Es ist inzwischen rund zehn Jahre her, dass die letzte Folge der Neuinterpretation von Battlestar Galactica über die Mattscheibe flimmerte. Die Serie um den vermeintlich letzten Kampfstern der Menschen, ein schwer bewaffnetes Großkampfschiff, das mit nicht ganz 50.000 Überlebenden im Schlepptau vor den mörderischen Zylonen (in der Serie gern abschätzig Toaster genannt) flieht, stets auf der Suche nach einer geeigneten neuen Heimat, hat mich seinerzeit ziemlich gefesselt. Und dann habe ich die Serie mehr oder minder vergessen.

Spannend finde ich es trotzdem, dass im August 2017 ein Weltraum-Taktikspiel dazu veröffentlicht wurde, das bis heute um neue Inhalte und Kampagnen erweitert wird. Der neueste DLC erscheint am 19. März und er bildet den Abschluss von etwas, das Publisher Slitherine "die erste Staffel von Battlestar Galactica Deadlock" nennt. Was natürlich andeutet, dass für die Zukunft weitere Inhalte geplant sind. Grund genug, mit einer Weile Verspätung einen Blick auf Battlestar Galactica Deadlock zu werfen.

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Der Taktikbildschirm: Hier entscheiden sich die Schlachten.

Deadlock ist ein Prequel zur Serie. Es geht um den ersten Zylonenkrieg, jener Konflikt, der dem zweiten, vernichtenden Angriff voranging. Die Galactica und all die anderen, seinerzeit noch existierenden, Kampfsterne sind noch keine abgeschriebenen Museumsschiffe, sondern brandneue technologische Monster. In der Hauptkampagne verfolgt ihr über 14 Missionen hinweg diverse Raumschlachten. Das Kampfgeschehen findet runden-, nicht jedoch felderbasiert statt. Ihr könnt also frei entscheiden, wohin eure Schiffe innerhalb eines gewissen Radius fliegen sollen, Angriffsbefehle geben und in gewissem Rahmen auch die Höhe oder Tiefe des Schiffs festlegen.

Ihr solltet nur immer darauf achten, dass eure Geschütze in richtiger Position zum Gegner stehen, denn während einige Einheiten mit ihrer Hauptwaffe nur nach vorne und hinten schießen können, haben andere die gleichen Möglichkeiten nach rechts und links. Habt ihr alle Befehle eingegeben, werden sie innerhalb von 15 Sekunden ausgeführt, in denen ihr nur zusehen könnt und hinnehmen müsst, was passiert. Das kann teilweise relativ nervenaufreibend sein - vor allem dann, wenn ihr plötzlich merkt, dass ihr etwas falsch gemacht habt. Das kann übrigens auch heißen, dass ihr die Flugrouten eurer Raumschiffe schlichtweg falsch geplant habt und sie kollidieren. Also: Immer einen Sicherheitsabstand halten!

Zwischen den Missionen greift ihr wiederum auf den Kommandotisch zu - von dort aus könnt ihr kontrollieren, wohin sich eure Flotten bewegen, sogar eure mobile Schiffswerft dürft ihr steuern. Zu Beginn allerdings nur in gewissem Rahmen, da werdet ihr über Textfenster mehr oder minder instruiert, was ihr zu tun habt. Und auch später schränken euch Konstrukte wie Flottenpunkte ein. Es ist also leider nicht möglich, die größte Streitmacht der Kolonien überhaupt zusammenzuziehen und dem Feind dann den entscheidenden vernichtenden Schlag zu verpassen.

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Via Kommandotisch bestimmt ihr über den Standort eurer Flotten.

Eure Flottengröße dürft ihr aber immerhin durch Skill-Punkte erhöhen und so entsteht mit der Zeit ein schönes Fortschrittsgefühl. Anfangs sind es nur kleinere Scharmützel, in die ihr verstrickt werdet, später werden das ausgewachsene Raumschlachten mit ansehnlichen Explosionen. Den Überblick zu behalten, ist da nicht immer ganz leicht, das macht die schiere Menge an Einheiten, die sich im Rahmen der dreidimensionalen Karte bewegen.

Von euren Kampfsternen könnt ihr schließlich auch noch Jägergeschwader starten und die sind im Vergleich zu den großen Mutterschiffen sehr klein - zoomt ihr also nah rein, seht ihr die großen Schiffe nicht mehr, zoomt ihr nah raus, fehlt euch der Blick auf die kleinen. Aber daran gewöhnt man sich: Jeder Schritt will eben gut überlegt sein und das ist für ein Rundentaktikspiel auch vollkommen richtig so.

Im Übrigen finde ich es recht stark, wie schnell beim Spielen wieder Galactica-Gefühle aufkommen. Es ist nun wirklich eine Weile her, dass ich die letzte Battlestar-Folge gesehen habe. Aber mit dem ersten einsetzenden Musikstück des Spiels war das Gefühl wieder da, die Funksprüche, die ihr während der Missionen hört, taten ihr Übriges. Ein herzhaftes "So say we all" fällt gern mal als Antwort auf einen Befehl und der Gesang im Hintergrund unterstreicht dieses Gefühl. Klar, "All Along the Watchtower" fehlt, aber das passiert schließlich auch erst später in der Serie (die ich an dieser Stelle wirklich empfehlen möchte, schon allein aufgrund dieses einen Moments).

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Die Taktik des Kampfsterns könnt ihr manuell anpassen - was jeweils bestimmte Boni und Mali zur Folge hat.

Der Soundtrack ist aber nicht der einzige Grund, warum ich euch Deadlock ans Herz legen möchte. Das Galactica-Gefühl kommt auch auf, weil ihr neben all der Ballerei auch mal die ein oder andere politische Entscheidung treffen müsst. Durch eure Erfolge bewahrt ihr euch die Zustimmung der zwölf Kolonien, die es unbedingt zu erhalten gilt. Diese Kolonien finanzieren euch nämlich, wodurch ihr euch wieder mehr Raumschiffe oder bessere Waffen kaufen könnt. Ihr habt es neben dem Rundentaktikspiel also mit einer Art Mini-Wirtschaftssimulation zu tun, bei der ihr die Zahlungswilligkeit der einzelnen Planeten immer im Auge behaltet solltet - zahlt einer mal nicht genug, stationiert am besten eine Flotte im Orbit.

In seiner Ursprungsversion ist Deadlock noch kein strategischer Quantensprung, die DLCs haben aber nicht nur neue Schiffe und Waffen hinzugefügt, sondern unter anderem einen Bürgerkrieg unter den Kolonien. Ein ganz neuer Aspekt also, der es lohnend macht, noch einmal ins Battlestar-Galactica-Universum abzutauchen. Vielleicht umso mehr für jene, die seinerzeit die Serie genossen haben, das gebe ich gerne zu, denn atmosphärisch liegt Battlestar Galactica Deadlock sehr nah an der Vorlage. Dennoch sollte es auch für alle, die mit der Serie bislang nichts am Hut hatten, aber Weltraumtaktik mögen, kein Problem sein, ins Spiel zu finden. So say we all!

Entwickler/Publisher: Black Lab Games/Slitherine - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: 36,99 Euro für das Hauptspiel, 5 bis 10 Euro für die DLCs - Erscheint am: erhältlich - Gespielte Version: PC - Sprache: englische Sprachausgabe, deutsche Texte - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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