Schade, dass ich meine alten Spielstände aus Borderlands nicht mehr habe. Hätte die Festplatte meiner Xbox 360 nicht vor ein paar Jahren den Geist aufgegeben und hätte ich Cloud-Spielstände aktiviert gehabt ... In dem Fall hätte ich sie in die neue Game of the Year Edition von Borderlands importieren können. Na dann erneut von vorne, ist ja kein Beinbruch.

Wobei, war es in mancher Hinsicht schon. Es zeigte mir, dass ich Teil eins einfacher in Erinnerung hatte, als er es war. Oder ich löste die Dinge seinerzeit anders. Ich komme frisch aus Metro: Last Light und Generation Zero, sollte daher wissen, dass es nicht immer ratsam ist, sich mitten ins Getümmel zu stürzen. Ich lernte es auf die harte Tour, als ich mich mit ein paar höherstufigen Skags auf einmal anlegte. Und mit verschiedenen anderen Gegnern, die mich in meine Einzelteile zerlegten. Aber hey, wisst ihr was? Ich kam zurück. Und dann machte ich sie platt.

Borderlands legt nach wie vor großen Wert auf seine Zahlen, ob jetzt beim Charakter- und Gegnerlevel oder beim Schaden, den eure Wummen anrichten. Es ist ein großes Zahlenspiel, nicht umsonst deklariert das Spiel Quests, die ein paar Level über eurer Charakterstufe liegen, als "hart" und darüber hinaus. Das sind sie. Allein bei den vielen, vielen Waffen, die euch das Spiel als Beute vor die Füße schleudert, seht ihr am Ende überall Zahlen. Das macht ja zugleich den Reiz aus, den das Original heute noch versprüht.

Claptrap begrüßt euch auf dieser rauen, neuen Welt.

Waffen, Waffen, Waffen. Im Grunde geht es in Borderlands allein darum, um die Sucht nach neuer Beute. Schneller. Tödlicher. Explosiver. Okay, gute Schilde oder Granaten sind ebenso nützlich. Und eure entwickelten Fähigkeiten. Die Freude ist immer groß, wenn ein getöteter Gegner oder eine geöffnete Beutekiste ein tolles, neues Spielzeug ausspuckt, das euer altes Inventar ersetzt. Und wenn es allein ein Fünkchen besser ist, wenn es mehr Wumms hat, ist es gut.

Stück für Stück entwickelt ihr euch zu einem mächtigen Vault Hunter. Bessere Waffen, bessere Fähigkeiten, mehr Freude am Spiel nach dem harten Einstieg, wenn ihr eure Widersacher mit zunehmend weniger Mühe in Grund und Boden stampft. Und Claptrap. Wer Claptrap nicht mag, hat Borderlands nie richtig geliebt. Im Ernst, Claptrap alleine trägt maßgeblich zum Unterhaltungswert des Spiels bei. Es ist immer eine Freude, dem kleinen, schrulligen Roboter zuzuhören.

Mit der Game of the Year Edition erlebt ihr Borderlands nicht wie damals. Im Gegenteil, es ist besser als es je war. Für die Veröffentlichung auf Xbox One und PlayStation 4 haben die Entwickler das Spiel gut aufgehübscht, an 4K und HDR angepasst. Ja, ihr seht dem Spiel weiterhin seine eine Dekade alten Wurzeln an. Macht nichts, denn es ist auf einem 4K-Display mit HDR echt ansehnlich und läuft gut. Der Cel-Shading-Stil steht dem Spiel nach wie vor. Wenngleich in Sachen Framerate nicht alles perfekt ist. Ausführlicheres zur technischen Seite lest ihr im Digital-Foundry-Artikel zu Borderlands GOTY.

Die Suche nach neuen Waffen treibt euch durch das Spiel.

Zugleich ist es nicht allein die technische Seite, die Verbesserungen erfuhr. "Quality of Life Improvements" nennt sich das im Englischen und betrifft Features, die es damals im ersten Teil nicht gab, in Borderlands 2 zum Beispiel schon. Auf Wunsch schaltet ihr eine Mini-Map an und aus, die dem zweiten Teil ähnelt. Das Inventar haben die Macher ebenso verbessert, übersichtlicher gestaltet. Ihr markiert Waffen, um sie nicht versehentlich zu verkaufen, oder kennzeichnet sie als Schrott. Und Gegenstände wie Munition, Medi-Kits und Geld nehmt ihr automatisch auf - praktisch.

Ebenso willkommen sind sechs neue und individuelle legendäre Waffen, um das Arsenal des Spiels zu vergrößern. Um an diese zu gelangen, besiegt ihr zum einen die Bosse des Spiels. Zum anderen kommt ihr über die goldenen Schlüssel an sie ran. Richtig gehört: Das Shift-Belohnungsprogramm, das in der Fortsetzung seine Premiere feierte, gibt es jetzt im ersten Teil. Und das Beste daran: Habt ihr Borderlands 2 oder The Pre-Sequel gespielt, erhaltet ihr 75 Schlüssel umsonst. Das ergibt eine ganze Menge guter Waffen.

Digital Foundry schaut sich die technische Seite an.

Besitzt ihr das Original auf dem PC, bekommt ihr Borderlands GOTY als kostenloses Upgrade auf Steam. Löblich, wenngleich ich mich als Konsolenspieler frage, warum das allein für PC-Spieler gilt? Mit dabei sind im Übrigen noch die DLCs The Zombie Island of Doctor Ned, Mad Moxxi's Underdome Riot, The Secret Armory of General Knoxx und Claptrap's New Robot Revlution für das volle Programm. Und: Die Macher haben den Splitscreen-Modus aufgemöbelt, hier spielt ihr jetzt mit bis zu vier Teilnehmern. Bedeutet insgesamt mehr Spielvergnügen mit Freunden auf der Couch. Außer auf dem PC, dort gibt es keinen Splitscreen-Koop.

Um es kurz zu machen: Möchtet ihr Borderlands noch einmal erleben, lohnt sich der Ausflug mit der neuen GOTY Edition - vor allem, wenn ihr das Original auf dem PC besitzt und das Upgrade kostenlos erhaltet. Zugleich eignet es sich hervorragend für diejenigen, die den ersten Teil noch nicht gespielt haben. Es ist ein wunderbarer Einstiegspunkt ins verrückte und abgedrehte Borderlands-Universum und eure Chance, das mit der besten und schönsten Version des Spiels zu tun. Gute Jagd!

Entwickler/Publisher: Gearbox/2K - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: ca. 30 Euro (kostenloses Upgrade für Besitzer des PC-Originals) - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.