Die Xbox One S All-Digital will einen Paradigmenwechsel markieren, wirkt aber halbherzig

Wenn "mehr Auswahl" zu weniger Freiheiten führt.

Da ist er nun, der endgültige und eigentlich erfrischend ehrliche Xbox-förmige Grabstein auf dem der letzten Ruhestätte des Videospiels als physisches Gut: Die Xbox One S All-Digital Edition. Im Grunde ist das nur folgerichtig. Der Kunde hat gesprochen, laut und deutlich: Seit Jahren gehen die Verkaufszahlen für physische Games zurück, ohne dass der Markt an sich schrumpfen würde und auch das Händlersterben ist nicht allein durch jede Konkurrenz planierende Online-Versandhäuser zu erklären.

Die Leute mögen ihre Sammlungen auch auf der Konsole mittlerweile digital, wie es am PC aufgrund von Steam mittlerweile Gang und Gäbe ist. Sie lieben sie dort sogar so sehr, dass sie auf die Barrikaden gehen, wenn sie einen anderen Client installieren müssen, um an bestimmte Titel zu kommen. Wer das anders sieht, kann die Verschiebung in Richtung Digital sentimental beklagen oder der Realität ins Auge blickend hinnehmen. Nur eines darf man nicht erwarten: Dass irgendjemand applaudiert, denn zunächst einmal fallen in erster Linie Möglichkeiten weg.

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Schlicht. Kann ich mich mit anfreunden.

Trotzdem lässt Microsoft mit der All-Digital Edition vor allem die Chance liegen, diesen Vorstoß als echt und ehrlich visionär zu verkaufen, was vor allem im Geschäftsmodell begründet liegt. Aber noch mal auf Anfang. Was hat MS da gerade angekündigt?

Eine Xbox One S mit einem Controller, ohne optisches Laufwerk - physische Spiele, Film-DVDs und Blu-rays schluckt sie nicht, dafür gibt es im Bundle digitale Versionen von Minecraft, Forza Horizon 3 (nicht den neuen, vierten Teil, wohlgemerkt) und Sea of Thieves. Sie ist nicht kleiner, nicht leistungsstärker, sie streicht mit dem Blu-ray-Laufwerk einfach nur einen Aspekt der Hardware-Zusammensetzung. Angedachte Positionierung: Einstiegsmodell in die Xbox-Familie, was in den USA laut Pressemeldung 50 Dollar gegenüber der normalen One S bedeutet.

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Der aktuell wohl attraktivste Abo-Dienst. Wenn man nicht gerade EA Sports Fan ist.

Hierzulande geht die One S ohnehin schon für nur 199 Euro über die Ladentheke, man darf wohl bezweifeln, dass die All-Digital-Variante sich mit nur 150 Euro knapp oberhalb eines Nintendo 2DS ansiedeln wird. 170 Euro halte ich für realistisch und um das klar zu sagen: teuer ist das nicht! Aber verzichte ich wegen 30 Euro auf die Option, mir Gebrauchtspiele zuzulegen, mit denen sich die Differenz schnell amortisieren (und mehr) würde?

Ich bin sicher, es gibt eine Zielgruppe für ein Gerät wie dieses. Aber um für eine derartige Verschiebung in Sachen des Verhältnisses der Spieler zu ihren Games Beachtung einzufahren, hätte es eines mutigeren Schrittes bedurft, für den Microsoft eigentlich bestens aufgestellt gewesen wäre. Mehr noch, dasselbe Gerät hätte mit einem anderen Geschäftsmodell zu einem verdammt guten Deal werden können.

Denkt mal drüber nach: Näher an einem "Netflix für Spiele" ist aktuell wohl niemand als Microsoft mit seinem Xbox Game Pass. 100 Euro im Jahr öffnen den Weg zum kompletten In-House-Katalog des Herstellers - irrsinnigerweise unter anderem genau den drei Titeln, die der All-Digital Edition als Bundle beiliegen - und vielen anderen attraktiven Spielen. Ein wahrhaft zukunftsweisendes Modell, das die Vorzüge der aufziehenden digitalen Ära ungleich besser betont hätte, wäre - nur um einfach mal konkret Zahlen zu nennen: Digtal-only-Konsole inklusive ein Jahr Game Pass 199 Euro. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich zugkräftige Varianten vorzustellen, bei denen das Abo die Konsole subventioniert oder anders herum.

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So wie es ist, spricht im Moment wenig für die All-Digital-Version. Selbst der Preis relativiert sich je nach Gebrauch.

Wichtig ist der Gedanke - der Game Pass als Trojanisches Pferd, in dem MS seine Konsole wieder in den TV-Schränke schmuggelt, und umgekehrt: Ein günstig herzustellendes Stück Hardware, mit dem man neue Kunden an seinen lukrativen Abo-Dienst bindet. Zugegeben: Die Pressemeldung spricht nicht zu knapp nebulös von einem Spezialangebot im Zusammenhang mit der All-Digital Edition und Xbox Game Pass, geht aber nicht ins Detail, weshalb das alles eher nach Probemonat oder dergleichen müffelt.

Sollte sich daran etwas ändern, bin ich der erste, der Microsoft zu dem Mumm gratuliert, jahrelang anhaltenden Verkaufstrends auch Hardware folgen zu lassen, die ihnen Rechnung trägt (in diesem Zusammenhang wäre es übrigens schön, auch eine laufwerklose One X zu sehen). Die Einsicht hatten andere bislang nicht. So, wie die All-Digital Edition sich aktuell aber ankündigt, holt man sich wegen einer überschaubaren Ersparnis ein Stück Hardware ins Haus, das mittelfristig der schwächste der drei Deals sein dürfte, den Microsoft Interessierten zu bieten hat.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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