Die PlayStation-Plus-Spiele im März 2019: Dynamisches Duo

Call of Duty: Modern Warfare Remastered und Jonathan Blows The Witness.

Diesen Monat müssen wir uns alle ein wenig umstellen - und Vita-User besonders stark sein: Der März 2019 ist der erste Monat, in dem keine PS3- und Vita-Spiele mehr unter den Gratistiteln enthalten sind. Zugegeben, es ist eine Weile her, dass meine PS3 der ersten Generation mit ihrem mächtigen Gebläse den Staub unter meinem Fernseher aufwirbelte. Aber den einen oder anderen Vita-Titel aus dem PS-Plus-Aufgebot schaute ich mir immer wieder mal an. PS Plus allein hätte das schicke Handheld wohl kaum am Leben erhalten: die Produktion in Japan geht auf ihr Ende zu, der Nachschub an möglichen Spielen hält sich damit in engen Grenzen.

Immerhin: Wie zum Ausgleich erhöhte Sony kürzlich die Menge an Cloud-Speicher für alle Abonnenten auf 100 Gigabyte und es würde nicht wundern, wenn demnächst noch weitere Features den Dienst mit ergänzen. Für den Moment können wir uns darüber freuen, dass im März zwei hochkarätiger auf dem Plan stehen.

Call of Duty: Modern Warfare Remastered

Das Spiel, das seinem Namen im Nachhinein mehr als nur gerecht wurde, weil es das Antlitz des modernen Online-Shooters nachhaltiger prägte als vieles andere. Ende 2016 erfuhr der Infinity-Ward-Klassiker eines der besten Remaster, die man sich bis dahin vorstellen konnte. Im Grunde war es sogar ein komplettes Remake, das optisch kein Stein auf dem anderen ließ, sondern jeden einzelnen durch einen neueren, schöneren austauschte. Klar, im Multiplayer kamen Mikrotransaktionen dazu, die sich zum Glück nur auf Kosmetisches beschränken, aber insgesamt hat man das Gefühl, ein zeitgemäßes Spiel zu spielen.

Man kann kaum überbewerten, wie gut diese Kampagne eigentlich ist. Das liegt vor allem daran, dass sie bereit ist, Krieg und nächtliche Spezialkommando-Einsätze in einer Schonungslosigkeit zu zeigen, die vermittelt, dass selbst Gewalt für das, was man als "gute Sache" bezeichnen würde, noch mit das Hässlichste ist, zu dem Menschen in der Lage sind. Ich bin nicht sicher, ob es den Machern seinerzeit bewusst war, oder ob es eher ich bin, der eben diese Botschaft aus dem Spiel zog. Das Leben, Kämpfen und Verenden dieser Soldaten mitzuerleben, geht bei aller Michael-Bay-Actionfilm-Ästhetik doch ganz schön an die Nieren.

Erzählerisch und in Sachen Inszenierung ist das Spiel ausgezeichnet gealtert, auch wenn viele der Skriptmomente, Sackgassen in der Kampagne und mehr schlecht als recht vorgegaukelten Freiheiten das Alter des Designs durchblitzen lassen. Es fällt schon sehr auf, wie oft Gegner unrealistisch aus einem Durchgang gesprudelt kommen, nur um in euer Gewehrfeuer laufen, bis ihr einen bestimmten Punkt - entweder dramaturgisch oder physisch auf der Karte - erreicht habt. Das sind Sachen, die sind heute entweder einfach schwer aus der Mode oder beherrschen Spiele mittlerweile einfach besser. Mehr dazu lest ihr in meinem Artikel Die Zeit macht auch vor den Größten nicht halt, den ich kurz vor Start des Spiels verfasste.

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Unvergessen.

Die Multiplayer-Mechanismen funktionieren immer noch ausnehmend gut und erfuhren sogar einige Updates seither. Modern Warfare ist elfeinhalb Jahre alt, es gibt genügend Leute, die erst heute alt genug sind, es zu spielen. Und genau die holen sich ab dem 5. März ohne Ausrede das Remaster auf ihre PS4.

The Witness

Mit dem anderen Gratisspiel dieses Monats beweist Sony ein exzellentes Händchen, vor allem weil es Modern Warfare perfekt ergänzt. Ein bildhübsches, meditatives doch aufwühlendes Puzzlespiel von einem der Pioniere der Indie-Szene: Jonathan Blow, der mit Braid 2008 einen echten Klassiker geschaffen hatte. Nach acht Jahren Entwicklungszeit waren die Erwartungen an The Witness hoch und das Spiel alles andere als einfach zu kommunizieren. Eine farbenfrohe Insel, die man frei erkunden durfte, und in der Hunderte einzelne Schalttafeln vor immer neue Rätsel stellten. Jedes gelöste Puzzle trägt seinen Teil dazu bei, den weiteren Weg tiefer in die Insel hinein zu öffnen.

Das klingt auf dem Papier nicht allzu aufregend, hinter dieser Welt steckt - und hier muss man aufpassen, keinen Spoiler fallen zu lassen - sagen wir mal ... mehr, als es zunächst den Anschein hat. Dass genügend der Menschen, die sich an das Spiel herantrauten, sich in dieses Erlebnis so hineinknieten, liegt an der unverwechselbaren, faszinierenden Atmosphäre dieser Insel. Aber sie hält auch einen der vielleicht größten "Holy F****** SH**"-Knalleffekte der letzten Dekade für euch bereit, wenn ihr sie offenen Auges erkundet.

Es ist ein meisterhafter designerischer wie psychologischer Trick, den Blow auf euch wirken lässt, auch wenn einigen die Prämisse des Spiels vielleicht ein wenig zu esoterisch vorkommen dürfte. Hm... viel mehr darf man hierzu eigentlich nicht verraten. Der Aufruf, diesem Spiel eine Chance zu geben, sofern man auch nur ein wenig für Puzzles oder Adventure-Spiele der Myst-Schule übrig hat, muss an dieser Stelle genügen. Es ist ein einzigartiges, herausragendes Spiel, zeitlos schön, betörend - fast mit immer noch einem Puzzle nur wenige Meter weiter, solltet ihr mal steckenbleiben.

Wer sich hiervon angesprochen fühlt und meint, noch etwas Recherche betreiben zu wollen, dem rate ich dringend davon ab. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich euch vorher noch Björns Test zu The Witness empfehlen sollte. Geht lieber frisch in dieses Erlebnis und die Chancen stehen nicht schlecht, dass es euch genauso gefangen nimmt wie mich.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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