Komponist: Various Artists

Label: Bandai Namco

Stil: Klassisch

Erhältlich über: Label, Discogs

Das Spiel: Zwanzig Jahre lang ziehen sie sich mit wilden Kombos Schwerter im Duell über den Schädel und sie stehen immer noch. Aktuellste Runde: Soul Calibur 6.

1

Editionen: Genau eine gibt es und die hat es in sich: Der riesige nach hinten offene Pappschuber aus fester Pappe, mit seinem stylischen Schwert auf dem Rücken, fasst nicht weniger als sieben Gatefold-Hüllen. Vorn ziert die Box ein Medley der Kämpfer der Reihe, hinten werden brav alle Tracks gelistet, sogar inklusive Laufzeit, da bleibt nur noch Platz für ein etwas hässliches Schwert in der Mitte. Aber auch nicht viel. Im Regal ist das Ding aber ein echter Hingucker und eine der größten Boxen aus dem Gaming-Soundtrack-Genre bis jetzt.

Jede der sieben Gatefold-Hüllen enthält nur eine Platte, was dem Best-of-Charakter des Ganzen geschuldet ist. Diese eine Platte ist auch keineswegs maximal ausgenutzt, es sind immer nur drei Tracks pro Seite, sechs Tracks pro Spiel, denn natürlich ist jede Platte für eines der Soul Caliburs gedacht - netterweise vergaß man nicht Soul Blade, das ist die siebte Scheibe. Jede wird vorn von einer an das originale Cover angelehnten Interpretation des Charakters geziert, jede hat einen Helden oder Schurken. Spannend wird es innen im Gatefold. Jeder der sieben Charaktere wird hier in allen Spielen, in denen er vorkam, gezeigt und wie er sich verändert hat. Mitsurugi alterte zwischendurch etwas, scheint aber auf dem Weg der Besserung, Sophitias Brüste wuchsen mit jedem Teil. Ein nettes Fan-Gimmick, aber ein paar Zeilen vom Komponisten oder den Entwicklern wären auch okay gewesen. Die Rückseite ist wie die der Box, sie zeigt immer brav das Logo und die Trackliste. Das gesamte Design der Box und des Covers ist in sich sehr stimmig und gelungen, es ist allein dafür für Fans schon ein netter kleiner Schatz.

2

Kommt ihr zu den Platten selbst, habt ihr eine reine Papierhülle innen ohne antistatische Folie, was einen direkt zur Bürste greifen lässt. Das Vinyl ist durchgehend schwarz und es gibt auch keine andere Edition, läuft mit 33 und dürfte bei 140g liegen. Fasst sich wertig an, aber nicht so massiv wie die 180er. Interessant sind die Labels auf den Platten, die zwar geklebt, aber danach irgendwie heiß nachgepresst wirken. Wären hier und da nicht kleine Lufteinschlüsse zu erkennen, könnte man denken, dass es Teil des Vinyls sei. Schick und vor allem mit der Trackliste und Seitenangabe.

Angehört

Es ist Soul Calibur. Das heißt viele Streicher, Bläser und große Trommeln. Bombast-Trailer-Klassik vom Feinsten und das ist ein Stil, dem die Serie mit wenigen Ausnahmen seit über 20 Jahren treu bleibt. Diese Ausnahmen findet ihr hier allerdings nicht, sodass man grundsätzlich alles damit zusammenfassen kann: Das ist der Soundtrack, mit dem man Burgen erobert. Mit Rittern. In großen Schlachten. Non-Stop. Das Hauptmotiv zieht sich dabei durch die Jahre, was anfangs noch eine Interpretation auf teuren Synthesizern war, wandelt sich schnell in ein immer größer aufgestelltes Orchester und so verfolgt ihr auch die Entwicklung der Reihe durch die Iterationen, vergleichbar mit den sich durch die Jahre verändernden Figuren in den Covern.

Das ist schön und gut für das Hauptmotiv, aber die anderen Motive der einzelnen Helden lassen sich hier leider nicht ähnlich verfolgen. Zu wild wurden die Tracks herausgepickt, es ging dabei anscheinend klar um die allgemeine Beliebtheit, was wohl zu dem Best-of-Motiv passt und natürlich über die Spielzeit aller Platten hinweg für mehr Abwechslung sorgt. Als Fan jedoch: Wie wäre es gewesen sich sieben Helden herauszupicken, die von Anfang an dabei waren, und ihnen komplett durch die Jahre zu folgen? Sicher nicht spannend für den Durchschnittshörer aber seien wir ehrlich: Welcher Casual-Fan der Reihe holt sich das hier? Nur ein Gedanke, denn als das, was draufsteht - "Best of" - funktioniert die gemischte Auswahl wunderbar.

3

Was etwas verwundert, ist die allgemein kurze Spielzeit. Manche Seiten haben nur zehn Minuten, die meisten nicht mal das. Die B-Seite von Soul Calibur kommt gerade mal auf sechs Minuten, da hätte man auch gleich auf 45 gehen können, denn auch wenn die Klangqualität prinzipiell tadellos ist und nur wenig, wenn überhaupt, von Surface Noise geplagt wird, ist das keine audiophile Abmischung, die so eine Seitenutzung vielleicht erklären könnte. Und es ist ja auch nicht so, dass es nicht genug Material gegeben hätte, um zumindest die oft große leere Fläche am Ende zu füllen. Selbst die damals bei der Collectors Edition des fünften Teils beigelegte CD hatte über 20 Tracks, in Japan gibt es noch ganz andere Sammlungen. Insoweit: Ja, was da ist, ist gut, aber es hätte mehr sein dürfen. Aber andererseits: Da der Stil doch sehr einheitlich ist, war ich nach drei oder vier Seiten auch erst mal glücklich und brauchte eine Pause, die sich gut mit Soul Calibur 6 - dem Spiel - füllen ließ.

4

Selbst anhören

Das wäre noch zu sagen ...

Eine Platte wie: Eine Burg mit einem Großschwert solo zu stürmen. Episch halt. Bisschen blöd, aber episch.

Eine Art Fazit: Sehr "Best of", das Ganze. Dieses Label trägt die sehr hübsche und robuste Box zu Recht. Wer angesichts des Formats auf eine definitive Kollektion hoffte, war von Anfang an unrealistisch unterwegs - das wären dann wohl eher 30 Platten. Als Fan-Collectible jedoch macht sich die Kiste ausgezeichnet, sieht im Regal gut aus und, so kurz wie sie trotz all des Materials sein mag, hört sich diese Reise durch zwei Dekaden Soul Calibur fantastisch an.

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5

Gehört und genossen auf ...

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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