Die Hamburger Spieleschmiede Daedalic ist vor allem für ihre klassischen Adventures bekannt, vor allem Titel wie Harveys neue Augen, Edna bricht aus oder die Deponia-Reihe sind hierzulande ein Begriff. In den vergangenen Jahren öffnete sich das Studio allerdings auch neueren Spielkonzepten und zog auch seine Adventure-Philosophie mit dem durch und durch modern wirkenden State of Mind in die von Telltale und Dontnod geprägte Neuzeit der Erzählspiele. Auch als Publisher fungiert man mittlerweile.

Auf den Daedalic Days präsentierten die Hamburger um Carsten Fichtelmann nun ihr PC-Spiele-Portfolio für die nächste Zeit. Vier Teams gewährten einen Einblick in ihre Visionen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber lest selbst!

Unrailed!

Gleich zu Beginn der Daedalic Days durfte ich mich an das zügige Abenteuer Unrailed! wagen. Bis dato war mir das Spiel völlig unbekannt und beim Stichwort "Schienenbau" wurde mir schon etwas bange. Das klang kompliziert und absolut nicht danach, dass ich das innerhalb von zwei Minuten lernen könnte, um meinen Kollegen eine Hilfe zu sein. Glücklicherweise entpuppte sich das Game als etwas, mit dem ich vertraut bin: einen Koop-Titel im Stil von Overcooked! Im Grunde ist das Spielprinzip schnell erklärt: Jeder Mitspieler sucht sich eine Spielfigur aus und übernimmt auf dem Bildschirm bestenfalls eine feste Rolle, um dem Zug in Echtzeit die Schienen vor die Räder zu legen. Sich abzusprechen und zusammenzuarbeiten, ist absolut unabdinglich.

Warum das so ist? Nun, in Unrailed startet jeder der prozentual generierten Level mit einem Zug samt Wagon, der scheinbar über keinerlei Bremsen verfügt. Der Lokführer sieht augenscheinlich keine Chance, die Maschine zu stoppen und so ist es eure Aufgabe als Dino, oder welchen Charakter ihr auch immer ausgesucht habt, den Zug vor einem Unfall zu bewahren. Anstatt ihn irgendwie zu stoppen, bastelt ihr aus einfachen Materialien Schienen zusammen, die ihr zu einer Strecke verbaut. Dafür müssen zunächst Holz gehackt und Steine abgebaut werden. Ab und an fängt der Zug völlig grundlos an zu brennen und wenn ein Schwein auf der Wiese schlechte Laune hat, ja dann schubst es euch auch mal in der Gegend rum.

Die einzelnen Level in Unrailed! sind nur zu schaffen, wenn ihr klare Aufgaben verteilt und euch auch daran haltet. Sobald Panik ausbricht und einer nicht weiß, was er tun soll, ist meist alles zu spät. Ihr gewinnt das Level übrigens, wenn der Zug im Bahnhof einfährt. Auf magische Art und Weise kann er dort nämlich stoppen. In einem anderen Spielmodus lassen euch die Entwickler immer weiter bauen, ohne ein Ende in Sicht. Wer kommt am Weitesten?

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BILDUNTERSCHRIFT

Felix the Reaper

Man nehme: einen korpulenten Arbeitslosen, eine unerreichbare Liebe, Puzzle-Elemente und ein Entwicklerteam, das auf Musik, Tanz und töten steht. Herausgekommen ist Felix the Reaper, eine Komödie über den Tod. In diesem 3D-Puzzle-Game dreht sich alles um den namensgebenden Protagonisten Felix, der unsterblich in ein Mädchen verliebt ist. Jedoch arbeitet sie für das Ministerium des Lebens und ist für ihn unerreichbar. Seine einzige Chance sieht er darin, für das Ministerium des Ablebens zu arbeiten und Lebewesen den Tod zu bringen. Irgendwann wird sie ihm über den Weg laufen und sie können sich endlich nah sein. Völlig logische Denkweise!

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Ein bisschen Double Fine schwingt hier ja schon mit.

Nun aber zu seinem Job: Auf der Welt würden viel weniger schreckliche Dinge passieren, wenn es Felix und seine Kollegen nicht gäbe. Denn seine Aufgabe ist es, ein Szenario so zu verändern, dass der geplante Tod auch wirklich eintritt. Dazu hält sein Chef die Zeit an und Felix wird zum Ort des Geschehens teleportiert. Hier kann er sich als Reaper aber nur im Schatten voran bewegen. An diesem Punkt kommt ihr ins Spiel: Die Lichtverhältnisse lassen sich jederzeit via Knopfdruck verändern, damit neue Schattenwege entstehen. So kann Felix an den gewünschten Ort tanzen und Gegenstände verschieben. Eigentlich soll er unauffällig sein, aber seine Liebe zur Musik überwältigt ihn immer wieder und er tänzelt von einer Ecke in die nächste. Wenn alles stimmt, könnt ihr bereits im ersten Level sehen, wie ein elchähnliches Wesen den Kopf verliert. Ein bisschen gemein ist es ja schon, anderen den Tod zu wünschen. Aber Felix ist einfach zum Knuddeln und man möchte ihn auf seiner Reise zur Herzdame unbedingt zur Seite stehen.

Iratus Lord of the Dead

Von fröhlichen Zugfahrten und tanzenden Dickerchen hat es mich in den nächsten Raum verschlagen, in dem es düster wurde. Das russische Entwicklerstudio Unfrozen präsentierte hier Iratus: Lord of the Dead. Und ja, es ist genau so tödlich ist wie es klingt. Hier schlüpft ihr in die Rolle eines Nekromanten, der viele Jahre im Verließ seine Rache geplant hat und nun mit einer Armee aus Untoten einen Dungeon durchquert. Das taktische RPG lässt euch dabei allerdings nicht zu Fuß durch die Räume ziehen und sie erkunden. Ihr springt eigentlich nur von Kampf zu Kampf und rüstet euch im Kerker für die nächste Auseinandersetzung. Aus gewonnen Items wie Knochenhaufen, Stoffen und Krimskrams wird mithilfe von Alchemie ein neuer Untertan für den Kampf.

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Wer bei dem Bild an Darkest Dungeon denkt, hat recht.

In der Theorie klingt es einfach, in der Praxis brauchen vor allem Ungeübte des Genres sicher einige Zeit, um hier durchzublicken. Gefühlt tausende Anpassungsmöglichkeiten, Skills und Tasten, die betätigt werden können. Das erschlägt einen auf dem ersten Blick gehörig. Laut der Entwicklerin habe das Spiel viel positives Feedback bei ersten Testsessions bekommen, allerdings gab sie auch zu, dass es kein Game für Anfänger ist. Das liegt nicht an dem Schwierigkeitsgrad, sondern dem Fehlen von Speicherpunkten. Und damit meine ich, dass es gar keinen gibt. Um das Game zu gewinnen, müsst ihr es durch sieben Ebenen des Dungeons schaffen, jede mit unzähligen Kämpfen. Verliert ihr einen Kampf, ist es kein Problem, neue Untote aus Items zu erschaffen. Aber irgendwann wird euer Vorrat aufgebraucht sein. Und dann müsst das Spiel von vorn starten. Es gibt nicht mal einen Speicherpunkt nach einer geschafften Etage des Dungeons.

Hart, aber wie bei allen Spielen mit Rogue-Elementen, steht und fällt am Ende alles damit, ob das Spiel genug Anreize bietet, sich von Neuem in die Schlacht zu werfen. Wir werden sehen.

Barotrauma

Ich habe ein paar Freunde, die Barotrauma kaum erwarten können. Allerdings findet man Spieler dieses Genres normalerweise nicht an jeder Straßenecke. Ein Glück also, dass der federführende Entwickler Joonas Rikkonen mit Containment Breach bereits zuvor ein Spiel erschaffen hat, dessen Fans er jetzt einfach mitzieht. Barotrauma ist ein 2D-Koop-Survival-Game in einem U-Boot, das durchs Weltall tuckert und euch jederzeit der Gefahr des Ertrinkens aussetzt. Die sprichwörtliche Kirsche auf der völlig wirren Szenario-Torte sind die Monster, die ihr in einem Team aus bis zu 16 Personen aufhalten solltet, wenn ihr an eurem Leben hängt.

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Mit verteilten Rollen kommt man weiter.

Unter der gefrorenen Meeresoberfläche eines entfernten Planeten versuchen die Abenteurer in prozentual generierten Leveln zu überleben. Dabei übernimmt jeder Spieler eine spezifische Aufgabe im U-Boot. Hier ist es ist von Vorteil, die Funktionsweise und Aktion-Reaktion gewisser Technologien und Knöpfe zu verstehen. Das Sonar ist beispielsweise äußerst hilfreich, um sich zu orientieren. Seine Technologie lockt aber auch gefährliche Feinde an.

Ihr bewegt euch mit dem Gefährt durch die Dunkelheit, erledigt Missionen und seid darauf erpicht, dass nichts kaputt geht. Hier ein Leck, da eine Verletzung und irgendwer muss sich auch um das schleimige Vieh kümmern, das sich von außen durch den Rumpf beißt. Das kann ganz schön stressig werden und mit großen Verlusten einhergehen.

Leidet eines der Crewmitglieder zusätzlich an einer psychischen Krankheit, machen Illusionen von Feuer und Gefahr das Multiplayer-Chaos perfekt. Die Entwickler von Barotrauma haben ihr Spiel besonders Modder-freundlich gestaltet. So lässt sich eigentlich alles modifizieren: Monster, das U-Boot und auch die Charaktere selbst. Das bietet unzählige Möglichkeiten für ein Spiel, das schon im Grundmodus einiges an Übung bedarf.

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In diesem Artikel genannte Spiele

Über den Autor:

Franziska Behner

Franziska Behner

Freie Redakteurin

Die begeisterungsfähige Düsseldorferin hält sich eigentlich nur von Pixelspielen und Star Wars fern. Findet, dass in jedem Game Hasen(ohren) vorkommen sollten. Mit Kuchen und einem PS4-Controller in den Händen fast immer glücklich.

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