Nintendo Labo: VR-Set - Test: VR auf Nintendo-Art

Virtuelle Realität. Aus Pappe.

Endlich kann ich ungestört auf meine Papp-Bazooka drücken, was für ein Spaß! Ihr habt es vielleicht gelesen, wir hatten so ein paar Probleme beim Test des Nintendo-Labo-VR-Sets: Die Switch stürzte aus unerklärlichen Gründen ab. Die vor allem für mich schlechte Nachricht: Das tut sie immer noch. Die gute: Es liegt an dieser einen Switch. Eine Ersatzkonsole von Nintendo spielt das Modul völlig fehlerfrei und rund ab.

Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, wieso es auf meinem Gerät zu Problemen kommt und, nach aktuellem Stand, sonst auf keiner. Möge das zu den auf immer ungelösten Mysterien der Menschheitsgeschichte gehören. Jetzt jedenfalls konnte ich die Minispiele des VR-Sets in aller Ausführlichkeit genießen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Konsole abschmiert. Und das ist eine gute Sache.

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Ohne die geht gar nichts: die Labo-VR-Brille. (Nintendo Labo: VR-Set - Test)

Um mal alle abzuholen, die den ersten Artikel (Link siehe oben) nicht gelesen haben: Das VR-Set ist das erste Labo-Set, das nicht ausschließlich aus Pappe, Ösen, Gummis und der Switch-Konsole besteht. Stattdessen wird ein Paar Linsen in einem Plastikgehäuse mitgeliefert. Um das jedoch nutzen zu können, müsst ihr es erst in einer Pappvorrichtung verbauen, die ihr dann wiederum vor eure Augen haltet. Und das müsst ihr auch, denn eine Haltevorrichtung oder ein Kopfband gibt es nicht. Bei der ersten Batterie an Minispielen will Nintendo noch, dass ihr nach dem Einschieben des Switch-Bildschirms in die Pappvorrichtung auch noch die Joy-Cons an die Konsole anschließt, später stecken die in eigens dafür vorgesehenen Plätzen.

So oder so sind sämtliche Konstruktionen des VR-Sets so konzipiert, dass ihr immer beide Hände benutzen könnt oder müsst, um das Spiel zu steuern. Als Beispiel: Beim Vogel-Modell umfasst ihr die Konsole mit beiden Händen, legt eure Finger aber auch um zwei Hebel, die ihr nutzen müsst, um euren Flügelschlag zu steuern. Denn, so will es die Vogel-Analogie: Ihr müsst fliegen, Eier aufschlagen, neue Vögel um euch scharen, eine kleine offene Welt entdecken und Events freischalten. Wie ein Feuerwerk beispielsweise. Das ist etwas, vor dem Vögel normalerweise Angst haben, hier aber nicht, denn das ist Nintendo Labo, hier freut sich jeder über alles.

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Im Eifer des Gefechts müsst ihr euer Pappgewehr relativ schnell nachladen. (Nintendo Labo: VR-Set - Test)

Damit will ich vor allem sagen, dass sich Nintendo mit seinem neuesten Labo-Set noch mehr an Kinder richtet als zuvor. Die Warnung, das VR-Headset nur zu nutzen, wenn der Nutzer über sieben Jahre alt ist und auch nur für kurze Zeit und es sofort herunterzunehmen, sollte auch nur der Hauch von Übelkeit aufkommen, ist omnipräsent. Und die Tatsache, dass es keine Halterung für das Ding gibt und ihr es euch wirklich immer manuell vor den Kopf halten müsst, erscheint mir auch mehr wie eine bewusste Design-Entscheidung denn eine technische Notwendigkeit. Bei PSVR-Horrorspielen mache ich halt einfach die Augen zu, wenn ich es nicht mehr ertrage, aber hier rechnet man wohl mit dem Reflex eines Kindes, das Böse (die Konsole) einfach in die nächste Ecke zu pfeffern. Habe ich nicht ausprobiert, meine Konsole ist ja wohl ohnehin kaputt. Trauriger Smiley.

Die VR-Erfahrung funktioniert aber überraschend gut. Klar ist das mit der Switch ziemlich grobpixelig und ihr seht auch allzu deutlich den schwarzen Rand um jeden einzelnen Bildpunkt. Ansonsten aber kann das Erlebnis durchaus mit einigen der ersten PSVR-Demos mithalten, wobei es hier in keinem Fall auch nur ansatzweise zu Motion Sickness kam. Nintendo hat penibel Wert darauf gelegt, dass in jedem Spiel ein Fixpunkt vorhanden ist, der immer an der gleichen Stelle bleibt, sei es nun ein Vogel oder der Blaster. Was der Blaster ist? Eine seltsame Mischung aus Bazooka und Shotgun und gleichzeitig das wohl aufwändigste Modell des VR-Sets.

Ihr baut ihn in fünf größeren Schritten und am Ende habt ihr etwas in der Hand, das sich anfühlt wie Kriegsgerät aus Zellstoff. Mit der linken Hand schiebt ihr einen Schalter vor und zurück, so ladet ihr nach. Mit der rechten Hand drückt ihr auf einen Knopf und feuert eine Art Plasma-Projektil. Damit spielen könnt ihr die wahrscheinlich eindrucksvollste Anwendung des VR-Sets, einen kleinen Rail-Shooter nämlich. Niedliche Schleim-Aliens haben die Welt erobert und ihr müsst sie nun davonfegen. Das funktioniert hervorragend und macht einen Heidenspaß, auch wenn es absolut keine Herausforderung ist, weil euch die Viecher nämlich nichts anhaben können. Trotzdem, es hat schon seinen Reiz, einem monströsen Spinnenroboter in die leuchtenden Weichteile zu schießen, wenn der versucht, euch zu zerstampfen. Kann ich empfehlen.

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Das bin ich, sichtlich überfordert. (Nintendo Labo: VR-Set - Test)

Weitaus entspannender sind da die anderen Konstruktionen: Der bereits erwähnte Vogel etwa verlangt die Erkundung einer hübschen, virtuellen Vogelwelt, mit der Labo-VR-Kamera erforscht ihr die Tiefsee und katalogisiert Fische und mit dem Windpedal absolviert ihr kleinere Geschicklichkeitstests. Das ist alles nicht bahnbrechend, aber der Reiz ist einmal mehr bei Labo nicht das letztendlich verfügbare Spiel, sondern der Weg dahin. Das Bauen nämlich.

Setzt euch an einen ausreichend großen Tisch, nehmt euch euer Lieblingsgetränk, macht schöne Musik an und dann baut in Ruhe eines der Modelle zusammen. Das wirkt unheimlich entspannend. Ich liebe es und würde es sogar dann machen, wenn ich im Anschluss nicht damit spielen könnte. Allerdings kam mir das VR-Set wie das bisher komplizierteste vor, zumal es einige Stellen hat, von denen ich mir nicht ganz sicher bin, wie sie den Test der Zeit überstehen. Es ist einigermaßen leicht, sich in kleinen Details zu verknicken. Klar, Pappe ist ersetzbar, aber die Vorgängermodelle fand ich diesbezüglich idiotensicher. Das hier eher nicht. Was vielleicht aber einfach nur heißt, dass ich der Idiot bin.

Eine eher groteske und deshalb umso lustigere Anwendung ist übrigens der Elefant. Die zeichnet sich dadurch aus, dass einige der Pappteile gar nicht fest, sondern nur durch Gummis miteinander verbunden sind, um einen Rüssel zu simulieren. Spielt ihr den Elefanten, müsst ihr selbigen nutzen, um kleine Physikrätsel zu lösen und ich vermute mal, das wäre der größte Gag auf jeder Party. Statt den Betrunkenen anzumalen, holt ihr künftig also einfach eine Switch in Elefantenpappe und klemmt sie ihm vor den Kopf. Großartig, fantastisch - die Bilder davon stauben auf Instagram am nächsten Tag garantiert mehr Herzchen ab als das Bauchfrei-Foto eurer Lieblings-Influencerin.

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Das bin ich, erneut überfordert, aber mit Vogel-Modell. Ihr steuert es, indem ihr auf die Flügel drückt. (Nintendo Labo: VR-Set - Test)

Aber: Darum geht es hier nicht primär. Das Labo-VR-Set zeigt stattdessen, dass die Switch prinzipiell in der Lage ist, als VR-Konsole zu funktionieren, so sehr eben wie das auch jedes Handy kann, steckt man es nur in das entsprechende Headset. Klar ist das nicht technische Avantgarde, mit einer HTC Vive oder Oculus Rift ist das nicht ansatzweise zu vergleichen, aber es ist ein Einstieg. Und einer noch dazu, der für VR-Verhältnisse fast nichts kostet, zumal ich mir ohne Probleme ein Headset mit Halterung vorstellen könnte, dass einen Rail-Shooter realisiert, der über die paar Level des Blasters hinausgeht. Ein Spiel wie das hervorragende Astro Bot scheint für die Switch auf einmal in greifbare Nähe gerückt zu sein. Auf der anderen Seite wird wahrscheinlich niemand das VR-Update für Breath of the Wild nutzen, um das Spiel in 80 Stunden durchzuspielen. Aber auch hier ist ein kleiner Ausflug vielleicht eine nette Abwechslung zum drögen Tagesablauf von Link. Nintendo begreift VR nicht als Alternative zum bisherigen Spielerlebnis, sondern als Feature.

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Minispiele gibt es viele. Hier: Die Übersicht im VR-Modus. (Nintendo Labo: VR-Set - Test)

Und weil ich jetzt so viel darüber geschrieben habe, dass das Gameplay nicht langfristig taugt, möchte ich doch mal eine Lanze für die Labo-VR-Kamera brechen. Die nämlich hat auf mich eine wirklich unfassbar beruhigende Wirkung. Das Ding ist relativ klein und wenn ihr es euch vor den Kopf haltet, habt ihr nicht wirklich schwer zu tragen. Ihr blickt um 360-Grad-Winkel um euch herum, überall sind Fische. Ihr könnt sie fotografieren. Habt ihr einen neuen Fisch fotografiert, registriert das Spiel das. Es ist wirklich ein Traum. Ihr könnt euch auf euer Sofa legen und einfach mal eine Stunde lang Fische fotografieren. Das allein ist vielleicht kein Grund, sich das Labo-VR-Set zuzulegen, aber wenn ihr das ohnehin wollt, lasst diese Erfahrung bloß nicht aus.

Solltet ihr euch das VR-Set nun zulegen? Das kommt sehr darauf an, was ihr wollt. Nintendo vermag es hervorragend, VR-Neulingen zu zeigen, was ein solches System ausmacht und wie sehr es die Spielerfahrung verändert. Und das Basteln macht immer noch am meisten Spaß. Die Spiele selbst können letzten Endes aber wie Dämpfer wirken, trotz gewisser Highlights wie die Bosskämpfe im Blaster-Modus. Wir haben es hier also mit dem alten Labo-Problem zu tun. Ich würde aber sagen, dass sich allein die Bastelei lohnt und dass das spätere Spielen mehr sowas ist wie der ultimative Aha-Effekt. "Ach so funktioniert das", werdet ihr euch denken. Und dieses Staunen allein ist Nintendo Labo wahrscheinlich wert.

Entwickler/Publisher: Nintendo/Nintendo - Erscheint für:Switch - Preis: 79,99 Euro (ganzes Set), 39,99 (VR-Set mit Blaster), 19,99 (pro Erweiterungspaket) - Erscheint am: 12. April 2019 - Getestete Version: Switch - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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