Stellaris ist unter den 4X-Strategiespielen ein echtes Mammut. Es ist leicht zu erfassen, worum es grundsätzlich geht, in den Tiefen der vielfältigen Gameplay-Mechaniken verbirgt sich aber eine irrsinnige Komplexität. Kann es überhaupt einen Weg geben, wie so ein Spiel funktionieren kann, auch wenn Maus und Tastatur als Eingabegeräte nicht zur Verfügung stehen?

Entwickler Paradox wollte sich dieser Herausforderung stellen und hat sich dafür Hilfe von Tantalus Media geholt. Die haben zuvor schon Cities: Skylines auf PS4 und Xbox One portiert und dabei ein gutes, auf Sorgfalt bedachtes Händchen bewiesen. Und, um das gleich vorweg zu nehmen: Auch bei Stellaris ist ihnen dieses kleine Kunststück wieder gelungen.

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In der Konsolenversion von Stellaris findet ihr an den Bildschirmrändern alle wichtigen Menüs.

Der aktuelle Stand von Stellaris entspricht auf PS4 und Xbox One nicht dem der PC-Fassung. Die Umsetzung basiert auf Version 1.7. Wer mag, kann sich aber schon jetzt die Deluxe Edition zulegen und erhält dann das Planetoids-Spezies-Paket, das Leviathans-Story-Paket und die Utopia-Erweiterung. All diese DLCs sollen im Laufe der nächsten Monate erscheinen, ebenfalls im Laufe des Frühlings nachgereicht werden soll der Multiplayer-Modus. Nun steht auf dem PC inzwischen Version 2.2.5 zur Verfügung. Mit dem 2.0-Update hat Paradox unter anderem die Kampfmechaniken überarbeitet. Allerdings soll die Console Edition nach und nach aufholen und sich irgendwann der PC-Fassung angleichen.

Das aber ist Zukunftsmusik, im Moment müsst ihr mit ein paar Abstrichen leben. Ihr habt es aber immer noch mit einer (auf Wunsch) riesigen Galaxis zu tun, die von zahlreichen verschiedenen Spezies bewohnt wird. Nach und nach lernt ihr erst das eigene Sonnensystem kennen und wachst dann immer mehr, bis ihr schließlich an eure Grenzen beziehungsweise die anderer Völker stoßt und dann womöglich in den ersten bewaffneten Konflikt stolpert. Im Lauf des Spiels kolonisiert ihr neue Welten, erforscht Technologien, verhandelt mit anderen Zivilisationen, konstruiert eure eigenen Raumschiffe und legt eure politische Ausrichtung fest. Und ja, all das funktioniert wunderbar auch auf der Konsole.

Dass Stellaris auch mit dem Controller so gut steuerbar ist, liegt vor allem daran, dass hier nicht versucht wird, die Maussteuerung etwa auf den Analogstick zu übertragen. Stattdessen haben sich Paradox und Tantalus dafür entschieden, dass Menüs grundsätzlich mit dem Digi-Pad gesteuert werden, ihr durch die Galaxie aber gleichzeitig mit den Analogsticks navigieren könnt. Anfangs musste ich mich daran gewöhnen, ja, aber letzten Endes ist das eine tolle Entscheidung, denn es sorgt dafür, dass ihr eben nicht umschalten müsst, zwischen Menü und Navigation im Universum, sondern dass ihr permanent Zugriff auf beides habt.

Und während ihr das Wichtigste, wie eben das Universum, aber auch gerade wichtige Menüs wie das Baumenü immer in der Mitte des Bildschirms seht, liegt das Interface nun an den Bildschirmrändern. Oben habt ihr einen Überblick über eure Rohstoffe, links findet ihr das Hauptmenü. Von dort aus könnt ihr beispielsweise auf Diplomatieoptionen, den Schiffsdesigner oder das Forschungsmenü zugreifen.

Auf der rechten Seite dagegen könnt ihr via Register schnell auf eure Schiffe und Planeten zugreifen. Durch all diese Bereiche navigiert ihr mit dem Steuerkreuz, mittels Schultertasten könnt ihr durch weitere Untermenüs schalten und weil ihr euch am Anfang unmöglich merken könnt, welcher Knopf gerade was macht, bekommt ihr das jederzeit angezeigt - ohne, dass es nervt.

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Durch Menüs wie dieses navigiert ihr grundsätzlich via Steuerkreuz, für die Navigation durch die Galaxie benutzt ihr dagegen die Analogsticks.

Das Konsolen-Interface kommt aber natürlich mit einem gewissen Preis. Weil Texte auch auf dem Fernseher noch gut lesbar sein müssen, haben die Entwickler selbige deutlich vergrößert. Lesbar sind sie somit wirklich gut, allerdings führt das dazu, dass ihr gerade im späteren Spielverlauf, wenn ihr also viele Schiffe und kolonisierte Planeten habt, in vielen Menüs scrollen müsst. Ich glaube allerdings, dass man bei einem komplexen 4X-Strategiespiel wie Stellaris auf der Konsole mit solchen kleinen Nachteilen schlichtweg leben muss - mir fällt jedenfalls nicht ein, wie sich dieses Problem ansonsten lösen ließe.

Hätte ich heute die Wahl, Stellaris entweder auf dem PC oder der Konsole zu spielen, ich gebe zu, ich würde mich nach wie vor wohl für den PC entscheiden, das Spiel ist mit der Maus trotz allem einfach ein bisschen zugänglicher. Aber es soll ja Menschen geben, die die Ästhetik eines einigermaßen aktuellen Spiele-PCs eher abstoßend als anziehend finden und die ihr schmalbrüstiges Notebook zum Spielen nicht nutzen können oder wollen. Diese Leute und jene, die Stellaris ohnehin schon im Schlaf spielen können und das jetzt auch in ihrem großen Heimkino wollen, können bedenkenlos auch zur Konsolenversion greifen. Ich kann mir aktuell keinen besseren Weg vorstellen, dieses Spiel mit einem Controller erlebbar zu machen.

Entwickler/Publisher: Paradox/Paradox - Erscheint für: PS4, Xbox One - Preis: 39,99 Euro (Standard Edition), 59,99 (Deluxe Edition) - Erscheint am: erhältlich - Gespielte Version: Xbox One - Sprache: englische Sprachausgabe, deutsche Texte - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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