Gruselabenteuer mit optionalem VR-Modus und einer starken Geschichte, leider mit mageren Schleichspielmechaniken und kurzer Spielzeit.

Es gehört zu den Urängsten, vor allem von Kindern, im eigenen Haus nicht mehr sicher zu sein. Nicht mehr sicher vor bösen Menschen, die ins Haus eingedrungen sind und nichts Gutes im Schilde führen. Eben dieses Trauma müsst ihr in Intruders: Hide and Seek durchleben, einem kleinen Indie-Titel, der exklusiv für die PS4 erschienen ist und den ihr optional auch mit PSVR-Unterstützung genießen könnt.

Genießen sei hier im übertragenen Sinne verstanden, denn gerade im VR-Modus knabbert Intruders doch schon anständig an euren Nerven, obwohl die Spielmechaniken selbst relativ simpel sind. Aber: Ihr verkörpert ein Kind - und das lässt euch das Geschehen nicht nur aus einer besonderen Perspektive erleben, es macht euch auch gefühlt und tatsächlich ziemlich wehrlos.

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Uuund ... erwischt! (Intruders: Hide and Seek - Test)

Als das Spiel beginnt, ist noch alles in Ordnung. Mutter, Vater, Tochter und ihr, der Sohn Ben, fahren frohen Mutes mit dem Auto nach Hause. Eine glückliche Familie, wobei es auch in diesem Moment schon etwas seltsam anmuten mag, dass euer Dad sich am Telefon mit einem Fremden darüber unterhält, dass das Haus auch wirklich sicher ist. Wieder zu Hause, müsst ihr den Tisch decken, euch ein bisschen mit den Eltern unterhalten und mit eurer Schwester spielen. Verstecken natürlich. Ihr ahnt natürlich, dass dies das Tutorial für später ist. Der kleine Ben hat aber keine Ahnung, als er einen Schlüssel aus einem Schreibtisch stibitzt und sich anschließend vor Schwester Irene im Schrank versteckt. Die Entwickler zeigen euch in diesem Moment zum ersten Mal eine Mechanik, die im weiteren Verlauf häufiger zum Tragen kommt und die hervorragend dafür geeignet ist, die Spannung nur noch zu steigern. In jedem Versteck müsst ihr euch bemühen, euren Herzschlag zu kontrollieren, indem ihr im richtigen Moment den Controller nach oben reißt. Schafft ihr das, sucht euer Verfolger woanders nach euch, schafft ihr es nicht, ist in diesem Moment schon Schluss.

Spätestens in der darauffolgenden Nacht braucht ihr diese Mechanik auch im Ernstfall, da nämlich brechen drei Kriminelle ins Haus ein und ihr müsst auf der Suche nach einem Ausweg durch die Räume und Flure streifen. Wohin ihr gehen müsst, schreibt euch das Spiel relativ starr vor: Mal sucht ihr in der Küche nach dem Handy eures Vaters, ein anderes Mal sucht ihr im Büro des Vaters nach den Medikamenten für eure Schwester. Die nämlich hustet immer wieder - was nicht nur für sie doof ist, sondern auch dazu führt, dass die kriminellen Eindringlinge leichter auf euch aufmerksam werden. Intruders spielt sich wie ein typisches Schleichspiel, ihr bewegt euch idealerweise also geduckt und langsam vorwärts.

Ein Großteil der Spannung in Intruders ergibt sich aus der Situation: Als Kind erlebt ihr die Situation aus einer niedrigeren Perspektive und sämtliche Widersacher wirken umso bedrohlicher, indem sie tendenziell von oben auf euch herabsehen. Spielerisch bleiben leider viele Chancen ungenutzt. Was in vielen vergleichbaren Spielen üblich ist, etwa Gegner abzulenken, indem ihr irgendwelche Gegenstände werft, geht hier nicht. Stattdessen bleibt es das gesamte Spiel über bei einem stetigen Wechsel aus Aus-dem-Weg-gehen und Verstecken. Es scheint ein bisschen, als hätten die Entwickler von Anfang an geplant, wie ein idealer Durchlauf auszusehen hat, ein Abweichen von dieser Ideallinie funktioniert nur selten. Dadurch wirkt Intruders trotz toller, bedrohlicher Atmosphäre an vielen Stellen undynamisch und rigide.

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Durch eine Bewegung des Controllers müsst ihr in diesem Minispiel euren Puls kontrollieren. (Intruders: Hide and Seek - Test)

Wie schon erwähnt, könnt ihr Intruders sowohl auf dem Fernseher als auch in VR spielen. Letzteres ist ausdrücklich empfehlenswert, weil immersiver. Gesteuert wird über den Dualshock-Controller, auf Wunsch könnt ihr Komfort-Funktionen wie schrittweises Drehen aktivieren. Bei höherer Laufgeschwindigkeit wird außerdem das Sichtfeld eingeschränkt, auch das soll Motion Sickness vorbeugen. Ich hatte so oder so kein Problem damit, habe den VR-Modus aber auch deshalb bevorzugt, weil die Grafik in HD und auf dem Fernseher doch ziemlich simpel wirkt. Besonders deutlich wird das in den ersten Szenen, als ihr eurer Familie noch ausführlich in die hölzernen Gesichter blickt. Im weiteren Spielverlauf gibt es allerdings nicht mehr viele Momente, in denen Ähnliches passiert.

So oder so: Es fällt in VR deutlich leichter, die simple Grafik und die spärliche Beleuchtung zu akzeptieren. Ihr habt zwar eine Taschenlampe um letzterer entgegenzuwirken, die aber ehrlich gesagt ein bisschen wirkt wie ein günstiges Werbegeschenk - wirklich hell wird sie nicht. Vor allem in hektischen Fluchtszenen fühlt ihr euch daher schnell desorientiert, rennt gegen eine Wand und werdet geschnappt, das Spiel lädt danach umgehend den letzten Checkpoint.

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Euer aktuelles Ziel könnt ihr jederzeit auf der Karte überprüfen . (Intruders: Hide and Seek - Test)

Insgesamt ist Intruders nur grob drei Stunden lang - viel länger hätte das Spielprinzip leider aber auch nicht getragen. Es besteht nämlich fast ausschließlich daraus, euch von einem Punkt zum anderen zu schicken, nicht selten zu einer Stelle, die besonders weit von eurem aktuellen Standort entfernt ist. Die drei namensgebenden Intruders patrouillieren arg stoisch auf bestimmten Wegen durch das Haus.

Natürlich wirkt das nicht unbedingt überzeugend, aber es genügt gerade so, um die bedrohliche Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Was euch vorantreibt, ist aber auch weniger das Gameplay als die spannende Geschichte. Ihr habt es hier eben nicht nur mit irgendwelchen Einbrechern zu tun, auch eure Eltern haben das ein oder andere Geheimnis und deren großzügig ausgestattetes Anwesen birgt ebenfalls Mysteriöses. Falls ihr vergessen habt, wo ihr gerade hin müsst, kein Problem: Werft einfach einen Blick auf die Karte oder sprecht per Funkgerät mit Irene.

Wer mag, kann im Spielverlauf noch eine Reihe von Collectibles finden, wirklich motivierend ist das aber nicht und schon gar nicht regt das zu einem zweiten Durchgang an. Wenn ihr Intruders einmal erlebt habt, dann war's das. Bis dahin lauscht ihr aber begeistert den durchaus gut gesprochenen Dialogen der Eindringlinge oder tauscht euch mit eurer Schwester aus, was als nächstes zu tun ist.

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Horch, was kommt von draußen rein? (Intruders: Hide and Seek - Test)

Atmosphärisch funktioniert Intruders hervorragend. Wenn ihr um eine Ecke schleicht, in der Hoffnung, dass da niemand auf euch wartet, klopft euch das Herz tatsächlich so sehr bis zum Kinn wie im Mini-Game, das ihr beim Verstecken spielen müsst. Vor allem im VR-Modus wirken die Eindringlinge wirklich bedrohlich und furchteinflößend. Nur stehen all diese Elemente im krassen Gegensatz zum doch recht eintönigen Gameplay, das aus der Hatz durch die elterliche Villa etwas macht, das sich anfühlt wie eine Schnitzeljagd. Der Weg durch das Spiel wirkt zudem sehr vorherbestimmt, auch wenn ihr manchmal die Wahl zwischen verschiedenen Wegen habt. Was Intruders: Hide and Seek spielenswert macht, ist aber hauptsächlich seine spannende Geschichte, die sich eben nicht in Gut-Böse-Klischees ergeht, sondern eure eigenen Eltern, wenn auch indirekt, zu Mittätern macht. Für einen Preis von rund 20 Euro ist das okay - langfristig im Gedächtnis bleiben wird euch Intruders aber wohl nicht.

Entwickler/Publisher: Tessera Studios/Daedalic Entertainment - Erscheint für: PS4, PSVR - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4, PSVR - Sprache: englische Sprachausgabe, deutsche Bildschirmtexte - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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