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So ändern sich die Zeiten. Als die erste PlayStation kam und Tekken und andere 3D-Prügler auf den Plan traten, war ein Gedanke: "Meine Güte, wie cool wäre eine 3D-Polygon-Version von Samurai Shodown!" Ein paar Jahre später - 25 oder so -, höre ich mich sagen: "Ja, das sieht schon nett aus, spielt sich gut, aber ich wünschte es wäre in handgezeichnetem 2D." Oder wie Cinderella 1988 sang: "Don't know what you got till it's gone ..."

Die gute Nachricht dabei ist aber auf jeden Fall, dass dieser Serien-Reboot mit dem einfachen Titel Samurai Shodown ohne die Zahl ... ich würde sagen VII? ... im Kontext der Reihe deutlich konservativer daherkommt als der letzte 3D-Versuch mit Edge of Destiny von 2008. Und vor allem sehr viel besser. Um es gleich zu sagen, Edge of Destiny wird hier ignoriert, das Herumgekreise in die Tiefe des Raumes ist Geschichte, Samurai Shodown 2019 sieht aus wie ein klassischer Titel der Reihe, wenn er in 3D gerendert wurde. In hübscher Weise, 60 Frames, eigentlich ja eher auch 2,5D, wenn man es genau nimmt, auch wenn es einen kleinen Ausweichschritt in die Tiefe des Raumes gibt und interessanterweise relativ viel Blut. Hatte ich gar nicht so in Erinnerung auf dem Neo Geo. Aber das kann man abschalten, wenn man will. Es ist manchmal komisch, was in Mortal Kombat einfach dazugehört, stört mich hier. Kann nicht mal wirklich sagen, warum.

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Klassisch.

Um die Rückbesinnung auf alte Zeiten weiter zu zementieren, gibt es nur drei neue Charaktere im Gegensatz zu stolzen 13 aus früheren Titeln, unter denen sich natürlich praktisch alle Fan-Lieblinge wiederfinden. Natürlich sind Haohmaru und Nokoruru dabei, wie auch Hanzo, Charlotte, Earthquake und jeder andere, den man fest mit dem Erbe SNKs verbindet. Die immer noch nicht tot sind, sondern seit ein paar Jahren den Zusatz "Playmore" abgeschüttelt haben, Geld in China fanden und sogar letztes Jahr ein ganz niedliches Neo Geo Mini rausbrachten. Das nur am Rande, weiter mit Samurai Shodown, denn das ist die Art von Spielen, die SNK jetzt wieder macht. Statt Patchinko-Maschinen.

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Alte Freunde und Feinde, einmal mehr vereint.

Passend zu diesem ganzen "Zurück zu den Wurzeln"-Thema passt, dass auch die Story praktisch zur Zeit des ersten Spiels damals angesiedelt wurde, also kurz nach Teil fünf, falls es jemanden interessiert. Ich kann nicht sagen, dass ich mich jemals auch nur eine Sekunde damit beschäftigt habe, trotz Hunderter Stunden mit der Reihe über die Jahre hinweg. Ich denke, ich belasse es dabei, denn wenige Sekunden des obligatorischen Blah aus Bürgerkrieg in Alt-Japan, großes Böses kommt von irgendwoher und Helden und so reichten, um dankbar zu sein, dass man das für jeden Charakter leicht spezifische Intro wegdrücken kann, um direkt zum Spiel zu kommen.

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Eines der drei neuen Gesichter.

Im Spiel selbst dann muss ich sagen, dass ich jenseits des Wunsches nach echtem 2D kaum glücklicher sein könnte. Eine knappe Handvoll Charaktere konnten angespielt werden, ein paar Hintergründe waren zu sehen und alles fühlt sich so nach Samurai Shodown an, wie es sein sollte. Distanzen der Waffen sind sehr wichtig, der Mix aus langsameren Figuren mit hohen Reichweiten und schnelleren mit einem Mix aus Fernangriffen und heftigen Nahkampf-Kombos fühlt sich genau richtig an, die Specials gehen ganz gut von der Hand.

Meist jedenfalls, denn den Move, mit dem ich dem Gegner die Waffe aus der Hand schlage, der gelang mir in einer Reihe von Kämpfen nur ein paar Mal, aber jedes Mal war es sehr befriedigend, den Gegner zu bearbeiten, während er verzweifelt versucht, in die Nähe seines Schwertes zu kommen.

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Kleine Details wie das Gesicht im Glühen des Special-Schwunges gehen im schnellen Schlagabtausch schon mal unter.

Also ja, es spielt sich super, so wie es soll und damals wäre das genau das Spiel gewesen, das wir uns in 3D gewünscht hätten. Heute ist es halt das Spiel, das ich mir in 2D wünschte, aber das macht diesen Reboot in keiner Weise weniger erfreulich. Er ist ein gutes Zeichen, dass SNK sich daran erinnert, mal mit die Besten gewesen zu sein, wenn es um zwei Sprites geht, die sich eins drüberziehen und dieser Reboot von Samurai Shodown schließt zumindest auf den ersten kurzen Blick direkt an dieses Erbe an. Viel mehr kann man jetzt erst mal auch nicht verlangen. Zeit für fehlgeleitete 3D-Experimente bleibt später immer noch genug, nach einer Handvoll guten Teilen.

Entwickler/Publisher: SNK / SNK - Erscheint für: PS4, Xbox One, Switch, PCErscheint am: Juni 2019 - Gespielte Version: PS4

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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