. Den grundlegenden Rhythmus kennt man unter anderem aus Hotline Miami. Ein Glück, dass die Stages nicht so lang sind, dass es weh tut, sie erneut in Angriff zu nehmen. Was nicht heißt, dass ihr euch nicht ärgert, wenn ihr am letzten Bösewicht eines Levels scheitert. Dass die Level maximal ein paar Minuten dauern, ist der Vorteil dieses Spiels. So ist der Frust nie zu groß und die der Ansporn bleibt, es so lange zu probieren, bis es klappt.

The Hong Kong Massacre ist das Debütprojekt des im schwedischen Malmö ansässigen Zwei-Mann-Studios Vreski und verspricht unkompliziertes Ballern aus der Vogelperspektive. Ihr spielt einen ehemaligen Polizeibeamten, der den Mord an seinem Partner rächen möchte. Und wie macht er das? Indem er haufenweise Schurken umnietet, wie sonst? Zugegeben, die Story ist nicht mehr als der Rahmen für die kurzweilige Ballerei, erwartet daher nicht zu viel. Im Endeffekt geht es ums Schießen und daraus macht das Spiel keinen Hehl.

Meine PS4 wollte das Spiel nur ohne Sound aufnehmen, warum auch immer. Immerhin seht ihr die Bilder.

Das alles fühlt sich nicht ohne Grund wie ein Hongkong-Actionfilm an. Die Zeitlupensequenzen, das Ausweichen und alles wirkt obendrein ein wenig übertrieben. Von den zahlreichen Funken, die bei Einschlägen der Geschosse sprühen, bis hin zu den spektakulären Manövern, die ihr durchführt. Springt durch Fenster, weicht mit Hechtrollen aus, erledigt eure Feinde im Zeitlupenflug. Und es ist nicht so, dass ihr davon pro Level eine begrenzte Menge hättet. Ja, die Zeitlupe lässt sich wenige Sekunden am Stück einsetzen, danach lädt sie sich aber schnell auf. Nutzt sie. Es sieht nicht allein cool aus, es hilft euch.

Zu argumentieren, dass dies die Herausforderung schmälert, wäre per se nicht falsch. Zum Glück gibt es Gründe, die Level erneut zu spielen. Pro Stage habt ihr drei Bonus-Herausforderungen, die sich separat voneinander erfüllen lassen. Den Level innerhalb einer bestimmten Zeit abschließen, keine Zeitlupe verwenden und mit jedem Schuss treffen. Dafür und für jeden Abschluss eines Levels erhaltet ihr Sterne, mit denen ihr die insgesamt vier verfügbaren Waffen verbessert. Pistole, Schrotflinte, Uzi und Sturmgewehr feuern dann zum Beispiel schneller oder haben größere Magazine. Ein paar mehr Waffen und zum Beispiel Granaten hätten dem Spiel nicht geschadet.

Ein Treffer und ihr segnet das Zeitliche. Nutzt die Zeitlupe, außer ihr strebt nach der Bonus-Herausforderung, einen Level ohne das Hilfsmittel abzuschließen.

Die Tatsache, dass ihr mit einem einzigen Treffer das Zeitliche segnet, sorgt immer für den nötigen Nervenkitzel. Im Grunde fördert es ein langsames Vorgehen, damit ihr nicht unversehens in einer Gruppe von Gegnern landet und somit euer eigenes Todesurteil unterzeichnet. Interessant sind in dem Zusammenhang dann die Bonus-Herausforderungen. Den Level innerhalb eines knappen Zeitfensters abzuschließen, widerspricht dem langsamen und vorsichtigen Agieren. Das Spiel lädt euch so dazu ein, verschiedene Vorgehensweisen zu probieren. Ab einem bestimmten Punkt wisst ihr, wo die Gegner stehen und was euch erwartet. Und eure Leistungen vergleicht ihr dann mit den anderen Spielern in den Ranglisten.

Sucht ihr nach einer stimmungsvollen Ballerei, die zugleich ein paar Herausforderungen in petto hat? In dem Fall lohnt es sich, einen näheren Blick auf The Hong Kong Massacre zu werfen. Vreski liefert ein gelungenes Debütprojekt ab, in dem beileibe nicht alles perfekt ist - die wenigen Waffen und die schwache Story fallen mir da ein. Da, wo es zählt, bei den Schießereien, macht das Spiel seine Sache gut. Die ein oder andere Animation entspricht darüber hinaus nicht den höchsten Qualitätsstandards, das ist aber kein echter Störfaktor. Kurz: Ein schicker und in Teilen anspruchsvoller Top-Down-Shooter für eine kleinere oder ausgedehntere Runde zwischendurch.

Entwickler/Publisher: Vreski - Erscheint für: PC, PS4 - Preis: ca. 17 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4 - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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