"Es ist ein Story-orientiertes Singleplayer-Spiel und wir haben keine Mikrotransaktionen", erklärt Respawn-Chef Vince Zampella den etwa sechs- bis siebentausend Zuschauern auf der Star Wars Celebration in Chicago (und noch viel mehr Leuten im Stream). Und die Meute feiert das ab, als wäre gerade Freibier für alle versprochen worden.

Es müssen besondere Zeiten sein, in denen wir leben, wenn so etwas als erste und wichtigste Marketing-Floskel rausgehauen wird. Bevor der Shitstorm losgehen kann, fängt man die Social-Media-Meckerer also im vorauseilenden Gehorsam ein. Doch zum Glück gab es bei der Vorstellung von Star Wars Jedi: Fallen Order auch ein paar gehaltvollere Informationen zu hören und sogar ein wenig zu sehen.

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Die Second Sister macht Ernst auf ihrer Jedi-Jagd.

"Story-driven" ist ein Buzzword, das so ähnlich auch bei Battlefront 2 gefallen sein mag. Dort versprachen die Entwickler auch eine gehaltvolle Singleplayer-Kampagne und wir alle wollten es unbedingt glauben. Die Gier nach einem Star-Wars-Spiel mit einer Handlung, die uns zumindest nicht ganz für dumm verkauft, ist tatsächlich ungebrochen. Am Ende war die Kampagne von Battlefront 2 nicht viel mehr als eine hohle Andeutung darauf, was hätte sein können, wenn man mehr Mut und Konsequenz bewiesen hätte.

Nun will ich sicherlich die Lanze nicht voreilig für Vince Zampella und sein Team bei Respawn Entertainment brechen - das wäre auch unfair. Obwohl sie zuletzt bei Titanfall 2 durchaus bewiesen haben, dass sie auch Story können, wenn sie wollen, sind sie bislang doch eher durch herausragende Shooter-Mechaniken in Erscheinung getreten - neben der Titanfall-Serie bleibt sicherlich aktuell Apex Legends in guter Erinnerung. Qualifiziert sie das jetzt zu einem Studio, das Star Wars kann, und Third-Person-Action-Adventure?

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Cal bei der Arbeit. So sieht mein Montagmorgengesicht auch aus!

So eines wird Star Wars Jedi: Fallen Order jedenfalls und zumindest in der Präsentation und den ersten handfesten Informationen erweckt es den Anschein, als stecke Respawn unheimlich viel Energie in den narrativen Bereich des Spiels. Mehr als ein halbes Dutzend Geschichtenerzähler sollen an der Handlung arbeiten, heißt es. Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, ob das jetzt überproportional viele sind, aber es hört sich zumindest gut an.

Game Director Stig Asmussen, der früher unter anderem an God of War werkelte, erklärte, dass er seit 2014 bei Respawn arbeitet und das Team handverlesen hat. Er hat Leute wie Chris Avellone dazugeholt, der sich Sporen etwa bei Fallout 2, Planescape: Torment und Knights of the Old Republic 2 verdient hat. Die Nummer eins der Geschichten-Erzähler ist aber ein anderer, nämlich Aaron Contreras. Der Name sagt euch nichts? Macht nichts, ich musste es auch googlen. Der Mann hat zuvor die Story von Mafia 3 verantwortet. Falls sich jetzt bei euch die Nackenhaare aufstellen, ist das verständlich, das war auch meine erste Reaktion. Beim zweiten Gedanken an dieses Spiel fällt mir aber ein, dass die Handlung und vor allem ihre Inszenierung durchaus viele gute Seiten hatte - es haperte an anderen Dingen bei Mafia 3, die Handlung und wie sie erzählt wurde gehört im Rückblick eher zu den Lichtblicken.

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Dann wiederum: Dieser Job sieht eigentlich unfassbar cool aus.

Und deshalb blicke ich auch durchaus positiv gestimmt auf diese ersten Story-Fragmente, diese Teaser-Bröckchen, denen sicher noch einige Ladungen folgen werden. Sie erfüllen mich mit Mut, dass zumindest so etwas wie Force Unleashed herauskommen kann. Sowohl spielerisch als auch inhaltlich würde das zumindest in eine Richtung gehen, auf die ich richtig Lust hätte. Einfach mal wieder mit Lichtschwert und Machtkräften durch ein Star-Wars-Szenario zu spazieren und weiß-der-Teufel-was anstellen.

Worum es geht? Für die Jedi sind dunkle Zeiten angebrochen. Im konkreten Fall sind die Teufel natürlich klar definiert. Das Böse bei Star Wars ist das Imperium, sind der Imperator und seine Spießgesellen wie Darth Vader. Ob Anakin Skywalker in Fallen Order eine Rolle spielt? Das ist bislang unbekannt. Sicher ist, dass wir neben einigen bekannten Gesichtern (bislang unbenannt) auch viel Neues zu sehen bekommen. Zum Beispiel einen gewissen Cal Ketsis, den Protagonisten von Fallen Order. Er ist ein junger Padawan (verkörpert übrigens vom sympathischen Darsteller Cameron Monaghan, bekannt aus den Serien Gotham und Shameless), der die Order 66 überlebt hat. Ihr erinnert euch vielleicht: Das ist die Geheimdirektive des Imperators, die alle Jedi ausrotten soll. Anschaulich gemacht wurde das in Star Wars: Die Rache der Sith, als Anakin frei dreht und am Ende nur von Obi-Wan Kenobi gestoppt werden kann. Der Rest, also Darth Vader usw. ist Geschichte.

Jedenfalls ist Cal untergetaucht, der Padawan verbirgt seine Macht-Kräfte und arbeitet auf einer Schiffswerft, wo er Sternenzerstörer und andere Raumschiffe auseinandernimmt. Immer auf der Hut vor den Häschern des Imperiums. Natürlich bleibt das nicht lange so - in einer verzweifelten Situation muss er dann doch mal Jedi spielen und es ist vorbei mit der zähen Malocherei.

Das Ergebnis: Ein geretteter Kollege und eine aufgeschreckte Inquisition. Respawn durfte dem (mehr oder weniger) sorgsam gehüteten Star-Wars-Kanon hier und da ein paar neue Inhalte hinzufügen. Cal muss sich etwa gegen Purge Trooper zur Wehr setzen, die speziell darin geschult wurden, Jedi zu bekämpfen.

Noch gefährlicher ist allerdings die "Second Sister", eine Elite-Inquisitorin des Imperiums, die offenbar selbst über Machtkräfte verfügt. Um solch gefährliche Widersacher zu bekämpfen, muss Cal seinen Umgang mit Lichtschwert und Machtkräften erst peu á peu meistern, Fallen Order soll nämlich, sagt Respawn, alles andere sein als ein simpler Button-Mashing-Simulator. Die Kunst des Kampfes soll darin liegen, beide Elemente, also Lichtschwert-Kampf und Macht-Talente, miteinander zu kombinieren und die Schwächen der Gegner auszunutzen. Leider verzichtete man bei der Show in Chicago darauf, Einblicke in dieses Kampfsystem zu geben oder zumindest die theoretische Informationslage sinnvoll zu vertiefen.

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Gefährten: Cal und Cere.

Immerhin gab man noch ein paar andere Infobrocken preis. Etwa, dass Cal trotz des Werbeslogans "Vertraue niemanden, vertraue nur der Macht" doch nicht so ganz auf sich allein gestellt sein wird. So wird er etwa einen Sidekick haben, den Droiden BD-1 ("Das steht für Buddy Droid", erklärte Contreras). Er ist der beste Freund des Padawans, der ihm nicht nur mit einem Scheinwerfer Licht spendet, sondern als interaktiver Kompagnon Mut und Hoffnung in der "dunklen Zeit" versprühen soll.

Als weiterer Charakter an seiner Seite wurde die ehemalige Jedi Cere sehr kurz vorgestellt. Sie sei eine Art Mentorin, sagen die Entwickler, ohne weitere Details ausbreiten zu wollen. Dann reime ich es mir eben selbst zusammen: Wie soll ein Padawan ohne Meister zum Jedi werden? Eben!

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Diese Art von Jedi-Romantik habe ich vermisst.

Fazit: So bruchstückhaft die Präsentation auch gewesen sein mag, sie hat mich doch mit Hoffnung erfüllt. Ich habe zumindest das Gefühl, dass hier etwas Bedeutsames entstehen kann, wenn die Beteiligten wirklich dieser ersten Losung treu bleiben. Dass sie eben volle Energie auf die Entwicklung der Handlung verwenden. Eine Story, die vielschichtig ist, die mich tief in eine Star-Wars-Epoche eintauchen lässt, über die zumindest ich noch nicht so viel weiß. Eine Handlung, die mich nicht für dumm verkauft, weil der Protagonist nach der dritten Mission völlig irrationale Entscheidungen trifft und alles über den Haufen wirft, was davor aufgebaut wird (Hallo Battlefront 2, du darfst dich gerne angesprochen fühlen!).

Und darüber hinaus habe ich die Hoffnung, dass die Spielmechaniken (bislang nur Lippenbekenntnisse) tatsächlich eine befriedigende Tiefe erreichen und nicht doch in hohles Lichtschwert-Geschwinge ausarten. Star Wars Jedi: Fallen Order kann so vieles werden, auf das ich unheimlich Bock hätte. Aber es kann auch beim Versprechen bleiben. Respawn hat es selbst in der Hand.

Entwickler/Publisher: Respawn Entgertainment / EA Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 15. November- Angespielt auf Plattform: -

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Über den Autor:

Nedzad Hurabasic

Nedzad Hurabasic

Freier Redakteur