Frischer Wind zu einem Preis. Das Spiel zum zweiten Lego-Film legt mehr wert aufs Bauen und rückt dabei die Story in den Hintergrund.

Das Spiel zum ersten Lego-Kinofilm war damals kein schneller Versuch, von dem erfolgreichen Streifen zu profitieren, solange der Hype anhält. TT Games lieferte ein gutes Spiel ab, das in puncto Umfang nicht ganz so groß war wie andere Teile der Lego-Reihe und trotz seines fokussierteren Designs Spaß machte. Mit dem Spiel zum zweiten Kinofilm gehen die Entwickler einen ähnlichen Weg und sorgen zugleich für frischen Wind.

Zu verdanken ist dies dem Fokus des Spiels auf das Bauen - das, was Lego im Grunde ausmacht. Das geht so weit, dass die Kämpfe in The Lego Movie 2 Videogame eher spärlich verteilt sind. Kein Vergleich zu den Massen an Auseinandersetzungen, mit denen euch andere Spiele der Reihe konfrontierten. Und das ist eine willkommene Abwechslung. Ich hatte beim Spielen nicht den Eindruck, dass mir dabei was fehlt - weniger ist ab und an mehr.

Andere Entscheidungen sind hingegen... fragwürdiger. Während der Vorgänger noch im klassischen Lego-Level-Design aufgebaut war - ihr habt einen Level nach dem anderen gespielt, dazwischen gab es einige Hub-Welten -, besteht The Lego Movie 2 Videogame komplett aus Hub-Welten. Und es greift den Ansatz von Lego Dimensions auf, indem ihr durch Portale zu verschiedenen Welten reist. Einige davon dienen dem Fortschritt der Story, andere sind zur Nebenbeschäftigung da. Die Missionen sind in diese Welten eingebettet. Ernsthaft anspruchsvoll sind sie nicht.

Kämpfe gibt es hier bei weitem nicht so oft wie in anderen Lego-Spielen.

Hier manifestiert sich der Eindruck, dass es den Entwicklern mehr um eine Spielwiese als um ein Story-fokussiertes Spiel wie im Vorgänger ging. Die Zwischensequenzen beschränken sich auf ein Minimum, Sprachausgabe gibt es kaum.Von der Geschichte des Films bekommt ihr nicht viel mit. Einzig Lucy erzählt euch regelmäßig was darüber. Und das ist eine eher langweilige Form des Geschichtenerzählens, weil ihr es nicht direkt miterlebt. Ein krasser Gegensatz zum Vorgänger.

Die Welten wirken mit Ausnahme einiger herumlaufender und -fahrender Lego-Figuren und -Fahrzeuge leblos. Sie sind im Grunde das Gegenteil dessen, was die Lego-Spiele ausmacht. Wo in den Lego-Star-Wars-Spielen und anderen Titeln die Schauplätze mit viel Liebe zum Detail nachgebaut wurden - ebenso im Spiel zum ersten Film -, habt ihr hier leere und uninspirierte Welten. Sie wirken so, als hätten die Macher sie mit Lego Worlds erstellt und dezent mit Lego-Movie-2-relevanten Dingen befüllt.

Am Ende läuft es darauf hinaus, dass ihr jeweils das Portal in die nächste Welt freischaltet, indem ihr ausreichend Meisterbauersteine sammelt. Diese erhaltet ihr für erledigte Aufgaben. Viele davon, die ihr zum Vorankommen benötigt, erhaltet ihr durch die Hauptmissionen. Den Rest findet ihr in den Welten verteilt oder ihr absolviert Nebenmissionen. Es ist kein langer Grind und ihr hängt nie zu lange in einer Welt fest.

Für einige Rätsel zaubert ihr Farbe auf weiße Steine.

Eine nette Idee ist, dass ihr einen Sandbox-Bereich allein dafür erhaltet, euch nach Lust und Laune auszutoben. Baut dort was ihr möchtet. Wie erwähnt hinterlässt The Lego Movie 2 Videogame mit seinem Baufokus den Eindruck einer alternativen Version von Lego Worlds mit einem Fünkchen Story. Und einem vereinfachten Bausystem. In Lego Worlds baut ihr Sachen Steinchen für Steinchen, hier machen das die Charaktere automatisch, nachdem ihr die vielen Pläne eingesammelt habt.

Welche Objekte und Figuren ihr freischaltet, entscheidet jetzt im Großen und Ganzen der Zufall. Ihr findet Relikte in Schatztruhen und vereinzelt bei besiegten Gegnern. Öffnet ihr diese in einem der Shops - wo ihr neue Baupläne für gesammelte Steinchen kauft -, würfelt das Spiel zufällig den Inhalt aus. In gewisser Weise eine Art Lootbox, zum Glück ohne eine Form von Mikrotransaktionen. Truhen sind großzügig verteilt und für Duplikte erhaltet ihr Relikt-Splitter, von denen mehrere zum Beispiel ein Mega-Relikt ergeben. Die Charaktere sind diesmal nicht mehr als Skins. Nach und nach schaltet ihr universelle Fähigkeiten für alle frei, darüber hinaus wählt ihr jederzeit eine Waffe aus eurem freigeschalteten Arsenal aus. Ab und an braucht ihr spezifische Charaktere, um einzelne Questgeber anzusprechen.

Einer der Bossgegner des Spiels.

Zusätzlich scannt ihr in den einzelnen Welten alle denkbaren Objekte ein, um sie anschließend zu bauen. Das fängt bei Straßenlaternen an, geht über Mülleimer bis hin zu Hot-Dog-Ständen und Giftcontainern. Um das alles zu bauen, benötigt ihr Legosteine. Die sammelt ihr, indem ihr wie in den Lego-Spielen üblich alles kurz und klein schlagt. Lego Der Hobbit experimentierte damals mit dieser Idee, The Lego Movie 2 Videogame hebt sie auf die nächste Stufe.

The Lego Movie 2 Videogame ist ein zweischneidiges Schwert. Erhofft ihr euch davon ein Spiel in der Art des direkten Vorgängers - und dem Großteil der anderen Lego-Spiele -, seid ihr unter Umständen enttäuscht davon. Das Spiel zum Film legt großen Wert aufs Bauen und weniger aufs Kämpfen oder auf die Erzählung. Die Schauplätze aus dem Film sind vorhanden, dafür fehlt es an den klassischen, erzählerischen Levels, wie ihr sie kennt. Davon hängt maßgeblich ab, ob euch The Lego Movie 2 Videogame am Ende Spaß macht oder nicht. Für mich ist es zum einen eine willkommene Abwechslung, zum anderen fehlen mir die Story-Level. Häufig fühlt es sich an, als hätte TT Games Lego Worlds ein wenig vereinfacht und einen passenden Story-Anstrich verpasst. Ob das jetzt gut oder schlecht ist ...? Wie gesagt, es ist eine Frage eures Geschmacks. Insgesamt hinterlässt The Lego Movie 2 Videogame aber angesichts der mangelnden Liebe zum Detail deutlich mehr den Eindruck eines schnell entwickelten Spiels zum Film als sein Vorgänger. Und das ist schade.

Entwickler/Publisher: TT Games/Warner - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: ca. 40 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

lenovo1

Anzeige

Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

Mehr Artikel von Benjamin Jakobs